• vom 24.04.2018, 16:45 Uhr

Forschung


Forschungsförderung

Marathon mit Hürden




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  • FWF fordert mehr Mittel für Grundlagenforschung - Minister stellt Exzellenzprogramm in Aussicht.

Faßmann und FWF-Chef Tockner eint das Bekenntnis zur Stärkung der Wissenschaft.

Faßmann und FWF-Chef Tockner eint das Bekenntnis zur Stärkung der Wissenschaft.© apa/Fohringer Faßmann und FWF-Chef Tockner eint das Bekenntnis zur Stärkung der Wissenschaft.© apa/Fohringer

Wien. (gral) Obwohl die Erhöhung der Mittel für den Wissenschaftsfonds FWF nicht so hoch ausgefallen ist, wie es im Zuge der im Herbst 2016 von der Bundesregierung angekündigten "Forschungsmilliarde" angedacht gewesen war, sprach ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem FWF von "drei guten Jahren", die auf die Wissenschaftsgemeinde zukommen. Damals war ein Plus im Etat von 281 Millionen Euro für 2018 bis 2021 vorgesehen gewesen. Tatsächlich werden die Mittel bis 2021 um 110 Millionen Euro erhöht. Demgegenüber steht eine weiterhin steigende Anzahl an Anträgen von Nachwuchswissenschaftern. Dennoch sprach sich Faßmann für einen Ausbau der direkten Forschungsförderung und eine Erhöhung der Mittel für Grundlagenforschung aus und stellte ein Exzellenzprogramm in Aussicht.

Absage für 600 Wissenschafter
Das Jahr 2017 war bei Forschern ein besonders gefragtes: So gingen im vergangenen Jahr Projektanträge mit einem Volumen von 879,4 Millionen Euro (plus elf Prozent gegenüber 2016) beim FWF ein. "Es gibt einen großen Bedarf, sich dem Wettbewerb aussetzen zu wollen", betonte FWF-Präsident Klement Tockner. Doch immer mehr Projekte können aus finanziellen Gründen nicht gefördert werden. 2017 bedeutete das für rund 600 Wissenschafter eine Absage. Tockner verglich die Situation mit einem Marathonlauf, bei dem es zu wenige Versorgungsstationen gebe. Neu bewilligen konnte man nur Projekte in einem Umfang von 217,3 Millionen Euro (plus 18 Prozent).


Verglichen mit den Niederlanden oder der Schweiz rangiert Österreich praktisch unter ferner liefen. Während in den Niederlanden rund 70 Prozent der Fördermittel in Forschung und Entwicklung im Wettbewerb gesteckt werden, seien es in Österreich nur rund 15 Prozent. Weniger als ein Fünftel dieser Mittel würden hierzulande für Grundlagenforschung vergeben. In den Vergleichsländern sei es jeweils knapp ein Drittel. Die tragende Säule bilden Einzelprojekte, die sich bei Bewilligung letzten Endes aber auch wieder auf die ohnehin steigenden Uni-Budgets positiv auswirken.

Tockner beklagt vorwiegend die geringeren Steigerungen bei der direkten Forschungsförderung. Bei der indirekten Forschungsförderung würden mit der Erhöhung der Forschungsprämie auf 14 Prozent stetig Zuwächse erreicht. Sowohl der FWF-Chef als auch Faßmann fordern diesbezüglich eine "bessere Balance" ein. Doch sei vor allem die Forschungsprämie ein wichtiger Standortfaktor für forschende Unternehmen, so der Minister. Die Erhöhung der Mittel für Grundlagenforschung will er mit einer Innovationsperspektive gekoppelt sehen. Denn Grundlagenforscher sollten zwar weiter neugiergetrieben arbeiten, aber auch "Fantasie entwickeln, wohin die Entwicklung gehen kann." Gerade den in Österreich forschungsintensiven Bereich der Quantenphysik hin zur Entwicklung eines Quantencomputers sieht er als erfolgreiches Beispiel.

Erster, wichtiger Impuls
In absehbarer Zeit soll gemeinsam mit dem Wissenschaftsfonds ein Exzellenzprogramm aufgesetzt werden. Auch das seit Jahren angekündigte Forschungsfinanzierungsgesetz soll auf den Weg gebracht werden, so die Pläne des Ministers.

Der FWF sei seit mittlerweile 50 Jahren "die wichtigste Förderagentur im Bereich der Grundlagenforschung", betonte Faßmann. Seit der Gründung im Jahr 1968 wurden Projekte mit einem Volumen von knapp vier Milliarden Euro vom Kuratorium bewilligt.

Um wissenschaftliche Höchstleistungen weiter ermöglichen zu können, bedürfe es einer zügigen Umsetzung der von der Bundesregierung angekündigten Reformen und Initiativen, erklärte Tockner. Die vom Ministerium zusätzlich zur Verfügung gestellten 110 Millionen Euro für 2018 bis 2021 seien ein erster, wichtiger Impuls. Um allerdings in der europäischen Liga erfolgreich bestehen zu können, "benötigt es weitaus größere Anstrengungen sowie mutigere Entscheidungen", so der FWF-Chef.




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Dokument erstellt am 2018-04-24 16:51:33


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