• vom 27.08.2014, 14:28 Uhr

Geschäft

Update: 27.08.2014, 16:30 Uhr

Unternehmenskultur

"Man glaubt noch zu oft, die Leute zur Arbeit zwingen zu müssen"








Von Cathren Landsgesell

  • Unternehmensberater Michael Vogler sieht die Arbeitswelt im Umbruch: Unternehmenskultur ist eine Frage der Führung.

Probleme einfach abgeben funktioniert meistens nicht. Der Unternehmensberater Michael Vogler rät, die Unternehmenskultur unter die Lupe zu nehmen.

Probleme einfach abgeben funktioniert meistens nicht. Der Unternehmensberater Michael Vogler rät, die Unternehmenskultur unter die Lupe zu nehmen.© reuters/Tobias Schwarz Probleme einfach abgeben funktioniert meistens nicht. Der Unternehmensberater Michael Vogler rät, die Unternehmenskultur unter die Lupe zu nehmen.© reuters/Tobias Schwarz

Wien. Wenn Sie sich von Ihren Vorgesetzten unverstanden und verkannt fühlen, hat Michael Vogler eine gute Nachricht für Sie: Schon allein aus demografischen Gründen werden Unternehmen in Zukunft mehr dafür tun müssen, dass sich Mitarbeiter wohlfühlen, argumentiert der Unternehmensberater im Interview zu seinem neuen Buch "Wieso arbeiten wir eigentlich hier?". Er erklärt in dem Buch auch, wie es Unternehmen gelingen kann, Mitarbeitern Würde und Sinn zu vermitteln.

"Wiener Zeitung": In Ihrem Buch "Wieso arbeiten wir eigentlich hier?" schreiben Sie, dass Unzufriedenheit und mangelndes Engagement unter Mitarbeitern epidemisch sind. Ist das heute ein historisch besonders schlimmer Moment oder war das immer schon so?

Information

Zur Person:

Michael Vogler

ist gebürtiger Innsbrucker und studierte Betriebswirtschaft, Philosophie, Geschichte und Kommunikationswissenschaft in Madrid, Paris, Luxemburg und Wien. Er berät seit mehr als 25 Jahren Unternehmen und Organisationen. Mit seinem Beratungsunternehmen "Kulturdesign" ist er auf die Entwicklung von Unternehmenskulturen spezialisiert. Sein Buch "Wieso arbeiten wir eigentlich hier? Unternehmenskultur erkennen und bewusst gestalten" ist im Verlag Edition Konturen erschienen.


Michael Vogler: Das war sicher nicht immer so. Mangelndes Engagement kostet die Unternehmen in Deutschland im Jahr mindestens 130 Milliarden Euro. Wir leben jetzt in einer Zeit des Umbruchs. Das ändert die Bedeutung von Unternehmenskultur. Die Zeiten, in denen man Menschen wie Maschinen einsetzen und behandeln konnte, sind vorbei.



Mit der Freiheit geht bislang vor allem Prekarisierung einher. Was macht Sie so sicher, dass sich eine substanziell andere Art der Unternehmenskultur durchsetzen wird?

Unternehmen werden in Zukunft nicht mehr jeden Arbeitsplatz so einfach nachbesetzen können - nicht zuletzt aus demografischen Gründen. Man wird es sich also nicht mehr leisten können, die Mitarbeiter schlecht zu behandeln. An die Stelle der Autorität tritt die Gemeinschaftlichkeit. Gemeinschaftlichkeit ist das Paradigma unserer Zeit. Das ist überall ablesbar - von der Werbung über die Politik bis hin zu den Wissenschaften. Meine Schlussfolgerung: Wir wenden uns nun von Ordnungsfragen ab und nach sehr langer Zeit wieder der Frage zu, was zwischen uns Menschen passiert.

Was heißt das für Führungskräfte in Unternehmen heute? Was müssen sie anders machen?

Sie müssen mehr zuhören und sich bewusst machen, dass Mitarbeiter Menschen sind. Menschen wollen aus innerem Antrieb immer etwas leisten. Man glaubt noch zu oft, die Leute zur Arbeit zwingen zu müssen. Menschen brauchen einander und sind nur dann glücklich, wenn sie für andere und mit anderen etwas tun können. Das "Du" ist das Entscheidende bei der Unternehmensführung - das sind die Mitarbeiter und auch die Kunden.

Wie kann man herausfinden, was die Mitarbeiter brauchen?

Es gibt nichts herauszufinden. Man muss es tun! Als Führungskraft muss man sich heute damit beschäftigen, wie man Gemeinschaftlichkeit herstellt. Das heißt zum Beispiel, dass man Teams nicht willkürlich zusammenstellt und wieder verändert, sondern dass man sie Kraft und Begeisterung entwickeln lässt. Es ist ganz wichtig, dass ein Chef oder eine Chefin eine konkrete Vorstellung davon hat, wie im Unternehmen gemeinsam gearbeitet werden soll und das beständig kommuniziert.

Solche Dinge sind meistens in Mission Statements festgehalten, reicht das nicht?

Man muss sich zuerst fragen, wie man die Leute überhaupt in die Lage versetzt, an den Zielen mitarbeiten zu wollen. Unternehmenskultur ist nicht das, was man in die Broschüren schreibt, sondern das, was gelebt wird: das, was die Gefühle der Mitarbeiter trägt. Wenn zum Beispiel Kundenorientierung ein Unternehmenswert ist, dann kann das bei den Mitarbeitern als "Fremdbestimmung" ankommen oder sie fürchten, im Zweifelsfall keine Rückendeckung durch die Führungskräfte zu haben. Diese Gefühlslage bestimmt dann in Wirklichkeit die Unternehmenskultur und damit den Umgang mit den Kunden. Wenn man also kundenorientiert sein will, dann muss man dem Mitarbeiter die Möglichkeit geben, Freude in der Arbeit mit dem Kunden zu entwickeln. Die Mitarbeiter müssen Würde und Wertschätzung fühlen, um sie weitergeben zu können.

Würden Sie sagen, dass es meistens an der Unternehmenskultur liegt, wenn Mitarbeiter sich nicht engagieren, auf ihre Arbeit und das Unternehmen nicht stolz sind? Ist es das Unternehmen und nicht das Produkt, das "nicht stimmt"?

Sobald es nicht nur ein Mitarbeiter ist, sondern mehrere, ist das in jedem Fall so. Wenn wir in ein Unternehmen kommen, schauen wir zuerst, wie die Stimmung ist. Wie begegnen uns die Leute am Gang? Werden wir begrüßt? Wie reden die Leute miteinander? Wenn die allgemeine Stimmung so ist, dass sich die Leute bei der Arbeit nicht wohlfühlen, dann liegt es in den meisten Fällen an der Kultur.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2014-08-27 14:32:06
Letzte Änderung am 2014-08-27 16:30:19



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Fachliteratur zu Wirtschaftsrecht

Werbung









Werbung