• vom 02.08.2011, 16:08 Uhr

Job

Update: 02.08.2011, 16:22 Uhr

Arbeitswelt

Das große Tabu am Arbeitsplatz




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Von Rosa Eder-Kornfeld

  • Schwule und Lesben wenden im Job viel Energie dafür auf, ihre sexuelle Orientierung zu verheimlichen
  • Noch immer haben viele Homosexuelle Angst vorm Outing.
  • Wie Betriebe ein Klima der Toleranz schaffen können.
  • Meritus-Award geht in die zweite Runde.

Schluss mit der Heimlichtuerei - Erleichterung kommt mit dem Outing. - © © Radius Images/Corbis

Schluss mit der Heimlichtuerei - Erleichterung kommt mit dem Outing. © © Radius Images/Corbis

Wien. "Ich habe es nie verschwiegen." Mario Reiner, Leiter der PR- und Eventagentur Allegria, hat schon in der Schule kein Hehl daraus gemacht, dass er schwul ist. Probleme gab es deswegen nie, auch später in der Arbeitswelt nicht. Nur einmal wollte ein potenzieller Kunde nicht mit ihm zusammenarbeiten. Reiner nahm’s gelassen.


Auch Sonja Hager steht mittlerweile über den Dingen. Die freiberufliche Rhetorik-Trainerin und Lehrende an der Grazer Fachhochschule vertraut sich zwar nicht jedem an, aber wenn im Job das Thema Partnerschaft angesprochen wird, sagt sie einfach, wie es ist: "Ich bin mit einer Frau zusammen. Wer das nicht akzeptiert, hat halt Pech gehabt."

Früher war das anders. Ihre ehemalige Vorgesetzte fand Homosexualität widernatürlich, "da hab’ ich es lieber verschwiegen." Sie nahm nicht an Sommerfesten und Ausflügen ihrer Firma teil, sprach nichts Privates im Kollegenkreis an, um ihre sexuelle Orientierung nicht offenbaren zu müssen. Mario Reiner weiß von schwulen Bekannten zu berichten, die zu öffentlichen Auftritten eine "Pseudo-Freundin" mitbringen.

Markus Knopp ist der Präsident der Austrian Gay Professionals.

Markus Knopp ist der Präsident der Austrian Gay Professionals. Markus Knopp ist der Präsident der Austrian Gay Professionals.

Schwule und lesbische Erwerbstätige wenden im Job mitunter viel Energie dafür auf, andere über ihre Veranlagung im Unklaren zu lassen, Heterosexualität vorzutäuschen oder sich für die eigene Sexualität zu rechtfertigen. Thomas Köllen vom Institut für Gender- und Diversitätsmanagement an der WU Wien, hat zu diesem Thema geforscht. Sein Fazit: Wenn Schwule und Lesben am Arbeitsplatz offen zu ihrer Homosexualität stehen können, ohne Angst vor Benachteiligungen oder Feindseligkeiten haben zu müssen, leisten sie auch mehr.

Der größte positive Effekt gehe von der allgemeinen Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften und Ehen in Bezug auf betriebliche Sozialleistungen aus, der zweitgrößte sei die interne Thematisierung von Homosexualität, beispielsweise durch Mitarbeiterzeitschriften oder das Intranet, sagt Köllen. Auch die gezielte Ansprache von Schwulen und Lesben als Kundengruppe wird unterstützend wahrgenommen.

"Ein Unternehmen hat nichts davon, Mitarbeiter zu haben, die sich nicht wohlfühlen", bringt es Markus Knopp, Präsident der Agpro (Austrian Gay Professionals), auf den Punkt. Sein Verein schreibt gemeinsam mit den Queer Business Women nun zum zweiten Mal den "Meritus" aus - eine Auszeichnung für Unternehmen, die in ihrem Diversity Management auch die Dimension "Homosexualität" miteinbeziehen.

Erstmals wurde der Preis 2009 verliehen. Auf dem Siegerpodest standen IBM Österreich und das Schulungs- und Beratungsunternehmen Equalizent. Die "Konkurrenz" schien allerdings zu schlafen: Von 3000 angeschriebenen Firmen antwortete lediglich eine Handvoll. Heuer werden es vermutlich mehr sein, meint Knopp. Ihm geht es aber in erster Linie darum, dass in der Öffentlichkeit das Thema Homosexualität stärker wahrgenommen wird. "Viele Homosexuelle trauen sich nicht, sich zu outen, weil sie nicht wissen, wie Chefs und Kollegen reagieren. Aber auch für die Vorgesetzten ist es oft nicht einfach. Die fragen sich dann auch: Was mach’ ich, wenn einer schwul ist?" Wahrscheinlich werde es noch viele Jahre dauern, bis hierzulande ein entspannter Umgang mit der Thematik möglich sei. Die "Betroffenen" wollen am liebsten gar kein großes Tam-Tam. "Eigentlich sollte die sexuelle Orientierung im Job gar kein Thema sein. Im Grunde genommen geht es doch immer um die Leistung", sagt Mario Reiner.

Einreichungen für den "Meritus" sind bis 15. September 2011 möglich, die Preisträger werden am 20. Oktober in einer festlichen Gala bekanntgegeben.




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Dokument erstellt am 2011-08-02 16:15:15
Letzte Änderung am 2011-08-02 16:22:52


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