• vom 08.06.2018, 20:00 Uhr

Forschung


Gesundheit

Der Tod von HIV




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Von Alexandra Grass

  • Forscher entdeckten einen Rezeptor, der dabei helfen könnte, mit dem HI-Virus infizierte Zellen zu killen.



Melbourne/Wien. Trotz modernster Therapien ist eine Infektion mit dem HI-Virus nach wie vor nicht heilbar. Bisher gibt es lediglich Maßnahmen, um den Erreger so weit in Schach zu halten, dass eine mögliche, daraus resultierende Aids-Erkrankung nicht auftritt. Das könnte sich bald ändern, denn ein internationales Wissenschafterteam hat einen Zellrezeptor ausfindig gemacht, der die HI-Viren erkennt und den Tod der HI-Viren ermöglichen könnte.

Die Forscher um die Biomedizinerin Stephanie Gras von der australischen Monash University untersuchten 15 ganz spezielle HIV-Infizierte, nämlich sogenannte Elite Controller. Bei ihnen ist das Immunsystem derart beschaffen, dass dieses selbständig das Voranschreiten der Aids-Erkrankung verhindert und die Viruslast ohne sogenannte antiretrovirale Medikamente unter der Nachweisgrenze zu liegen kommt.


Die Wissenschafter widmeten sich in ihren Untersuchungen spezifisch den T-Zellen dieser Patienten. Diese Gruppe der weißen Blutkörperchen ist neben den sogenannten B-Zellen grundsätzlich für die erworbene Immunabwehr des Körpers verantwortlich und hält nach ungewollten Veränderungen von Zellen Ausschau. Eine Untergruppe, genannt T-Helferzellen, entscheidet, ob die Einleitung einer Immunabwehrreaktion erforderlich ist. Über Rezeptoren - also bestimmte Erkennungsmoleküle - informieren diese die Killerzellen über vorhandene Infektionen. Die Zerstörung infizierter Zellen wird dann eingeleitet.

Auf der Oberfläche der Helferzellen befinden sich diese Erkennungsmoleküle - die sogenannten CD4-Moleküle. Sie dienen für das HI-Virus als Rezeptor. Das Virus lagert sich an den Molekülen an und dringt darüber in die Zellen ein. Deswegen führt eine HIV-Erkrankung auch zu einer Reduktion der T-Helferzellen. Infolge manifestiert sich die Aids-Erkrankung.

Wie ein Lottosechser
Die Elite Controllers besitzen allerdings die Fähigkeit, CD4-T-Zellen in höherer Quantität und Qualität zu halten. Deswegen stehen diese Patienten auch im Fokus der Forschung. "Wir entdeckten, dass diese CD4-T-Zellen, die für gewöhnlich nur als Helferzellen tätig sind, bei Elite Controllers selbst zu Killerzellen werden können", erklärt Gras im Fachblatt "Science Immunology". Diese sogenannten CD4+-T-Zellen können aufgrund eines speziellen Rezeptors auf ihrer Oberfläche geringe Mengen an HI-Viren erkennen und gegen sie vorgehen. Diese Aktivität haben die Wissenschafter in allen 15 Patienten ausfindig gemacht.

"Die Wahrscheinlichkeit, exakt die gleichen T-Zell-Rezeptoren in verschiedenen Individuen zu finden, ist wie ein Lottosechser", freut sich Carine Farenc von der Monash University.

In der Kontrolle von HIV könnte diese Entdeckung künftig einen wesentlichen Aspekt bedeuten, um eine neue Therapie zu entwickeln, die es ermöglicht, HI-Viren abzutöten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 17:04:20
Letzte Änderung am 2018-06-08 17:07:16


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