• vom 27.07.2018, 20:00 Uhr

Forschung


Wissenschaftliche Forschung

Das Gehirn als Täuscher




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Von Laura Fischer

  • Der wissenschaftliche Forschungsprozess ist fehleranfällig - vor allem dann, wenn eigene Erwartungen mitmischen.

Die Forschungspraxis steht in der Kritik, insbesondere seit Beiträge ohne Qualitätssicherung online veröffentlicht wurden.

Die Forschungspraxis steht in der Kritik, insbesondere seit Beiträge ohne Qualitätssicherung online veröffentlicht wurden.© adobestock/edhar Die Forschungspraxis steht in der Kritik, insbesondere seit Beiträge ohne Qualitätssicherung online veröffentlicht wurden.© adobestock/edhar

Wien. Die wissenschaftliche Forschungspraxis steht in der Kritik. Vergangene Woche wurde bekannt, dass wissenschaftliche Fachmagazine ohne jegliche Qualitätssicherung Studien publiziert hatten. Weltweit sollen über 400.000 Forscher Beiträge in dubiosen Online-Fachzeitschriften veröffentlicht haben, die den auf Wissenschaftern lastenden Publikationsdruck ausnutzen.

Doch selbst renommierte Fachjournale sind keine Garantie für eine absolute Fehlerfreiheit. Das zeigt schon allein die Tatsache, dass vereinzelte Publikationen zurückgezogen werden müssen. Fehler werden zudem nicht immer bewusst gemacht. Nicht immer ist es die Schuld der Wissenschafter, dass falsche oder verzerrte Ergebnisse an die Öffentlichkeit geraten.


Kognitive Verzerrungen beeinflussen Studienaufbau
Ob Studienaufbau, Datenanalyse oder Publikation: Jedes Stadium des wissenschaftlichen Forschungsprozesses ist fehleranfällig. Denn auch Forscher sind nur Menschen - und menschliche Gehirne machen Fehler, selbst wenn wissenschaftliche Standards eingehalten werden. Das kann im empirischen Forschungsprozess beginnen, bevor eine Studie überhaupt durchgeführt wird. Denn schon der Aufbau einer Studie trägt entscheidend zu seiner Aussagekraft bei.

Beginnen wir bei der Auswahl der Testpersonen: Die Art der Probanden kann das Ergebnis extrem beeinflussen und variiert von Forscher zu Forscher, auch wenn sie vermeintlich zufällig ist. Wissenschafter sind keine Ausnahme, was soziale Prägungen betrifft. Auch sie wachsen in gewissen Umgebungen auf, die in den Forschungsprozess hineinfließen können. So wird ein US-amerikanischer Forscher wohl gerne US-amerikanische Probanden für seine Studie heranziehen, ähnlich wie ein Mann, der in einem männlich geprägten akademischen Umfeld geprägt vielleicht gerne mit Männern als Testpersonen arbeitet.

Auch in der Durchführung der Studie selbst kann es zu Verzerrungen kommen, auf die die Forschenden keinen Einfluss haben. Vor allem bei Verhaltensstudien kommt es auf die Probanden und ihre Reaktionen an. Exemplarisch sei hier der Hawthorne-Effekt genannt. Dabei verhalten sich Probanden anders als sonst, allein weil sie wissen, Teil einer Studie zu sein. Ein anderes Beispiel ist der Placebo-Effekt, der Medikamente allein durch den Glauben an ihre Wirkung anschlagen lässt.

Am fehleranfälligsten ist jedoch der Moment, wenn Daten auf Forscher treffen, insbesondere wenn es darum geht, möglichst neutral und objektiv zu sein. "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen für nüchternes Denken", sagt Nick Enfield. Er ist linguistischer Anthropologe und Chef der Post-Truth Initiative, die sich für die Wahrheit und Faktenbasiertheit einsetzt. Im Englischen hat sich für die Art und Weise, wie das Gehirn Wahrnehmungen verändert, der Begriff "cognitive bias" etabliert, kognitive Verzerrung.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-27 16:20:15
Letzte Änderung am 2018-07-27 16:59:12


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