• vom 13.07.2016, 01:01 Uhr

Forschung


Verhaltensbiologie

Soziale Netzwerke fördern Lernerfolg




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  • Von engen Freunden und Geschwistern lernen Raben am besten.

Positives Miteinander ist förderlich für die Aneignung von Wissen. - © Fotolia/Martha Marks

Positives Miteinander ist förderlich für die Aneignung von Wissen. © Fotolia/Martha Marks

Wien. (gral) Die Weitergabe von Informationen zwischen Individuen bildet die Basis aller Langzeittraditionen und Kulturen. Wissensvermittlung spielt aber auch in der Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen eine wichtige Rolle. Doch wie wird Wissen am besten weitergegeben beziehungsweise aufgenommen? Ein Wiener Forscherteam vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien konnte nun anhand von Raben zeigen, dass dabei soziale Beziehungen zu Artgenossen von großer Bedeutung sind.

Soziale Interaktionen reichen von aggressiven Zusammentreffen bis hin zu freundlichen Begegnungen. Doch nicht alle diese Kontakte sind für den Lernerfolg fördernd. Die beste Voraussetzung zur Weitergabe oder Aufnahme von Wissen sei nämlich dann gegeben, wenn die Netzwerke auf freundlichen Interaktionen beruhen, berichten die Forscher im Fachblatt "Royal Society Open Science".


Bei Raben zeigen sich besonders freundliche Interaktionen, wenn sie etwa dicht beieinander sitzen oder einander das Gefieder kraulen. Bisherige Studien hätten zwar schon belegt, dass räumliche Nähe zwischen Artgenossen das Lernen fördern kann, jedoch war bisher kaum etwas über die Rolle bekannt, die unterschiedliche Beziehungen beim Beobachten und Lernen spielen können.

Aus nächster Nähe beobachtet
"Wir haben eine Gruppe von Raben mit einer Aufgabe konfrontiert, die sie nicht kannten und für deren Lösung nur ein Tier angelernt wurde. Ausgehend von diesem Individuum wurde beobachtet, wie sich die Lösung der Aufgabe als Wissen in der Gruppe verbreitet", erklärt die Kognitionsbiologin Christine Schwab.

Dabei stellte sich heraus, dass enge soziale Beziehungen die gegenseitige Toleranz erhöhen, was dazu führte, dass jene Tiere mit positiven Beziehungen zueinander einander auch aus nächster Nähe bei der Aufgabenbewältigung beobachten durften. Demnach waren auch die unmittelbar zusehenden Raben früher in der Lage, zur selben Lösung zu kommen. "Insbesondere bei jungen Raben bestehen diese engen Beziehungen - vor allem zwischen Geschwistern -, was auch die Bedeutsamkeit verwandtschaftlicher Bindungen zeigt, die beim Lernen helfen", betont Schwab in ihrer Publikation. Dass erfolgreiches Lernen vor allem bei engen Freunden und Geschwistern gut funktioniert, ist auch, wenn man Menschenkinder beobachtet, nicht von der Hand zu weisen und spiegelt sich wohl auch im Nachahmungseffekt wider.

Welche weiteren Verhaltenseigenheiten Tiere an den Tag legen, wird noch bis Freitag bei der 8. Europäischen Konferenz für Verhaltensbiologie an der Universität Wien diskutiert.




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Dokument erstellt am 2016-07-12 16:32:05


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