• vom 11.07.2018, 19:00 Uhr

Forschung


Archälogie

Gespaltene Wurzeln




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Grass

  • Der Mensch entwickelte sich in Afrika aus mehreren Linien und erreichte Asien früher als gedacht.



Exeter/Jena/Wien. Neu entdeckte Werkzeuge und Knochen geben Aufschluss darüber, dass der Frühmensch im Zuge seiner Reise nach Asien den afrikanischen Kontinent schon ungefähr 270.000 Jahre früher verlassen hat als bisher gedacht. Die ältesten Funde aus dem Qin-Ling-Gebirge in der Volksrepublik China sind Forschern der University of Exeter zufolge rund 2,12 Millionen Jahre alt, wie sie im Fachmagazin "Nature" berichten. Die ältesten bisher in Asien entdeckten Artefakte und Skelette sind auf 1,85 Millionen Jahre datiert. Ein weiteres Wissenschafterteam hat wiederum herausgefunden, dass sich der Mensch in seiner Geburtsstätte in voneinander unabhängigen Populationen entwickelt hat. In bisherigen Arbeiten war vor allem Afrika als Ursprung selbst relevant, jedoch nicht die Formung der Spezies Mensch.

Ein Mix der Kulturen
Mehrere Populationen dürften der Studie zufolge getrennt voneinander auf dem afrikanischen Kontinent gelebt haben. Erst im Zuge der evolutionären Entwicklung habe sich aus einem Mix der unterschiedlichen Abstammungslinien unsere Spezies entwickelt, berichten die Forscher um Eleanor Scerri von der Universität Oxford und dem Max-Plack-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena im Fachblatt "Trends in Ecology and Evolution". Unterschiedliche Lebensräume und umweltbedingte Grenzen, etwa durch Wälder und Wüsten, hätten die ursprüngliche Streuung dieser Bevölkerungsgruppen bewirkt. Über Jahrtausende hinweg hatte sich deshalb eine überwältigende Diversität erhalten.


Bisher hatte man gedacht, dass sich der Mensch aus einer einzigen Linie entwickelt hat und Erbanlagen sowie Wissen über den Gebrauch von Technologien eher zufällig ausgetauscht wurden. Die neuen Erkenntnisse ergaben sich nicht nur aufgrund von Studien an Knochen, Steinen und Genen, sondern auch im Zuge einer Rekonstruktion der klimatischen Bedingungen sowie Lebensräume während der vergangenen 300.000 Jahre. Demnach habe auch die Modernisierung des Lebens an verschiedenen Orten zu ähnlichen Zeiten ganz unabhängig voneinander stattgefunden.

"Die Evolution des Menschen in Afrika war multi-regional. Unsere Vorfahren waren multi-ethnisch. Und die Evolution des Werkzeugebrauchs war ebenso multi-kulturell", betont die Archäologin Scerri in der Publikation. Sie spricht von einem ökologischen, biologischen und kulturellen Flickwerk. "Nun müssen wir uns alle Regionen Afrikas ansehen, um die menschliche Evolution tatsächlich zu verstehen", so die Forscherin.

Die Reise nach Asien
Schon vor zwei Millionen Jahren waren die ersten Menschen aus Afrika in Asien eingelangt, wie das Forscherteam um Zhaoyu Zhu der Chinese Academy of Sciences über die erfolgte Wanderung berichtet. Rund 80 in verschiedenen Erdschichten entdeckte Artefakte würden dies verdeutlichen. Ebenso wurden Fragmente von Tierknochen gefunden, die auf das neue Alter hindeuten. "Nun ist es notwendig, zu überprüfen, zu welchem Zeitpunkt genau der Mensch sich von Afrika aus auf den Weg gemacht hat", erklärt der Archäologe Robin Dennell von der Exeter University in der Publikation.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-11 16:31:57


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Reise zu Proxima Centauri
  2. Wertlose Wissenschaft
  3. Schönbergs Lieblingsschüler
  4. Der Feindfreund
  5. Geheime Verständigung
Meistkommentiert
  1. Sieg über Aids in Gefahr
  2. Böse Tiere
  3. Wie uns Fast-Food depressiv macht
  4. Wertlose Wissenschaft
  5. Österreich nun Mitglied im Supercomputing-Netzwerk PRACE

Werbung





Werbung