• vom 01.08.2018, 12:26 Uhr

Forschung

Update: 01.08.2018, 12:52 Uhr

Zeitgeschichte

Historiker Gerhard Jagschitz ist verstorben




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Von WZ Online, APA

  • Der österreichische Zeithistoriker war vor allem als politischer Mahner und kritischer Analyst der Vergangenheit bekannt.

Neben seiner Forschung war Jagschitz auch mit der wissenschaftlichen Leitung von Ausstellungen, darunter "Die wilden 50er Jahre" (Schallaburg 1985) oder "Menschen nach dem Krieg" (Schallaburg 1995) beschäftigt.

Neben seiner Forschung war Jagschitz auch mit der wissenschaftlichen Leitung von Ausstellungen, darunter "Die wilden 50er Jahre" (Schallaburg 1985) oder "Menschen nach dem Krieg" (Schallaburg 1995) beschäftigt.© APAweb, ROBERT JAEGER Neben seiner Forschung war Jagschitz auch mit der wissenschaftlichen Leitung von Ausstellungen, darunter "Die wilden 50er Jahre" (Schallaburg 1985) oder "Menschen nach dem Krieg" (Schallaburg 1995) beschäftigt.© APAweb, ROBERT JAEGER

Wien.Der Zeithistoriker Gerhard Jagschitz ist am 30. Juli nach Komplikationen infolge einer Operation in Wien gestorben.  Er wurde 77 Jahre alt. Der breiteren Öffentlichkeit wurde der Wissenschafter vor allem als Kommentator der aktuellen Politik und kritischer Analyst der Vergangenheit bekannt.

Jagschitz wurde am 27. Oktober 1940 in Wien geboren. An der Universität Wien studierte er Psychologie, Pädagogik, Volkskunde, Ägyptologie, Deutsche Philologie und Geschichte. 1968 wurde er mit einer Dissertation über "Die Jugend des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß" promoviert. Anschließend war er als Assistent am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien tätig, wo er sich 1978 habilitierte und 1985 zum Universitätsprofessor für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte ernannt wurde. Zwischen 1994 und 2001 fungierte er als Vorstand des Instituts, 2002 ging Jagschitz in Pension.

Tätigkeit als Gutachter

Öffentlich in Erscheinung trat der Historiker etwa 1992 als Gutachter im Prozess gegen den Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift "Halt", Gerd Honsik. In fünfjähriger akribischer Arbeit widerlegte Jagschitz die sogenannte "Auschwitz-Lüge". Mit nüchterner, wissenschaftlicher Distanz hat sich Jagschitz auch im Wiederbetätigungsprozess gegen Gottfried Küssel 1994 als Gutachter profiliert, in dem er zu dem Ergebnis kam, dass es sich bei der Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO) um eine eindeutig nationalsozialistische Gruppe handle.

Auch mit politischen Stellungnahmen positionierte sich der Zeithistoriker in der Öffentlichkeit - etwa als er sich kritisch zum EU-Beitritt Österreichs äußerte , den er mit einem "Souveränitätsverlust" verband. Auch 2008 trat er als Unterzeichner des "Manifests für ein demokratisches Europa" gegen den EU-Reform-Vertrag in Erscheinung. Anlässlich des Eurofighterausschusses 2007 attestierte Jagschitz, der schon 1995 vor der wachsenden "Partei der Nichtwähler" gewarnt hatte, Österreich einen "bananenrepublikanischen Hauch" und kritisierte die Tendenz der Politik, sich immer mehr in den Dienst weniger Interessensgruppen zu stellen.

Zu seinen Forschungsschwerpunkte zählte Jagschitz Nationalsozialismus, Terror und Vernichtung im Dritten Reich, Auschwitz, Zweite Republik und Demokratie, Visual History, Fotografie, Österreichische Identität und Österreich in Europa. Neben der Bedeutung von Bilddokumenten - er baute etwa das Bildarchiv des Zeitgeschichte-Instituts zu einer der bedeutendsten Bild-Dokumentationen der jüngeren Geschichte Österreichs aus - betonte Jagschitz auch die Wichtigkeit audiovisueller Dokumente, die den Alltag der Bevölkerung festhalten.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 12:27:34
Letzte Änderung am 2018-08-01 12:52:29


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