• vom 04.02.2008, 11:10 Uhr

Forschung


Experimente des Physikers Martin Tajmar sorgen für Debatten

Seibersdorf: Patent für Gravitationsmaschine




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online / APA

  • Wien. Mit seinen Experimenten zur Erzeugung eines Gravitationsfeldes sorgt der Physiker Martin Tajmar von den Austrian Research Centers (ARC) seit zwei Jahren für Erstaunen in der Fachwelt, aber auch für so manches Kopfschütteln. Doch Tajmar ließ sich von Skeptikern nicht beirren. Er musste zwar seine ursprüngliche Theorie verwerfen, verfeinerte aber seine Messungen, sieht diese mittlerweile auch international bestätigt und hat nun ein internationales Patent für ein "Verfahren zur Erzeugung eines Gravitationsfeldes und Gravitationsfeldgenerators" angemeldet

Elegantes schwereloses Schweben setzte bislang die beschwerliche Reise ins All voraus

Elegantes schwereloses Schweben setzte bislang die beschwerliche Reise ins All voraus© EPA Elegantes schwereloses Schweben setzte bislang die beschwerliche Reise ins All voraus© EPA

Bisher galt es als völlig unmöglich, Gravitationsfelder ohne Einsatz riesiger Massen künstlich zu erzeugen - denn Masse ist sowohl im Newtonschen Gravitationsgesetz als auch in der Allgemeinen Relativitätstheorie die ausschlaggebende Größe. Doch Tajmar ist es nach eigenen Angaben "möglicherweise gelungen", in seinem Experiment solche Felder zu erzeugen. Diese würden zwar nur 0,001 Prozent der Erdgravitation ausmachen, liegen damit aber dennoch um rund 20 Größenordnungen über dem, was laut Relativitätstheorie möglich sein sollte.

Thirring und Lense


Hintergrund des Experiments ist ein Effekt, den die österreichischen Physiker Hans Thirring und Joseph Lense in den 1920er-Jahren vorhergesagt haben, wonach ein rotierender Körper durch seine Masse auch den Raum um sich verdreht. Dieser Thirring-Lense-Effekt, auch "Frame-dragging" genannt, ist ein Phänomen, das erst 2004 durch die exakte Vermessung von Satellitenbahnen bestätigt wurde. Doch dieser Effekt ist so klein, dass an Laborexperimente nicht zu denken war.

Bis sich Tajmar, der das ARC-Geschäftsfeld für Weltraum-Antriebe leitet, diesem Thema widmete und ein Experiment mit einem 15 Zentimeter großen, rotierenden Ring aus supraleitendem Material entwarf. Als bewegte Masse sollte dieser Ring - ähnlich wie die Erde - auch eine Kraft erzeugen, allerdings viel, viel kleiner. Nach anfänglichen Misserfolgen gelang es Tajmar dennoch ein Kraftfeld zu messen - vorerst mit Bewegungssensoren (Accelerometern).

Lasermessungen

Kollegen in Berkeley rieten dem Physiker, die Messungen mit Laser-Gyroskopen, hochpräzisen optischen Sensoren, zu wiederholen. Auch mit diesen viel genaueren Instrumenten gelang es Tajmar, den bisher registrierten Effekt nachzuweisen, "das wäre wirklich die allererste Messung von Frame-dragging in einem Erdlabor", ist Tajmar überzeugt, arbeitet aber an weiteren Verbesserungen des Experiments, um tatsächlich alle möglichen Fehlerquellen auszuschließen.

Vermutete er zuerst, dass das Phänomen mit Supraleitung zu tun hat, musste er diese Annahme später verwerfen. Der Effekt tritt zwar erst ab einer bestimmten Temperatur auf, das hat aber nichts mit der Sprungtemperatur zu tun, bei der Supraleitung beginnt. "Ich habe mit Niob unglücklicherweise ein Material für den Ring gewählt, bei dem der Effekt nahe der Sprungtemperatur auftritt", sagte Tajmar. Er verweist aber auf Aluminium, das gar kein Supraleiter ist, und bei dem "Frame-Dragging" trotzdem zu beobachten sei.

Die Erklärung des Phänomens will Tajmar nun den Theoretikern überlassen, die auch schon daran arbeiten würden. Dennoch nennt er ein "Bild", das alle bisherigen Daten "sehr gut beschreiben kann". Und dieses ähnelt sehr dem Ferromagnetismus: Dort verstärkt ein Eisenkern das in einer stromdurchflossenen Spule entstehende Magnetfeld stark. Ein solcher Ferromagnet funktioniert aber nur bis zur sogenannten "Curie-Temperatur" (bei Eisen 768 Grad Celsius). Möglicherweise, so vermutet Tajmar, macht der rotierende Ring unterhalb einer bestimmten Temperatur nichts anderes als der Eisenkern: Er verstärkt das von ihm erzeugte Frame-dragging-Feld so stark, dass man es im Labor messen kann.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-02-04 11:10:37
Letzte Änderung am 2008-02-04 11:10:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Gravitationswellen sind die Zukunft der Astronomie
  2. Die versenkten Treibhausgase
  3. Wo sich der Fuchs zuhause fühlt
  4. 66 eingeschleppte Arten gefährden Europas Artenvielfalt
  5. Schritt Richtung Quanteninternet
Meistkommentiert
  1. Woher die Impfskepsis kommt
  2. Extreme Wetterereignisse nehmen zu
  3. Top-Forschungsland hat Sand im Getriebe
  4. Arktis wird immer wärmer
  5. Zähes Ringen ohne Erfolg

Werbung





Werbung