• vom 19.08.2018, 15:00 Uhr

Forschung


Astronomie

Kein Stern, der deinen Namen trägt




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Von Christian Pinter

  • Die Regelung der himmlischen Nomenklatur zählt zu den Aufgaben der Internationalen Astronomischen Union, die nächste Woche in Wien tagt. Ein historischer Rück- und thematischer Ausblick.

Die IAU versetzt Jules Vernes Kapitän Nemo auf den Plutomond Charon; ebenso Arthur C. Clarke und Stanley Kubrick ("2001") sowie die Königstochter Revati aus dem Mahabharata. 
- © NASA/IAU

Die IAU versetzt Jules Vernes Kapitän Nemo auf den Plutomond Charon; ebenso Arthur C. Clarke und Stanley Kubrick ("2001") sowie die Königstochter Revati aus dem Mahabharata.

© NASA/IAU

Im Jahr 1798 bat der im heutigen Budapest geborene Baron Franz Xaver von Zach nach Gotha: zum ersten europäischen Astronomenkongress. In der jungen Seeberg-Sternwarte hieß er fünfzehn Besucher willkommen, darunter Forscher aus Berlin, Basel und Cambridge. Aus Paris war der prominente Astronom Jérôme Lalande angereist. Er wusste um die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit, hatte er doch die zahlreichen Beobachtungen des Venusdurchgangs ausgewertet.

Um die Venus vor der Sonne zu sehen, hatten im Jahr 1769 mindestens 150 Astronomen aus acht Ländern abenteuerliche Expeditionen nach Südindien, Tahiti, Haiti, Baja California oder Sibirien unternommen. Maximilian Hell, der Gründungsdirektor der Wiener Universitätssternwarte, machte sich ins norwegische Vardö auf. Bei Lalande langten schließlich Messergebnisse von 77 Stationen ein. Daraus steckte er die Erddistanz zur Sonne ab, im Deutschen "Astronomische Einheit" genannt: Die Werte streuten zwar zwischen 148 und 154 Mio Kilometer, doch selbst das war schon ein bedeutender Fortschritt.

Information

Christian Pinter, geboren 1959 in Wien, schreibt seit 1981 im "extra" über Astronomie und Raumfahrt. Internet: www.himmelszelt.at

Website der Internationalen Astronomischen Union: https://www.iau.org/

Beim zweiten Astronomenkongress im Jahr 1800 rief Baron von Zach dazu auf, sich seiner "Himmelspolizey" anzuschließen - zur gemeinsamen Fahndung nach Körpern zwischen Mars und Jupiter. Im späten 19. Jahrhundert kam es ebenfalls zu einem bemerkenswerten Großprojekt: Observatorien auf mehreren Kontinenten teilten den Himmel unter sich auf, um die Positionen der Fixsterne aufs Genaueste zu vermessen. Die Kuffner-Sternwarte in Wien Ottakring nahm als einziges Observatorium Österreich-Ungarns daran teil.

10.000 Mitglieder

Zu dieser Zeit hatte sich die astronomische Spitzenforschung schon in die USA verlagert. Dort standen dank großzügig agierender Stiftungen weit mehr Mittel zur Verfügung: Der vor genau 150 Jahren in Chicago geborene, prominente Sonnenforscher George Ellery Hale wurde mit der Planung der Yerkes-Sternwarte in Wisconsin beauftragt. Dazu bestieg er im Jahr 1893 ein Schiff nach Europa und kontaktierte hier etliche Astronomen. Später konzipierte Hale das Observatorium am kalifornischen Mount Wilson. Dessen Jahresbudget soll größer gewesen sein als der Etat aller deutschsprachigen Observatorien zusammen.

Um die Sonne lückenlos zu überwachen, war eine Zusammenarbeit über Kontinente hinweg unerlässlich. So hob Hale 1904 die International Union For Cooperation in Solar Research aus der Taufe: Die Mitglieder trafen einander in St. Louis, Oxford, Paris und auf dem Mount Wilson. Nach einem weiteren Meeting in Bonn vereitelte der Erste Weltkrieg alle weiteren Konferenzen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-17 10:02:38
Letzte Änderung am 2018-08-17 10:19:39


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