• vom 22.01.2010, 16:19 Uhr

Forschung


Ephesos: Virtuelle Rekonstruktion mit Hilfe von 3D-Scan

Was war der Hadrianstempel, wenn nicht Hadrians Tempel?




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  • Österreichische Archäologen wollen offene Fragen klären.
  • Wien. Was war der Hadrianstempel in Ephesos - wenn nicht Hadrians Tempel? Dieser Frage gehen österreichische Archäologen in einem neuen Projekt nach. Der Hadrianstempel gilt als eines der besterhaltenen und schönsten Gebäude in Ephesos. Entgegen der ursprünglichen Ansicht mehren sich Zweifel, dass es sich dabei wirklich um den offiziellen Kulttempel für Kaiser Hadrian gehandelt hat. Zum Auftakt der neuerlichen Forschungen wurde das Gebäude jüngst in 3D digitalisiert.

Der "Hadrianstempel" zählt zu den besterhaltenen Gebäuden in Ephesos. Foto: apa/ÖAI

Der "Hadrianstempel" zählt zu den besterhaltenen Gebäuden in Ephesos. Foto: apa/ÖAI Der "Hadrianstempel" zählt zu den besterhaltenen Gebäuden in Ephesos. Foto: apa/ÖAI

Österreichische Archäologen arbeiten seit 1895 in Ephesos, einer der bedeutendsten Städte des Altertums. In den 1950er Jahren haben die Wissenschafter den Hadrianstempel ausgegraben, 1958 wurde das Gebäude teilweise wieder aufgebaut. Seither zählt der Tempel neben der Celsus-Bibliothek und den Hanghäusern zu den bekanntesten Gebäuden am Pracht-Boulevard der antiken Metropole, der Kuretenstraße.


Noch vor der Ausgrabung wusste man aus diversen literarischen Quellen und Inschriften, dass es in Ephesos einen Kulttempel für Kaiser Hadrian gegeben hat. Für eine Stadt war die Genehmigung zum Bau eines Tempels für die kultische Verehrung eines Kaisers ein besonderes Privileg. Als bei den Ausgrabungen dann entsprechende Inschriften auftauchten, war man sich sicher, den Kulttempel gefunden zu haben.

Kaiserkulttempel erst später genehmigt

"Wir wissen schon seit rund 20 Jahren, dass es sich bei dem Gebäude nicht um diesen offiziellen Tempel handeln kann", erklärte Ursula Quatember vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) gegenüber der APA. Denn der Bau sei gleich am Beginn der Amtszeit Hadrians 117 n. Chr. errichtet, die Genehmigung für die Errichtung eines offiziellen Kaiserkulttempels aber erst etwa 130 n. Chr. erteilt worden.

Welche genaue Funktion das heute unter dem Namen Hadrianstempel bekannte Gebäude hatte, wisse man aber nicht, betonte die Archäologin, die im Rahmen eines FWF-Projekts die Baugeschichte des Tempels erforscht. Eingebettet ist diese Arbeit in den derzeitigen Schwerpunkt der Ephesos-Forschung des ÖAI zum Thema "Kult und Herrschaft".

Als einer der ersten Schritte für die Forschungsarbeit wurde kürzlich von der Firma Breuckmann, einer Tochter des Linzer Mechatronik-Spezialisten Vatron, ein hochauflösendes dreidimensionales Oberflächenabbild des Hadriantempels sowie von Bauteilen, die beim Wiederaufbau nicht verwendet wurden, erstellt. Bisher mussten für solche Bauforschungen maßstäbliche Handzeichnungen erstellt werden, was mehrere Monate in Anspruch genommen hätte, sagte Quatember. Mit den in wenigen Tagen erstellten 3D-Scans können die Wissenschafter - gleich einem Puzzle - untersuchen, welche Bauteile zusammenpassen, fehlende Teile wie das Dach virtuell ergänzen und das Bauwerk im Computer rekonstruieren.

Aktuell: Symposion und Ausstellungseröffnung

Am 25. Jänner veranstaltet das Österreichische Kulturforum Istanbul zum zweiten Mal ein Ephesos-Symposium, bei dem sieben Referenten vom ÖAI, der Akademie der Wissenschaften, der Technischen Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien aktuelle Forschungsergebnisse in Ephesos vorstellen werden. Zeitgleich wird die Ausstellung "Ephesos 2009" über Ergebnisse des Grabungsjahres 2009 eröffnet.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-01-22 16:19:22
Letzte Änderung am 2010-01-22 16:19:00

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