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Forschung

Update: 23.08.2018, 17:59 Uhr

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"Bonbonniere ohne Bonbons"




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Von Eva Stanzl

  • Im Vorfeld der Technologiegespräche in Alpbach wurde ein "Silicon Austria" beschlossen und neue Schwerpunkte zu Speicher- und Batterienforschung angekündigt.

Wind für die Energiewende: Österreich sucht verstärkt innovative Speicherlösungen.

Wind für die Energiewende: Österreich sucht verstärkt innovative Speicherlösungen.© apa/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul Wind für die Energiewende: Österreich sucht verstärkt innovative Speicherlösungen.© apa/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Alpbach. Batterien und Speicher für erneuerbare Energien: "Diese beiden Pfeiler sind zentral, wenn wir die Energiewende schaffen wollen und die Dekarbonisierung gelingen soll", betonte Verkehrsminister Norbert Hofer am Donnerstag im Vorfeld der Alpbacher Technologiegespräche. Vor Journalisten präsentierte er Empfehlungen, die sein Ministerium zusammen mit dem Klima- und Energiefonds erarbeitet hat, zu zukunftsweisenden Technologien für Österreich.

In den kommenden fünf bis zehn Jahren soll der Fokus auf Innovationen in Speichertechnologien für Strom und Wärme liegen. Erstens soll Österreich seine Expertise bei Wasserkraft- und Erdgasspeichern zu neuen Innovationen führen. Zweitens startet das Ministerium eine nationale Batterie-Initiative, die komplementär zu einer europäischen Initiative laufen soll.


Brennstoff oder Salzwasser
"Heute haben wir bei den Neuzulassungen einen Anteil von 2,5 Prozent E-Fahrzeuge. Ähnlich wie wir lange nicht wussten, dass die Energiesparlampe der LED-Leuchte weichen wird, wissen wir derzeit nicht, mit welcher Technik wir künftig auf den Straßen fahren werden. Ob Brennstoffzellen, Brennstoffmotoren mit E-Fuel oder Salzwasser-Batterien, gilt es zu erforschen", sagte Hofer.

Konkret will das Verkehrsministerium zehn Millionen Euro pro Jahr für Batterien-Forschung ausschreiben, wobei diesen Herbst noch ein Call in Höhe von vier Millionen Euro gemacht werden soll. Für Energiespeicher-Anlagen sollen jährlich zwischen 40 und 50 Millionen Euro des mit 880 Millionen Euro dotieren Ministeriumsbudgets für Forschung fließen.

Damit die Initiative allerdings nicht eine in Broschürenform gegossene Ankündigung bleibt, sondern tatsächlich zur Energiewende führen kann, bedürfe es der nötigen Infrastruktur, betonte Hofer: "Derzeit sind aber die Bewilligungsverfahren so, dass wir entsprechende Anlagen nicht zeitgerecht bauen könnten."

Nicht an Bewilligungen, sondern an Haftungs- und Finanzierungsfragen spießte sich laut den Beteiligten der Abschluss der Verträge für den Forschungsverbund Silicon Austria. Vor genau zwei Jahren war das länderübergreifende Zentrum für Mikroelektronik in Alpbach erstmals angekündigt worden. Am Donnerstag fixierten Hofer und die Vertreter der Länder Steiermark, Kärnten und Oberösterreich mit ihren Unterschriften die Gründung einer GmbH für Mikroelektronik. Der Forschungsverbund mit Zentrale in Graz und Standorten in Villach und Linz soll 2019 starten und 400 Mitarbeiter beschäftigen und ist in den kommenden fünf Jahren mit einem Gesamtvolumen von 280 Millionen Euro ausgestattet.

Längerfristige Budgets
Frühestens im Frühling fixiert wird das diese Woche im Ministerrat beschlossene Forschungsfinanzierungsgesetz. Voraussetzung ist eine Prüfung der Forschungsförderungslandschaft und eine Steigerung der Effizienz. Das Ziel sind längerfristige Budgets für Institutionen und mehr Exzellenz. Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, sieht "eine gute Initiative. Wenn sie umgesetzt wird, könnten wir unsere Mittel besser bündeln." Er kritisierte jedoch das Missverhältnis zwischen der Höhe der Fördergelder und dem wirtschaftlichen Nutzen der Forschungsergebnisse. Schuld seien eine kleinteilige Förderlandschaft, "Verbürokratisierung und eine Partikularität. Extrem vielen Personen muss etwas Gutes getan werden", sagte Kapsch.

Der Präsident des Forschungsrats, Hannes Androsch, sieht im Ministerratsbeschluss "eine Bonbonniere, der die Bonbons fehlen". Trotz "wohl überlegter Inhalte" sei die Idee eines Forschungsfinanzierungsgesetzes zehn Jahre alt, ohne "das Licht der Welt erblickt" zu haben. "Jetzt gibt es die Absicht wieder, aber noch keinen Finanzierungsinhalt", so Androsch: "Der Beschluss enthält kein einziges Bonbon."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-23 17:05:46
Letzte Änderung am 2018-08-23 17:59:28


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