• vom 27.06.2012, 13:23 Uhr

Geschichte

Update: 27.06.2012, 13:27 Uhr

Demokratie

Für viele deutsche Schüler sind Diktatur und Demokratie gleichwertig




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  • Studie offenbart große Defizite bei zeitgeschichtlichem Wissen
  • Ursache dieser Fehleinschätzungen ist nach Einschätzung der Forscher um den Politikwissenschaftler Klaus Schroeder das geringe politisch-historische Wissen von Schülern.

Berlin. Viele deutsche Jugendliche können einer Studie zufolge nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Rund 40 Prozent sehen kaum Unterschiede zwischen Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung, wie die am Mittwoch vorgestellte Untersuchung der Freien Universität Berlin ergab. Diese Schüler glauben demnach, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte seien in allen vier Systemen etwa gleich ausgeprägt.

  In der Befragung des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin ordnete nur etwa die Hälfte der deutschen Schüler den NS-Staat zweifelsfrei als Diktatur ein, die DDR stufte nur gut ein Drittel als diktatorisches System ein. Zugleich schätzte nur rund die Hälfte der Befragten die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung als demokratisch ein, lediglich rund 60 Prozent halten das wiedervereinigte Deutschland für eine Demokratie.

 
Ursache und Konsequenz
Ursache dieser Fehleinschätzungen ist nach Einschätzung der Forscher um den Politikwissenschaftler Klaus Schroeder das geringe politisch-historische Wissen von Schülern. Als Konsequenz der Ergebnisse sei eine wertorientierte Kenntnisvermittlung im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Schulunterricht dringend geboten, betonten die Autoren der Untersuchung.

  Befragt wurden zwischen 2009 und 2012 knapp 5.000 deutsche Schüler der Klassenstufen neun und zehn in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem basiert die Studie auf zusätzlichen Befragungen von mehr als 2.000 Schülern, die Gedenkstätten besuchten oder im Laufe eines Jahres mehrfach befragt wurden. Beim politisch-historische Wissen schnitten Schüler aus Thüringen und Sachsen-Anhalt am besten ab, am schlechtesten Schüler aus Nordrhein-Westfalen.

  Schüler mit DDR-Eltern oder mit mindestens einem ausländischen Elternteil sahen bei der Befragung den Nationalsozialismus und die DDR positiver als Schüler, deren Eltern ihre Wurzeln in der alten Bundesrepublik haben. Die deutsche Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung sahen Jugendliche mit DDR-Eltern sowie Migrantenkinder dagegen negativer als ihre Altersgenossen mit BRD-Eltern.

 
In größeren Zusammenhängen denken
Zusätzlich erforschten die Wissenschafter den Einfluss von Besuchen in Gedenkstätten. Dabei stellten sie keinen eindeutig positiven Effekt dieser Besuche fest. Als Hauptgrund nannten die Forscher die mangelnde Einordnung der in den Gedenkstätten angebotenen Informationen in große Zusammenhänge. Hier seien vor allem die Schulen gefordert. Sie sollten statt auf ein "Gedenkstättenhopping" auf soliden Geschichtsunterricht setzten, der die gründliche Vor- und Nachbereitung von Gedenkstättenbesuchen einschließen müsse.

  Deutschlands Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte zu den Studienergebnissen, es müsse "alle Verantwortlichen in Deutschland wachrütteln", dass eine Mehrheit der befragten Jugendlichen nur über sehr geringe zeitgeschichtliche Kenntnisse verfüge. Neumann verwies darauf, dass Deutschland in den vergangenen Jahren die Mittel für die Aufarbeitung beider Diktaturen in Deutschland um 50 Prozent erhöht habe, "um authentische Orte der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur zu erhalten und Gedenkstätten als außerschulische Lernorte auszubauen".

  Dies könne aber "nur eine Ergänzung und kein Ersatz für entsprechenden Schulunterricht sein", unterstrich Neumann. Deshalb blieben die Länder nachdrücklich aufgefordert, auch ihren Beitrag in den Schulen zu verstärken.




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Dokument erstellt am 2012-06-27 13:26:01
Letzte Änderung am 2012-06-27 13:27:29



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