• vom 05.05.2014, 15:52 Uhr

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Update: 05.05.2014, 16:08 Uhr

Sozialmarie

Ein Netz für junge Straftäter




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Von Sophia Freynschlag

  • Erster Sozialmarie-Preis geht heuer an Verein Neustart für Sozialnetz-Konferenz für Jugendliche.



Unterstützung von Bezugspersonen: Mit Familie, Freunden und einem Sozialarbeiter schmieden junge Menschen in der Sozialnetz-Konferenz einen Plan, um nicht rückfällig zu werden.

Unterstützung von Bezugspersonen: Mit Familie, Freunden und einem Sozialarbeiter schmieden junge Menschen in der Sozialnetz-Konferenz einen Plan, um nicht rückfällig zu werden.© Neustart Unterstützung von Bezugspersonen: Mit Familie, Freunden und einem Sozialarbeiter schmieden junge Menschen in der Sozialnetz-Konferenz einen Plan, um nicht rückfällig zu werden.© Neustart

Wien. "Die Erfahrung, da stehen so viele Leute hinter mir, hat bewirkt, dass ich mich viel mehr angestrengt habe, die Ziele zu erreichen. Ich wollte niemanden enttäuschen", sagt ein jugendlicher Straftäter. Er hat mit Hilfe seiner Bezugspersonen einen Plan für die Zukunft erarbeitet, um nicht rückfällig zu werden. Der Verein Neustart hat für die Sozialnetz-Konferenzen den mit 15.000 Euro dotierten ersten Preis bei der Sozialmarie erhalten. Die Auszeichnung wurde heuer zum zehnten Mal von der Unruhe Privatstiftung an Projekte vergeben, die mit innovativen Lösungen auf geänderte gesellschaftspolitische Bedingungen reagieren.

Vereinbarungen helfen bei Entscheidung über U-Haft
"Die Nachhaltigkeit von Bewährungshilfe lässt oft zu wünschen übrig", skizziert Neustart-Sprecher Andreas Zembaty den Ausgangspunkt für das Modellprojekt, das seit 2012 mit Unterstützung des Justizministeriums erprobt wird. Bekommen junge Straftäter Unterstützung von ihrem sozialen Umfeld, "reagieren sie sehr emotional und schöpfen wieder Motivation", so Zembaty. Gemeinsam mit Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn, Bezugspersonen und eventuell Lehrern erarbeiten sie in einer Gesprächsrunde persönliche Vereinbarungen, die schriftlich festgehalten werden. So wird beispielsweise ausgemacht, dass sich der Betroffene an eine Tagesstruktur halten oder eine Ausbildung beginnen muss. Ein Lehrer erklärt sich bereit, dem Betroffenen Nachhilfe zu geben. Durch die intensive Betreuung des Bewährungshelfers mit bis zu drei Kontakten pro Woche ist die Entlassung aus der Haft möglich. Neustart koordiniert die Gesprächsrunden und überprüft die Einhaltung der Vereinbarungen.


Neben Konferenzen vor einer Haftentlassung, zur Lösung konkreter Probleme und zu Wiedergutmachung mit Opfern werden die Gesprächsrunden seit Sommer 2013 zur Vermeidung von Untersuchungshaft eingesetzt. Anlass war die Vergewaltigung eines Jugendlichen in Untersuchungshaft. "Innerhalb 24 bis 48 Stunden wird das Umfeld kontaktiert und die Bezugspersonen in die Haftanstalt zur Gesprächsrunde gebeten", so Zembaty. Die vereinbarten Maßnahmen sollen die Haftrichter überzeugen, den Jugendlichen die U-Haft zu erlassen. Nach 40 durchgeführten U-Haft-Konferenzen wurden 29 Betroffene enthaftet. Von diesen hielten sich 26 an die Vereinbarungen, drei wurden rückfällig. "Insgesamt könnten pro Jahr rund 100 Jugendliche (36 Prozent der U-Häftlinge) durch die Sozialnetzkonferenz entlassen werden", heißt es von Neustart. In den insgesamt 73 Konferenzen mit 14- bis 21-Jährigen in Wien, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten wurden die Pläne in 71 Prozent zumindest größtenteils erfüllt.

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Dokument erstellt am 2014-05-05 15:56:05
Letzte Änderung am 2014-05-05 16:08:35


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