• vom 23.03.2012, 14:59 Uhr

Konsum & Gesellschaft

Update: 23.03.2012, 15:34 Uhr

Energie

Der gläserne Energiekonsument




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Von Andrea Möchel

  • Die Smart-Meter-Verordnung des Wirtschaftsministeriums soll demnächst in Kraft treten
  • Intelligente Stromzähler sorgen für heftige Debatten.

Herkömmliche Stromzähler könnten ausgedient haben. - © Gina Sanders - Fotolia

Herkömmliche Stromzähler könnten ausgedient haben. © Gina Sanders - Fotolia

Wien. "Die Umrüstung auf Smart Meters schafft durch mehr Transparenz ein höheres Kostenbewusstsein und erleichtert damit den Stromkonsumenten das Sparen." Mit diesen Worten präsentierte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner Ende 2011 den Begutachtungsentwurf zur sogenannten Smart-Meter-Verordnung. Ein Entwurf, der mittlerweile zu einer heftigen Debatte über den "gläsernen Energiebürger" geführt hat.


Zu den Fakten: Smart Meter sind Stromzähler, die jeden Energieverbrauch in kurzen Zeitintervallen erfassen und über Datenleitung oder Funksignal an den Energieversorger weiterleiten. Das soll eine bessere Information der Konsumenten und in der Folge ein effizienteres Verbrauchsverhalten ermöglichen. Die wichtigsten Vorteile für Netzbetreiber liegen in der Effizienzsteigerung des Verteilernetzbetriebs - so entfällt zum Beispiel die jährliche Ablesung -, in einer besseren Netzüberwachung und einem effizienteren Störungsmanagement.

Weiters sind diese Messgeräte als Schnittstelle für Intelligente Netze ("Smart Grids") unabdingbar, die wegen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien erforderlich sind. Das Wirtschaftsministerium erwartet, dass bis 2018 rund 95 Prozent aller Stromzähler in Österreich gegen Smart Meter ausgetauscht sind. "Nur wenn möglichst viele Kunden mit Smart Metern ausgestattet werden, kann der größtmögliche Nutzen erreicht werden", betont Walter Boltz, Vorstand der zuständigen Energie-Control Austria.

Heftiger Widerstand
Doch nun laufen Konsumentenschützer, allen voran die Arbeiterkammer (AK) und die Mietervereinigung Österreichs, gegen die Verordnung Sturm. Sie warnen vor Problemen, die eine überstürzte Einführung mit sich bringen würde. So werden die Umstellungskosten auf insgesamt zwei Milliarden Euro geschätzt, was pro Haushalt rund 360 Euro Belastung ergibt.

"Unsere Einwände aufgrund ungelöster Probleme in den Bereichen Kosten und Datenschutz wurden bisher aber leider ignoriert", klagt Georg Niedermühlbichler, Präsident der Mietervereinigung Österreichs. Tatsächlich werden durch Smart Meter Verbrauchsdaten in einer Menge und Qualität erhoben, die jeden Energiekunden "gläsern" werden lassen. "Da sich menschliche Tagesabläufe heute unvermeidlich in der Nutzung von Energie widerspiegeln, geben individuelle Lastprofile auch Auskunft über die persönlichen Lebensverhältnisse - unter anderem, wann welche Elektrogeräte in Betrieb genommen wurden", erläutert Anwalt Roland Marko von der Kanzlei Wolf Theiss. "Smart Meter-Daten stellen daher in der Regel auch personenbezogene Daten‘ dar, die den Regelungen des Datenschutzgesetzes 2000 unterliegen."

Problem Datenschutz
Die Verwendung der erhobenen Daten durch die Netzbetreiber werde zwar gesetzlich auf Zwecke der "Verrechnung, Kundeninformation und Energieeffizienz" eingeschränkt, doch lasse das einigen Auslegungsspielraum zu.

"Durch den geringen Detaillierungsgrad der gesetzlichen Vorgaben wird die Verantwortung für eine datenschutzrechtskonforme Umsetzung von Smart Metering daher maßgeblich auf die Netzbetreiber übertragen", meint Marko. Auch Claudia Eckert, Professorin der Technischen Universität München, ist angesichts dieser neuen Vernetzungsqualität skeptisch: "Die digitalen Zähler, die schon auf dem Markt sind, hat man ein bisschen blauäugig gebaut", kritisierte die Inhaberin des Lehrstuhls für Sicherheit in der Informationstechnik kürzlich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Daten, etwa jene über den Energieverbrauch, seien zu wenig geschützt worden, und somit hätten Hacker ein leichtes Spiel. "So könnte man auf Kosten anderer Energie verbrauchen oder Zählerstände manipulieren", warnt Eckert.

Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es dazu auf Anfrage lapidar: "Die Geräte sowie ihre Kommunikation sind grundsätzlich nach anerkanntem Stand der Technik zu verschlüsseln und gegen den Zugriff von unberechtigten Dritten abzusichern." Die Verordnung soll, nachdem der Energiebeirat sich Ende März mit der Materie befasst hat, rasch in Kraft treten.




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Dokument erstellt am 2012-03-23 15:05:08
Letzte Änderung am 2012-03-23 15:34:50



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