• vom 11.02.2015, 16:49 Uhr

Forschung

Update: 11.02.2015, 16:56 Uhr

Komplexitätsforschung

Zukunftsprognosen mit Big Data




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Von Eva Stanzl

  • Wien soll zu einer Drehscheibe für Komplexitätsforschung werden. Dieser neue wissenschaftliche Bereich liefert wichtige Erkenntnisse über Gesundheit, Finanzströme, den Städtebau und zu erwartende gesellschaftliche Entwicklungen.

Komplex ist nicht gleich kompliziert: Big Data sollen den Blick in die Zukunft vereinfachen.

Komplex ist nicht gleich kompliziert: Big Data sollen den Blick in die Zukunft vereinfachen.© apa/science Komplex ist nicht gleich kompliziert: Big Data sollen den Blick in die Zukunft vereinfachen.© apa/science

Wien. Jeder Arztbesuch wird registriert. Beschwerden, Diagnose und verschriebene Medikamente werden in den Computer eingegeben. Danach gehen die Daten anonymisiert als Informationsbasis für das Gesundheitsweisen an den Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Pro Jahr fallen 100 Millionen solcher Datenzeilen an. Nutzloser Datenmüll, könnte man meinen. Doch für Stefan Thurner sind diese Datenzeilen Goldes wert. Wie ein Juwelier aus dem Edelmetall Geschmeide fertigt, kann Thurner die Bits und Bytes mithilfe von Algorithmen in einen Wissensschatz verwandeln.

Stefan Thurner ist Mediziner, Mathematiker und Komplexitätsforscher. Mit seinen Teams an der Technischen Universität (TU) und der MedUni in Wien liest er Big Data auf eine neue Art und Weise. "Die meisten Menschen haben mehr als eine Krankheit", erklärt er. "Wir haben Netzwerke der Erkrankungen geschaffen. Sie zeigen, wie individuelle Leiden miteinander verbunden sind."


Die Konsequenzen zählen
"Anhand meiner derzeitigen Krankheiten lässt sich vorhersagen, woran ich sehr wahrscheinlich in Zukunft erkranken werde. Das sind jene Leiden im Netzwerk, die meinen Beschwerden am nächsten stehen", führt Thurner aus. Etwa lasse sich das Krebsrisiko eines Diabetikers prognostizieren, der Insulin spritzen muss. Auch der Verlauf einer Herzerkrankung bei einer übergewichtigen Frau mittleren Alters sei absehbar. "Alle Kombinationsmöglichkeiten gehen schneller als bisher. Wir arbeiten mit neuen Größenordnungen", erklärt er. Allein das Netzwerk der Erkrankungen, die mit Diabetes in Zusammenhang stehen, liefere so viel Information wie 40.000 herkömmliche pharmazeutische Studien.

Der Physiker Stephen Hawking hat die Komplexitätsforschung als "Wissenschaft des 21. Jahrhunderts" bezeichnet. In großen, vielfältigen Systemen, wie Finanzwirtschaft, Gesundheits- und Energiesystemen, politischen und gesellschaftlichen Ordnungen oder Großstadtplanung werden derzeit immer wieder falsche Entscheidungen getroffen. Doch gerade in großen Systemen kann der Ausfall einzelner Teile gravierende Folgen haben. Um Fehlerquellen schneller zu sehen und Gefahren zu vermeiden, werden diese komplexen Systeme zunehmend erforscht. "Die Komplexitätsforschung schafft Verbindungen zu den unbeabsichtigten Konsequenzen menschlicher Handlungen", erklärt Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny.

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Dokument erstellt am 2015-02-11 16:53:08
Letzte Änderung am 2015-02-11 16:56:07


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