• vom 06.09.2018, 16:38 Uhr

Forschung


Archäologie

Alemannen-Krieger waren offen für andere Kulturen




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief






    Bozen. Forscher der Südtiroler Eurac Research und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena haben die DNA von frühmittelalterlichen Alemannen-Kriegern entschlüsselt. Die Wissenschafter untersuchten Knochenreste, die aus der Zeit zwischen 590 und 630 nach Christus stammen, und konnten dadurch unter anderem neue Erkenntnisse über Gesellschaftsstrukturen im Frühmittelalter gewinnen.

    1962 wurde in Niederstotzingen in Baden-Württemberg ein alemannisches Gräberfeld mit 13 menschlichen Skeletten, Überesten von drei Pferden und ausgezeichnet erhaltenen Grabbeigaben verschiedner Herkunft gefunden. Bisher habe man gewusst, dass es sich um ranghohe Krieger und ihr Gefolge handelt. Die molekulargenetischen Untersuchungen brachten nun neue Details über die Bestatteten und ihre letzte Ruhestätte ans Licht, teilte das Eurac am Donnerstag mit.


    Überregionale Kontakte
    Mithilfe von DNA-Analyse rekonstruierten die Forscher sowohl die mütterliche als auch die väterliche Verwandtschaft. Anhand von Zahnproben stellten sie fest, dass fünf der Individuen in erster oder zweiter Linie miteinander verwandt waren. Darüber hinaus zeigen die Bestatteten unterschiedliche genetische Herkunftsmuster, die Wurzeln im mediterranen bzw. nordeuropäischen Raum andeuten. "Diese Ergebnisse belegen bemerkenswerte überregionale Kontakte", erklärt Forscher Niall O’Sullivan.

    Die Grabbeigaben waren zudem fränkischen, langobardischen und byzantinischen Ursprungs. Deren vielfältige Herkunft in Kombination mit den neuen genetischen Daten deute auf eine kulturelle Offenheit hin und belege, wie Mitglieder derselben Familie womöglich unterschiedlichen Kulturen zugewandt waren, berichten die Forscher im Fachblatt "Science Advances".




    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-09-06 16:47:56


    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Passivrauch schädigt Babys
    2. Potenzieller Heimatplanet von "Mr. Spock" entdeckt
    3. Ötzi hatte hochentwickelte Krankenfürsorge
    4. Singvögel bleiben auch bei voller Schüssel schlank
    5. Bienen versus Wespen
    Meistkommentiert
    1. Tauende Böden
    2. Tragödie am Genfersee
    3. Waldhüter und Korallengärtner
    4. Singvögel bleiben auch bei voller Schüssel schlank
    5. Passivrauch schädigt Babys

    Werbung





    Werbung