• vom 29.09.2018, 17:00 Uhr

Forschung

Update: 30.09.2018, 09:02 Uhr

Ewiges Leben

Auf der Suche nach Unsterblichkeit




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Von Adrian Lobe

  • Ein Leben ohne Ende gilt als utopische Idee, an deren Umsetzung im Silicon Valley aber schon gearbeitet wird.



Der Japaner Masazo Nonaka ist mit 113 Jahren aktuell der älteste Mann der Welt.

Der Japaner Masazo Nonaka ist mit 113 Jahren aktuell der älteste Mann der Welt.© ullstein bild - Jiji Press Photo Der Japaner Masazo Nonaka ist mit 113 Jahren aktuell der älteste Mann der Welt.© ullstein bild - Jiji Press Photo

Von Abraham Lincoln ist der Satz überliefert: "Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: der Tod und die Steuer." Doch die Utopisten aus dem Silicon Valley wollen sich mit diesen Gewissheiten nicht abfinden. In den kalifornischen Gentechnik-Schmieden tüfteln Forscher an der Betriebsanleitung zum ewigen Leben. Mit Millionen Forschungsgeldern wollen sie den menschlichen Quellcode entschlüsseln und den Menschen unsterblich machen.

Im Jahr 2013 gründete Google seine Gesundheitssparte Calico, deren erklärtes Ziel es ist, "den Tod zu beseitigen". Für die Sozialingenieure ist der Tod ein mathematisches Rätsel, das sich mit der richtigen Formel "lösen" lässt. Wenn man weiß, wo die Bugs im Quellcode liegen, kann man den Organismus hacken und neu programmieren. Calico-Gründer Bill Marris sagte im Jänner 2015 in einem Interview mit CNN: "Wenn Sie mich heute fragen, ob es möglich ist, 500 Jahre zu leben, so lautet die Antwort: Ja!"

Information

Adrian Lobe, geboren 1988 in Stuttgart, studierte Politik- und Rechtswissenschaft in Tübingen, Heidelberg und Paris. Freier Journalist für diverse Medien im deutschsprachigen Raum.

Die Mensch-Maschine

Die Bewegung des Transhumanismus ist von der Idee beseelt, die Grenzen der Conditio humana zu sprengen und den Menschen auf eine neue Evolutionsstufe zu heben. Der Körper wird trainiert, modelliert, optimiert, Defizite und Verschleißerscheinungen werden mit Implantaten und Prothesen korrigiert; das Gehirn wird mit leistungssteigernden Substanzen gedopt und mit Nanobots, also autonomen Maschinen im Miniaturformat, verdrahtet. Irgendwann wird das Gehirn in die Cloud hochgeladen. Am Ende dieses Optimierungsprozesses steht die Vision eines perfekten, gottgleichen Wesens, das sich als Mensch-Maschinen-Hybrid reibungslos in die Roboterwelt einpasst.

Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie die Menschheit. Der Transhumanismus, der mit einem Transzendenz- und Heilsversprechen daherkommt, bespielt die anthropologisch tief sitzende Angst vor dem Tod, indem er ihn zu etwas Optionalem erklärt und dem Leib-Seele-Problem einen radikal materialistischen Software-Hardware-Dualismus entgegensetzt. Die Technik-Jünger rufen ihrer Glaubensgemeinde zu: Fürchtet euch nicht, die Technik wird euch von den irdischen Leiden erlösen!

Karsten Weber und Thomas Zoglauer schreiben in ihrem Buch "Verbesserte Menschen: Ethische und technikwissenschaftliche Überlegungen", dass die Transhumanisten eine eigene Eschatologie entwickelt haben: "Der Mensch könne seine körperlichen Fesseln überwinden, gleichsam entmaterialisieren und als virtuelles Wesen im Cyberspace wiederaufstehen." Der Geist könnte im Datenkörper weiterleben.




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Dokument erstellt am 2018-09-27 15:24:24
Letzte Änderung am 2018-09-30 09:02:20


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