• vom 07.04.2018, 09:56 Uhr

Forschung


Geoengineering

Plan B mit Nebenwirkungen




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Von Andreas Lorenz-Meyer

  • Eine Reihe technischer Ansätze zielen darauf ab, die globale Erwärmung zu bremsen. Das Stichwort lautet Geoengineering.

Riesige Spiegel im Weltall reflektieren die Sonnenstrahlen. - © Fotolia/visdia

Riesige Spiegel im Weltall reflektieren die Sonnenstrahlen. © Fotolia/visdia

Hamburg. Im Weltall riesige Spiegel installieren, die Solarstrahlung reflektieren. Kohlendioxid aus der Atmosphäre herausfiltern und anschließend im Erdreich speichern. Es gibt eine Reihe von technischen Ansätzen, die darauf abzielen, die globale Erwärmung zu bremsen. Entweder durch Beeinflussung der Solarstrahlung (Solar Radiation Management, SRM) oder durch Abscheidung von Kohlendioxid (Carbon Dioxide Removal, CDR). Zusammengefasst sind diese Techniken unter dem Begriff Geoengineering oder Climate Engneering. Alle sind sie mehr oder weniger umstritten - was die Machbarkeit angeht und weil es prinzipiell klüger ist, Klimagasemissionen zu vermeiden, statt CO2 erst in die Atmosphäre zu geben und sich dann anschließend zu überlegen, wie es wieder zu entfernen wäre.

Stefan Schäfer vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam geht der Frage nach, ob Geoengineering wirklich einen sinnvollen klimaschutzpolitischen Beitrag leisten kann. "Ich glaube, dass einige Geoengineering als Ausrede benutzen werden, um echte Bemühungen zur Emissionsminderung zu blockieren", so Schäfer. Wichtiger ist ihm aber etwas ganz anderes. Dabei geht es um das viel zitierte Zwei-Grad-Ziel. Zwei Grad Celsius markiert die maximale Temperaturerhöhung gegenüber dem vorindustriellen Stand, die als gerade noch vertretbar angesehen wird. Jenseits dieser zwei Grad drohen dem Klimasystem sogenannte Kipp-Elemente. Die Folgen der Erwärmung wären dann unumkehrbar.


Die wissenschaftlichen Berechnungen, die aufzeigen, wie das Ziel eingehalten werden kann, beinhalten zunehmend auch die massive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre. Aus Sicht des Internationalen Klimarats (IPCC) reicht es gar nicht mehr aus, Klimagasemissionen zu reduzieren, etwa durch den schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien. Es brauche zusätzlich das Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre. "Geoengineering ist damit bereits Teil jener Berechnungen geworden, die die Machbarkeit ambitionierter klimapolitischer Ziele belegen", so der Experte.

Wirtschaftlich nicht rentabel
Die CO2-Entnahme, die zu sogenannten Negativemissionen führt, funktioniert auf mehrere Arten. Einige Klimaökonomen favorisieren die BECCS-Methode. Das Kürzel steht für Bioenergy with Carbon Capture and Storage, eine Kombination aus Bioenergiegewinnung mit der Abscheidung und anschließenden Speicherung des im Verbrennungsprozess frei werdenden Kohlendioxids. "So hofft man, gleichzeitig mit der CO2-Entfernung auch noch Energie erzeugen zu können", erklärt Schäfer. Doch BECCS hat große Nachteile. Zum einen nimmt es viel Platz weg. Es bräuchte, um überhaupt eine spürbare Wirkung zu erzielen, hunderte Millionen Hektar Boden für Energiepflanzen, die allein der Erzeugung von Bioenergie dienen. Existierende Anbauflächen für Nahrungsmittel können dadurch verdrängt werden. Zudem bedeutet BECCS Monokulturen. Der Anbau der Energiepflanzen schadet also auch der biologischen Vielfalt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-06 16:12:04
Letzte Änderung am 2018-04-06 16:15:03


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