• vom 14.06.2018, 16:25 Uhr

Forschung


Horizon Europe

Mit "Ehrgeiz" zur Forschungsspitze




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  • Minister Heinz Faßmann will mehr Geld für europäische Forschung, die "den Wohlstand schützt".

Minister Faßmann zu Österreichs Ratspräsidentschaft: "Ich erwarte mir einen gewissen Budget-Diskurs."

Minister Faßmann zu Österreichs Ratspräsidentschaft: "Ich erwarte mir einen gewissen Budget-Diskurs."© apa Minister Faßmann zu Österreichs Ratspräsidentschaft: "Ich erwarte mir einen gewissen Budget-Diskurs."© apa

Wien. (est) Zuerst der Inhalt, dann das Geld: In dieser Reihenfolge will Wissenschaftsminister Heinz Faßmann die Verhandlungen zum neuen EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation führen. Während Österreichs Ratspräsidentschaft ab 1. Juli wolle er dem Programm "ehrgeizig zum Erfolg verhelfen", sagte Faßmann am Donnerstag vor Journalisten.

Derzeit sieht die EU-Kommission 100 Milliarden Euro für Forschung und Innovation in ihrem Budget 2021-2027 vor. Im 9. Forschungsrahmenprogramm "Horizon Europe" gehe es darum, Europa in diesen Bereichen zu einem globalen Spitzenreiter zu machen, betonte jüngst der Vizepräsident der EU-Kommission, Jyrki Katainen. Das laufende Programm "Horizon 2020" ist mit 77 Milliarden Euro dotiert. Zieht man Großbritanniens Beiträge ab, kommt man auf 67 Milliarden. Nun wurde eine Erhöhung auf 100 Milliarden Euro vorgeschlagen.


Bei einem informellen Treffen am 16. und 17. Juli wollen die EU-Wissenschaftsminister ausloten, wie sie zu dem Vorschlag stehen. Von den Ergebnissen hänge die Geschwindigkeit der Verhandlungen ab, sagte Faßmann: "Ich erwarte einen gewissen Diskurs, denn das EU-Parlament will ein höheres Budget. Ich denke, dass die europäische Idee einen neuen Impuls braucht." Im Sinne von Österreichs Motto "Ein Europa, das schützt" verstehe er unter Schutz nicht nur Sicherheit, sondern auch "den Schutz von Wohlstand". Aus diesem Grund wolle er für mehr Geld für Forschung, die "Lok des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts", eintreten.

Demgegenüber mahnt die Bundesregierung angesichts der wegfallenden Beiträge Großbritanniens Budgetdisziplin ein. Faßmann und sein Vorgänger, Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer, wollten allerdings nicht unterbreiten, in welchen Bereichen gespart werden könne. "Alle sollen Vorschläge machen, wie sie vorankommen", sagte Mahrer. Faßmann stellte jedenfalls klar, wo er steht: "Ich bin ein loyaler Repräsentant von Forschung und Innovation und trete dafür ein - nicht für die Lösung eines Interessensausgleichs", sagte er und verwies auf die Verantwortung von EU-Minister Gernot Blümel für das Gesamtbudget.

Für Wolfgang Burtscher, stellvertretender Generaldirektor für Forschung der EU-Kommission, zeigt die vorgeschlagene Budget-Erhöhung jedenfalls hohen Stellenwert von Forschung in der EU. Inhaltlich setze das neue Programm auf eine "gelungene Mischkulanz von Bewährtem und Neuem". Bewährt hätte sich der Europäische Forschungsrat ERC, der Top-Grundlagenforscher fördert. Sein Budget soll von 13,1 Milliarden auf 16,6 Milliarden Euro angehoben werden. Eine neue Idee sei der Europäische Innovationsrat (EIC), der dazu beitragen soll, Grundlagenforschung in erfolgreiche Innovationen überzuführen. "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Forschung eine Wirkung erzielen muss", sagte Burtscher. Daher müsse man sie nahtlos fördern.

Kein "magischer Bankomat"
Thematisch gliedert sich das Programm in fünf Bereiche: Gesundheit, gesundes Altern und Pflege; Solidarität, Sicherheit und Cyber-Kriminalität; Smarte Technologien und Künstliche Intelligenz; Klima, Energie und Mobilität; sowie Ernährung und Ressourcen.

Getüftelt wird im nächsten halben Jahr an der Zusammenlegung von Themen und an länderübergreifenden Kooperationen, "denn eine budgetäre Debatte infolge von Schwerpunktsetzungen fällt leichter als über den magischen Bankomat zu reden", sagte Mahrer. Er bezeichnete die Ausweitung der EU-Forschungsgelder als "absolut richtig" und verwies auf China, das im Vorjahr seine Ausgaben in diesem Bereich um elf Prozent auf 230 Milliarden Euro erhöht habe. Es werde sicher schwierig, budgetär etwas zustande zu bringen, aber man müsse Prioritäten setzen, schließlich gehe es "um die globale Innovationsführerschaft".

Im laufenden Programm "Horizon 2020" konnten bisher 460 heimische Unternehmen EU-Mittel von insgesamt 325 Millionen Euro für ihre Innovationsvorhaben lukrieren. Alles in allem könnten hierzulande bisher 871 Millionen Euro eingeworben werden. Themen, die national durch Förderungen aufgebaut würden, schneiden auch auf EU-Ebene besser ab, sagte Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG.




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Dokument erstellt am 2018-06-14 16:31:26


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