• vom 03.05.2013, 12:15 Uhr

Geschichte

Update: 03.05.2013, 13:00 Uhr

Kunst

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Von Brigitte Suchan

  • Eine Kopie der Chauvet-Höhle soll die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien für die Öffentlichkeit zugänglich machen

Im Dezember 1994 entdeckten die Höhlenforscher Jean-Marie Chauvet, Christian Hillaire und Eliette Brunel in den Felsen der Ardèche eine Höhle mit 425 Malereien und Zeichnungen, die insgesamt 14 Arten von prähistorischen Tieren darstellen, darunter Nashörner, Raubkatzen, Pferde, Bären, Hirsche und Wisente. Man nimmt an, dass die Darstellungen von unbekannten Künstlern des sogenannten Aurignacien vor etwa 36.000 Jahren geschaffen wurden. Als Aurignacien wird die älteste archäologische Kultur des europäischen Jungpaläolithikums bezeichnet. Aus konservatorischen Gründen ist die Höhle, die auf Antrag der Region Rhone-Alpes in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen  werden soll, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Was in der Höhle Chauvet-Pont d’Arc zu sehen ist, zeigt auf eindrucksvolle Weise der 2011 entstandene 3D-Dokumentarfilm "Die Höhle der verlorenen Träume" von Werner Herzog. Um die faszinierenden Malereien einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, soll bis Ende 2014 eine Kopie der Höhle entstehen. Ein nicht ungewöhnliches Vorgehen: Die Höhle von Lascaux im Tal der Vézère bei Montignac im französischen Département Dordogne wurde schon 1968 für den Publikumsverkehr geschlossen und ist seit 1983 nur in Form einer originalgetreuen Nachbildung zu besichtigen.

Die Chauvet-Höhle wird in Form eines Architekturprojekts etwa sieben Kilometer von der Originalhöhle entfernt nachgebaut. Darin sind nicht nur der Nachbildungsraum und eine paläontologische Entdeckungszone, sondern auch ein pädagogisches Zentrum sowie ein Event- und Restaurationsbereich vorgesehen. Veranschlagte Kosten: über 45 Millionen Euro. Für das Projekt kooperieren regionale, staatliche und europäische Behörden.


In einem 3000 Quadratmeter großen Raum soll die Grotte mit ihren Formen und zerklüfteten Wänden exakt nachgebaut werden. Auch die Darstellungen der Tiere werden identisch auf die Wände aus Harz und Beton übertragen. Um Besuchern einen möglichst authentischen und sinnlichen Eindruck zu vermitteln, wollen Experten verschiedener Disziplinen Dunkelheit, Geräusche, Luftfeuchtigkeit, Gerüche und Temperatur der Originalhöhle im Nachbau simulieren. "Wie in der echten Höhle werden ungefähr 45 Minuten nötig sein, um die 217 Meter Galerien mit zehn Beobachtungsstationen und einfachen Kommentaren zurückzulegen",  erklärt der Projektleiter Richard Buffat. Der Spatenstich soll im Sommer erfolgen, die Eröffnung ist im Spätherbst 2014 geplant. Die Region erwartet sich 400.000 Besucher pro Jahr.

Info: www.lagrottechauvetpontdarc.org

Artikel erschienen am 3. Mai 2013 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", Seite 11 bis 12.




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Dokument erstellt am 2013-04-30 16:16:15
Letzte Änderung am 2013-05-03 13:00:40


17. November 1818
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