• vom 21.04.2014, 15:53 Uhr

Geschäft

Update: 21.04.2014, 16:19 Uhr

Gesellschaft

Streit um die Gemeinwohl-Ökonomie




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (34)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andrea Möchel

  • Das alternative Wirtschaftsmodell ist im Visier von Wirtschaftskammer & Co. - nun setzen sich Vertreter zur Wehr.

Unterstützer eines alternativen Wirtschaftsmodells: Schirnhofer, Sonnentor & Co.

Unterstützer eines alternativen Wirtschaftsmodells: Schirnhofer, Sonnentor & Co. Unterstützer eines alternativen Wirtschaftsmodells: Schirnhofer, Sonnentor & Co.

Wien. Was haben der Stifter des Alternativen Nobelpreises, Jakob von Uexkull, der Sänger Konstantin Wecker, der Erzbischof von Barcelona und der Waldviertler Biokräuterproduzent Sonnentor gemeinsam? Sie alle glauben, dass die Welt ein neues Wirtschaftsmodell braucht, und unterstützen deswegen die sogenannte Gemeinwohl-Ökonomie.

Ziel der 2010 in Österreich gegründeten Wirtschaftsreformbewegung ist es, "anstelle der gegenwärtig dominierenden kapitalistischen Machtwirtschaft eine ethische Marktwirtschaft zu entwickeln und umzusetzen". Im Zentrum stehen dabei Werte wie Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, demokratische Mitbestimmung und Transparenz. Prominentester Vertreter ist Buchautor Christian Felber, der dem Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) vorsteht.


Anders Wirtschaften
Tatsächlich scheint das gesellschaftliche Klima für ein neues Wirtschaftssystem bereit zu sein. Laut einer Bertelsmann-Umfrage wünschen sich 90 Prozent der Österreicher eine "andere Wirtschaftsordnung". Doch während die Gemeinwohl-Ökonomie in Unternehmen, Universitäten und Kommunen wachsenden Zuspruch findet, ruft sie bei den institutionellen Vertretern von Wirtschaft und Industrie vor allem Widerstand hervor.

Und so ortet die GWÖ eine "Negativkampagne von Teilen der Wirtschaftskammer Österreich, des Wirtschaftsbundes Wien, des Raiffeisenverbandes und der Julius-Raab-Stiftung". Tenor der Attacken: Die Gemeinwohl-Ökonomie würde die Freiheit des Einzelnen einschränken und sei in ihrem Wesen undemokratisch.

"Diese Angriffe sind eine österreichische Spezialität", beklagt GWÖ-Sprecherin Anja Haider-Wallner gegenüber der "Wiener Zeitung": "Wir werden weltweit von Universitäten eingeladen - von der Helsinki Business School bis zur Universität von Buenos Aires. Und wir erfahren täglich mehr Unterstützung - vom Oberbürgermeister von Mannheim bis zu den 1685 Unternehmen aus 33 Staaten - die sich uns bisher angeschlossen haben."

Auffällig an der österreichischen "Negativkampagne" sei, dass "sämtliche Texte häufig auf frei erfundenen oder der Gemeinwohl-Ökonomie unterstellten Aussagen und Zitaten aufbauen." Die Wirtschaftsreformer wehren sich nun mit einem Dossier, in dem die Argumente der Gegner mit Originalzitaten der Gemeinwohl-Ökonomie konfrontiert werden. "Die Wirtschaftskammer Österreich führt keine ,Negativkampagne‘ gegen die Gemeinwohl-Ökonomie und beabsichtigt dies auch nicht", betont hingegen Karin Steigenberger, Referentin der Stabstelle Wirtschaftspolitik in der WKO, auf Anfrage der "Wiener Zeitung". "Wichtig erscheint der WKO, auf die massiven Veränderungen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems hinzuweisen, die mit der möglichen Etablierung einer ,Gemeinwohl-Ökonomie‘ einhergehen würden."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-04-21 15:56:06
Letzte Änderung am 2014-04-21 16:19:27


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Fachliteratur zu Wirtschaftsrecht

Werbung









Werbung