• vom 11.05.2012, 16:29 Uhr

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Kurie im Widerstand




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Von Eva Stanzl

  • Immer mehr interne Kritik an der Akademie der Wissenschaften
  • Junge Kurie kritisiert mangelnde Reformbereitschaft und fordert Stimmrecht.

In diesen heiligen Hallen regt sich Widerstand: die Aula der Akademie der Wissenschaften.

In diesen heiligen Hallen regt sich Widerstand: die Aula der Akademie der Wissenschaften.

Wien. In den Reihen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) regt sich Widerstand. Zahlreiche Mitglieder der Jungen Kurie zeigen sich mit den Austritten der renommierten Molekularbiologin Renée Schroeder und des Ökonomen Gerhard Tichy solidarisch und machen nun ihrem Unmut über mangelnde Reform- und Dialogbereitschaft Luft.


"In manchen Gebieten sind viele der besten Wissenschafter, deren Exzellenz durch objektive Evaluierungen bewiesen ist, keine Wirklichen Mitglieder. Umgekehrt gibt es Gebiete, wo Machtverhältnisse einzementiert und ausgebaut werden, indem international vergleichsweise bedeutungslose Schützlinge wirklicher Mitglieder ebenfalls zu wirklichen Mitgliedern und einige Institute mit besonderer Nähe zum Präsidium gegründet werden", so das fünfköpfige Direktorium der Jungen Kurie, das von den 70 Mitgliedern unter 45 Jahren gewählt wird, in einer Stellungnahme. Die junge Kurie wurde 2008 gegründet, um die nächste Forscher-Generation in die Gelehrtengesellschaft zu integrieren, als dritter Stand neben korrespondierenden und wirklichen Mitgliedern. Die Mitgliedschaft ist für acht Jahre befristet, auf diese Weise erneuert sich die Kurie laufend selbst. Ein Teil, aber nicht alle Kurien-Mitglieder werden in der Folge zu korrespondierenden Mitgliedern gewählt, nicht alle von ihnen zu wirklichen Mitgliedern. Nur wirkliche Mitglieder können über Neuaufnahmen entscheiden und das ÖAW-Präsidium wählen.

Bei Wahl den Raum verlassen
Die Junge Kurie kritisiert, dass sie keinen Sitz im Präsidium hätte, der ihr bei der Gründung versprochen worden sei. "Wir sind nur zur Kenntnisnahme in den wöchentlichen Präsidialsitzungen, was jeglichen Einfluss vermindert. In den vertraulichen Gesamtsitzungen müssen wir den Raum verlassen, wenn es um die neuen wirklichen Mitglieder geht", sagt eine Sprecherin des Kurien-Direktoriums zur "Wiener Zeitung": "Wir möchten ein Stimmrecht in den entscheidenden Gremien." Da die Durchsetzung von Vorschlägen zu Reformen (etwa die Gründung einer Klasse für Life Sciences) einem Kampf gegen Windmühlen gleichkäme, würden auch zahlreiche Kurienmitglieder einen Austritt erwägen. Trotz dieser internen Debatte halte man jedoch "ein weiteres Engagement für nachhaltige Reformen an dieser wichtigen Forschungseinrichtung" für sinnvoll. Das Direktorium plädiert gegen Austritte, "denn nur durch konstruktive Teilnahme lassen sich Dinge verändern - wenn man uns lässt", so die Sprecherin.

Schroeder war aus "Solidarität" mit Wissenschaftern, "denen es wegen ihres kulturellen Hintergrundes oder ihrer politischen Einstellung nicht möglich ist, Mitglied zu werden" zurückgetreten. Tichy hat seinen Schritt mit der "Politik des Präsidiums der letzten Jahre" begründet, "die die Akademie in den Augen von Behörden und Öffentlichkeit geschädigt hat".




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Dokument erstellt am 2012-05-11 16:35:06


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