• vom 08.01.2019, 16:25 Uhr

Forschung

Update: 08.01.2019, 16:41 Uhr

Psychologie

Männer lügen häufiger als Frauen




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Eine Metastudie zeigt, welche Faktoren Menschen zu Lügnern macht.

- © StockAdobe/Romolo Tavani

© StockAdobe/Romolo Tavani

Berlin. Lügen haben kurze Beine - so heißt es sprichwörtlich. Dennoch sind sie im Alltag gang und gäbe. Sie reichen von der Schummelei bei der Steuererklärung bis zu den großen Korruptionsskandalen. Menschen lügen meistens dann, wenn sie sich Vorteile verschaffen wollen. In vielen Studien wird erforscht, welche persönlichen und umweltbedingten Faktoren Menschen zu Lügnern machen. Eine Überblicksstudie (Metaanalyse) aus insgesamt 565 solcher Arbeiten zeigt, dass die Tendenz zu Unehrlichkeit von Alter und Geschlecht abhängt. Männer lügen häufiger als Frauen.

Der Grundkonflikt jeder Lüge ist die Wahl, die man hat. Entweder ist man ehrlich und verzichtet auf Vorteile, oder man lügt, um beispielsweise an mehr Geld, Macht oder Ruhm zu gelangen, erklären Forscher des deutschen Max-Planck-Instituts (MPI) für Bildungsforschung und des Technion-Israel Institute of Technology in ihrer im Fachblatt "Psychological Bulletin" veröffentlichten Metastudie.


Dieser Grundkonflikt ist in vielen Studien nachgestellt. Zum Beispiel in Form des Münzwurf-Spiels. Dabei werfen Probanden eine Münze, ohne dass sie jemand dabei beobachtet. Das Ergebnis geben sie an die Versuchsleiter weiter. Bei Kopf bekommen sie Geld, bei Zahl gehen sie leer aus. Führt man diesen Versuch öfter und mit vielen Testpersonen durch, müsste das Verhältnis von Kopf zu Zahl insgesamt 50 zu 50 ergeben. Doch es zeigen fast alle Studien, dass Probanden öfter Kopf als Zahl nennen. Einige von ihnen lügen also, um an mehr Geld zu kommen.

Junge Lügenbolde
Viele solcher Studien sind in den letzten zehn Jahren durchgeführt worden, um die verschiedenen Faktoren zu untersuchen, die zu Unehrlichkeit führen. Lügen Nonnen häufiger als Gefängnisinsassen? Lügt man eher online oder am Telefon? Lügt man eher, wenn man mehr Geld erwartet? Für ihre umfassende Überblicksarbeit haben die Forscher um Philipp Gerlach vom MPI die Daten von 565 Studien mit insgesamt 44.050 Teilnehmern berücksichtigt. "Obwohl es zahlreiche Studien gibt, die untersuchen, wer, wann und warum lügt, sind die Ergebnisse nicht eindeutig, teilweise sogar widersprüchlich. Mithilfe der großen Datenmenge aus allen Studien können wir nun zu einigen Faktoren eindeutigere Aussagen treffen", so Gerlach in einer Aussendung des Instituts.

Demnach haben bei den Experimenten 42 Prozent aller Männer und 38 Prozent aller Frauen die Unwahrheit behauptet. Die Vermutung, dass Männer häufiger lügen als Frauen, konnte die Studie damit bestätigen - auch wenn der Unterschied nur gering ist. Außerdem hätten jüngere Personen häufiger gelogen als ältere.

Dabei sank die Wahrscheinlichkeit, dass jemand lügt, mit jedem Jahr um 0,28 Prozentpunkte. Während sie bei einer 20-jährigen Person bei etwa 47 Prozent liegt, liegt sie bei einer 60-jährigen nur noch bei 36 Prozent. Andere, immer wieder diskutierte Faktoren konnte die Arbeit nicht bestätigen. Etwa die Vermutung, dass Wirtschaftsstudierende besonders häufig lügen.

Umweltbedingte Einflüsse
"Möchte man wissen, in welchem Ausmaß Menschen geneigt sind, sich unehrlich zu verhalten, muss man unbedingt berücksichtigen, mit welchen experimentellen Situationen und Versuchungen man Menschen konfrontiert. Dies deutet darauf hin, dass Unehrlichkeit nicht einfach nur die Eigenschaft einer Person ist, sondern systematisch mit den Bedingungen der Umwelt zusammenspielt", betont Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut.




6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-08 16:38:18
Letzte Änderung am 2019-01-08 16:41:45


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Saturn hatte seine Ringe nicht von Anbeginn an
  2. Interstellarer Gast Oumuamua doch nicht so besonders
  3. Schwarze Löcher beim Friseur
  4. Künstliche Blutgefäße
  5. Mehr Meteoriteneinschläge
Meistkommentiert
  1. Die Angst vor dem Wolf
  2. Männer lügen häufiger als Frauen
  3. Dem Himmel gehen die Namen aus
  4. Wettbewerb soll Österreichs Zukunft sichern
  5. Ein Zehntel hat Lebensmittelallergien . . .

Werbung





Werbung