• vom 05.06.2018, 16:37 Uhr

Forschung


Technologische Leistungsfähigkeit

Forschung gibt Vollgas, bleibt aber stehen




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  • Forschungsrat ortet "Effizienzbarrieren" im Bildungs-, Uni- und Förderbereich.

Wien. (est) Bei den Forschungsausgaben hat Österreich aufgeholt. Doch sein Ziel, zu den führenden Wissenschaftsländern Europas aufzuschließen, erreicht es seit Jahren nicht. "Wir sind trotz einer gestiegenen Forschungsquote im Mittelfeld zurückgeblieben", sagte der Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, am Dienstag vor Journalisten in Wien. Als Grund nannte er "Effizienzbarrieren" im Bildungs-, Hochschul-, Gründungs- und Förderbereich. Wissen führe zu selten zu neuen Produkten. Die Folge sei zu wenig Wettbewerbsfähigkeit.

In ihrer 2011 verabschiedeten Forschungsstrategie hatte sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, zum Top-Innovationsland wie die Schweiz oder wie Schweden zu werden. Der RFT begleitet die Umsetzung der Strategie mit seinem jährlichen "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs", dessen siebente Ausgabe Androsch am Dienstag präsentierte. Auch internationale Innovations-Rankings bescheinigen Österreich einen "stagnierenden oder gar rückläufigen Trend". Der Abstand zur Spitzengruppe werde daher nicht kleiner, sondern größer.


"Unklare Zuständigkeiten"
Zum Hintergrund: Mitte der 1990er Jahre ging es zunächst um Investitionen in Bildung und Forschung. Um Europas globale Position zu stärken, wollten die EU-Länder neue, innovative Erzeugnisse auf den Markt bringen können und als Grundlage dafür bis 2010 drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in wissenschaftliche Forschung investieren. In der Folge wurde die Forschungsinfrastruktur verbessert, damit internationale Top-Wissenschafter gute Bedingungen vorfinden. Und genau hier hapert es in Österreich: Trotz einer Forschungsquote von 3,15 Prozent (2016) ist unser Land für exzellente Forscher immer noch nicht attraktiv genug.

Die Barrieren bilden laut Androsch unterschiedliche Faktoren, von einer hohen sozialen Selektivität im Bildungssystem über eine "mangelhafte Finanzierungssituation" an den Hochschulen und in der Grundlagenforschung bis hin zu Problemen bei der Steuerung der Unis und der Studentenströme. Zwar lobte RFT-Geschäftsführer Ludovit Garzik die zusätzlichen Uni-Mittel von 1,3 Milliarden Euro. Er kritisierte jedoch, dass diese nur in die Basis-Finanzierung fließen sollen und es keine Qualitäts-Parameter gebe, "um zu kontrollieren, was damit passiert."

In der Forschungsförderung ortete Garzik "Überregulierung, Zersplitterung und unklare Zuständigkeiten: Es ist, als würde man Vollgas geben, aber nicht weiterkommen, weil das Auto auf Bürokratie aufgebockt ist." Er plädierte für eine Prüfung der Förderlandschaft nach Effizienzkriterien, damit nicht nur der Aufbau von Wissen, sondern auch sein Umsatz in neue Produkte rund laufe.




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Dokument erstellt am 2018-06-05 16:43:23


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