• vom 15.03.2018, 20:00 Uhr

Forschung


Anthropologie

Weitwanderer mit Intim-Kontakten




  • Artikel
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Roland Knauer

  • Verschiedene Menschenlinien kamen weit herum und mischten sich untereinander.



Leipzig/Berlin. Viel hat sich offensichtlich seit sehr vielen Jahrtausenden nicht geändert: Damals wie heute zogen Menschen weit umher. In der Fremde kam es hin und wieder zu intimen Begegnungen, die neun Monate später den jeweiligen Frauen ein Neugeborenes bescherten. Im Erbgut heute lebender und bereits vor vielen Jahrtausenden verstorbener Menschen finden Forscher wie Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena oder Sharon Browning von der University of Washington in Seattle nicht nur die Spuren solcher Begegnungen, sondern können daraus auch ihre Schlüsse auf die Routen dieser frühen Weitwanderer ziehen.

Drei Menschenlinien
Zwischen dem Süden von Sibirien und dem Süden Asiens bis zur Insel Neuguinea waren diese Menschen genauso unterwegs wie zwischen dem heutigen Marokko und dem Nahen Osten sowie dem Süden Afrikas. So lebten im Altai-Gebirge in Sibirien die Denisovaner. Krause hatte diese Menschenlinie entdeckt, als er 2009 das Erbgut in einem kleinen Fingerknochen analysierte, das dort in der Denisova-Höhle gefunden worden war. Das Teil gehörte zur Hand einer Menschenlinie, die nahe mit den Neandertalern und etwas entfernter mit den modernen Menschen Homo sapiens verwandt ist.


Vor 50.000 Jahren lebten also mindestens drei Menschenlinien auf der Erde, von denen heute nur noch wir modernen Menschen übrig sind. Und doch stecken in den Menschen im Osten und Süden Asiens noch heute Spuren des Erbguts dieser Menschenlinie, nicht aber in Europäern oder Afrikanern. Fünf Prozent des Erbguts stammt ursprünglich von den Denisovanern, so die Forscher im Fachblatt "Cell". Die Denisovaner und die frühen Vorfahren der heutigen Süd- und Ost-Asiaten müssen sich also getroffen und gemeinsame Kinder gehabt haben. Dazu aber muss zumindest eine der beteiligten Menschengruppen über tausende von Kilometern unterwegs gewesen sein. Ähnlich finden sich im Erbgut heutiger Europäer und Asiaten übrigens auch zwei Prozent Neandertaler-Erbgut - auch diese beiden Menschenlinien müssen sich also gemischt haben.

Bisher suchten Forscher meist gezielt nach solchen Einsprengseln und schauten etwa, ob sie Denisova-Erbgut in Menschen aus Südostasien finden. Dieses Mal lief es anders. Die Forscher "suchten im Erbgut von 5639 Menschen aus Europa, Asien und Ozeanien nach Abschnitten, die offensichtlich nicht zum modernen Menschen gehören. Mit dieser Methode finden sie auch Sequenzen, die zwar eindeutig zu den Denisovanern gehören, die aber mit dem Erbgut der Menschen aus der Denisova-Höhle weniger eng verwandt sind. Solche Einsprengsel fanden die Forscher dann auch im Erbgut der Menschen, die heute im Osten und Süden Asiens bis auf die große Insel Neuguinea leben. Offensichtlich gab es zwei Wellen, in denen sich Denisovaner und moderne Menschen mischten.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-15 16:53:48
Letzte Änderung am 2018-03-15 16:57:00


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sieg über Aids in Gefahr
  2. Der Feindfreund
  3. Sand gibt es nicht wie Sand am Meer
  4. Geheime Verständigung
  5. Forscher steuern Drohnen mit dem Körper
Meistkommentiert
  1. Sieg über Aids in Gefahr
  2. Böse Tiere
  3. Sand gibt es nicht wie Sand am Meer
  4. Wie uns Fast-Food depressiv macht
  5. Gespaltene Wurzeln

Werbung





Werbung