• vom 09.05.2018, 10:16 Uhr

Forschung

Update: 09.05.2018, 10:22 Uhr

Kometen

"Rosetta"-Mission landet im Naturhistorischen Museum Wien




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Im Kern gehe es auch darum, zu zeigen, "was diese Mission geleistet hat", so Ekkehard Kührt von Institut für Planetenforschung, Asteroiden und Kometen der DLR.

Das Herzstück der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) inKooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft konzipierten Ausstellung ist die mittlerweile als historisch geltende Annäherung an den Kometen mit dem sperrigen Namen "67P/ChuryumovGerasimenko" - kurz "Tschuri". - © NHM Wien/Kurt Kracher

Das Herzstück der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) inKooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft konzipierten Ausstellung ist die mittlerweile als historisch geltende Annäherung an den Kometen mit dem sperrigen Namen "67P/ChuryumovGerasimenko" - kurz "Tschuri". © NHM Wien/Kurt Kracher

Wien. Die spektakuläre Jagd der Forscher nach Kometen und vor allem das bisherige Highlight selbiger - die "Rosetta"-Mission zum Kometen "Tschuri" - steht im Zentrum der neuen Sonderschau im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien. Unter dem Titel "Kometen. Die Mission Rosetta" ist die Ausstellung ab 9. Mai zu sehen.

Das Herzstück der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft konzipierten Ausstellung ist die mittlerweile als historisch geltende Annäherung an den Kometen mit dem sperrigen Namen "67P/ChuryumovGerasimenko" - kurz "Tschuri". Dem Höhepunkt der Mission, als die Landeeinheit "Philae" vom "Rosetta"-Orbiter abgekoppelt wurde und am 12. November 2014 tatsächlich unsanft auf dem nun im NHM im Maßstab 1:1.000 nachgebildeten imposanten Himmelskörper aufsetzte, widmet man sich entsprechend ausführlich. So sind etwa die handschriftlichen Logbucheinträge vom "Tag X" zu sehen.

Großzügige Partner

NHM-Direktor Christian Köberl wies bei der Präsentation darauf hin, dass die DLR die Schau dem Haus an der Ringstraße "kostenfrei" zur Verfügung stelle, was in Zeiten stagnierender Budgets der Bundesmuseen nicht unbedingt von nachrangiger Bedeutung sei. Bekommen hat das NHM von den freigiebigen Partnern jedenfalls einiges, kann man nun doch mit einer Vielzahl an erstaunlichen Bildern vom Kometen, Nachbildungen des Orbiters und des Landers, sowie des namengebenden "Steins von Rosetta", zahlreichen Schautafeln, Vitrinen und Videos aufwarten. Der Impaktexperte, der selbst am mit starker österreichischer Beteiligung abgelaufenen MIDAS-Experiment zur Analyse der Staubteilchen des Kometen, beteiligt war, konnte seine Begeisterung für die "Rosetta"-Mission und ihre museale Darstellung kaum verbergen.

So wird etwa der lange Anlauf zu dem großen Wurf der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) gezeigt, der schlussendlich auch zum großen Medienspektakel wurde. Einer der thematisierten Auslöser für die hochkomplexe Mission war der Vorbeiflug der ESA-Pioniersonde "Giotto" am Halleyschen Kometen 1986. Bei der Darstellung der Geschichte der Forschung an den Boten aus der Frühzeit unseres Sonnensystems beginnt man im Rahmen der auf 550 Quadratmetern aufgestellten Schau bereits in der Antike.

Viel Platz gibt man auch den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die "Rosetta"-Mission bisher mit sich gebracht hat. Unmengen an Informationen seien jedoch noch nicht analysiert. "Wir haben erst zehn bis zwanzig Prozent der Daten ausgewertet", sagte Ekkehard Kührt von Institut für Planetenforschung, Asteroiden und Kometen der DLR. Der Wissenschafter selbst arbeitete seit Anfang der 1990er Jahre an der Mission mit, die nach rund zwölfeinhalb Jahren im All schließlich 2016 ihr Ende fand. Er hofft, mit der Ausstellung ein wenig von dem Enthusiasmus weitergeben zu können, den das Vorhaben weit über die wissenschaftliche Gemeinde hinaus ausgelöst habe.

"Tut so, als ob er nie etwas erlebt hätte"

Im Kern gehe es auch darum, zu zeigen, "was diese Mission geleistet hat", so Kührt. So wurde etwa klar, dass sich "Tschuri" tatsächlich seit seiner Entstehung vor rund 4,5 Milliarden Jahren nahezu nicht verändert habe. Das stehe im Gegensatz zu dominanten Theorien, die dem frühen Sonnensystem durchaus turbulente Entwicklungsphasen attestieren: "'Tschuri' tut aber so, als ob er nie etwas erlebt hat", sagte der Wissenschafter. Vielfach müsse man nun "unser Weltbild neu schreiben".

Neben der Erkenntnis, dass solche Himmelskörper mit - in zahlreichen Bildern eindrucksvoll dokumentierten - "unglaublichen Landschaften" aufwarten können, wisse man jetzt deutlich mehr über deren Zusammensetzung. So wurden auf "Tschuri" 40 teils komplexere Moleküle nachgewiesen, darunter die Aminosäure Glycin, sagte Kührt. Das werte man als Hinweis, dass Kometen möglicherweise Zutaten für das aufkeimende Leben auf der Erde mitgebracht haben.

In eigenen Vitrinen können sich Besucher auch mit dem heimischen Anteil an der Mission vertraut machen: So war das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) an insgesamt fünf wissenschaftlichen Instrumenten der Mission beteiligt, darunter auch das mit Beteiligung des Austrian Institute of Technology (AIT), von Joanneum Research, dem Unternehmen RUAG Space Austria und der Technischen Universität (TU) Wien gebaute Instrument MIDAS (Micro-Imaging Dust Analysis System). Ausstellungspartner RUAG Space Austria lieferte zudem die gesamte thermische Isolation für die Sonde.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-09 10:18:31
Letzte Änderung am 2018-05-09 10:22:24


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Neuvermessung der Welt
  2. Frostige Supererde in galaktischer Nachbarschaft entdeckt
  3. Update für das Kilogramm
  4. Tod durch Selfies
  5. "Ein Gegengewicht zu US-Top-Unis"
Meistkommentiert
  1. Update für das Kilogramm
  2. "Mit Helden tun wir uns schwer"
  3. Obwohl nicht ansteckend, breitet sich Diabetes aus
  4. Tod durch Selfies
  5. Blindenschrift für die Jackentasche

Werbung





Werbung