• vom 13.08.2014, 16:22 Uhr

Forschung

Update: 15.08.2014, 17:00 Uhr

Fields-Preise 2014

Mathematiker rechnen nicht...




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • ...sie beweisen. Davon ist Martin Hairer überzeugt. Der Österreicher erhielt den höchsten Mathematik-Preis.

Die erste Frau und der erste Österreicher mit Fields-Medaille: Maryam Mirzakhani und Martin Hairer .

Die erste Frau und der erste Österreicher mit Fields-Medaille: Maryam Mirzakhani und Martin Hairer .© apa/epa/Mirzakhani/Stanford/Xue-Mei Hairer Die erste Frau und der erste Österreicher mit Fields-Medaille: Maryam Mirzakhani und Martin Hairer .© apa/epa/Mirzakhani/Stanford/Xue-Mei Hairer

Wien/Seoul. (apa/est) Fragt man Martin Hairer über sein Fach, räumt er gleich mit einem Irrglauben auf: "Mathematiker rechnen nicht" - es gehe eher ums Beweisen. Nun hat der an der britischen Universität Warwick tätige Österreicher bewiesen, dass er zur Weltspitze gehört: Am Mittwoch erhielt der 38-jährige Professor in Seoul die Fields-Medaille. Der Preis ist eine der höchsten mathematischen Auszeichnungen. Erstmals ging er an einen heimischen Forscher.

Hairer ist österreichischer Staatsbürger, hat jedoch den Großteil seines Lebens im Ausland verbracht. Er wurde 1975 in Genf als Sohn des an der dortigen Uni tätigen Mathematikers Ernst Hairer geboren. Er studierte an der Universität Genf Mathematik und Physik und wurde 2001 in Physik promoviert. Zur Mathematik sei er gekommen, weil er den Eindruck hatte, dort endgültige Ergebnisse erzielen zu können. "Wenn ich ein mathematisches Theorem beweise, dann bleibt es wahr. Eine physikalische Theorie dagegen kann nach zehn Jahren schon komplett falsch sein", betont er. Mit seiner "Theory of regularity structures" konnte bestimmten stochastischen partiellen Differenzialgleichungen Sinn geben, sie berechenbar machen und auf soliden mathematischen Grund stellen. Die Arbeit brachte ihm die Fields-Medaille.


Befragt, warum ihn sein Karriereweg nicht nach Österreich geführt habe, meint Hairer: "Warum sollte er?" Für Mathematik gebe es in Europa in England, Frankreich und Deutschland "mehr Stellen, größere Gruppen und Unis". An der Universität Warwick schätzt der Träger eines "Consolidator Grant" des Europäischen Forschungsrats die "befruchtende Atmosphäre" mit einer großen Gruppe von Mathematikern.

Die nach dem kanadischen Mathematiker John Charles Fields (1863-1932) benannte Fields-Medaille gilt als eine Art Nobelpreis für diesen von Alfred Nobel nicht berücksichtigten Fachbereich. Sie wird von der Internationalen Mathematischen Union alle vier Jahre an zwei bis vier Wissenschafter unter 40 Jahren für herausragende Entdeckungen in der Mathematik vergeben. Verliehen wird die mit 15.000 kanadischen Dollar (10.000 Euro) verbundene Auszeichnung seit 1936 beim Internationalen Mathematikerkongress.

Erstmals in der fast 80-jährigen Geschichte des Preises bekam ihn heuer auch eine Frau: Maryam Mirzakhani, 36, stammt aus dem Iran. Schon als Schülerin holte sie Goldmedaillen bei Mathematik-Olympiaden. Ausgezeichnet wurde Mirzakhani für ihre "herausragenden Beiträge" zur Dynamik und Geometrie von Riemannschen Flächen in der nichteuklidschen Geometrie. "Ihre Arbeit hat Methoden verschiedener Gebiete wie algebraische Geometrie, Topologie und Wahrscheinlichkeitsrechnung zusammengebracht", so die Jury.




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-08-13 16:26:04
Letzte Änderung am 2014-08-15 17:00:54


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wenn der Computer macht, was er will
  2. Cholesterin lüftet Geheimnis
  3. Potenzieller Heimatplanet von "Mr. Spock" entdeckt
  4. Ötzi hatte hochentwickelte Krankenfürsorge
  5. "Jede Haut ist wie ein Buch"
Meistkommentiert
  1. Tauende Böden
  2. Wie wir zwischen Sprachen wechseln
  3. Endlose Gier
  4. Singvögel bleiben auch bei voller Schüssel schlank
  5. Passivrauch schädigt Babys

Werbung





Werbung