• vom 13.09.2015, 14:00 Uhr

Geschichte


Forschungsreisen im Iran

"Berufung zum Reisen"




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernhard Widder

  • Eine Annäherung an den österreichischen Forschungsreisenden Alfons Gabriel und seine Frau Agnes, die insbesondere den Iran erschlossen haben.

Alfons und Agnes Gabriel unterwegs.

Alfons und Agnes Gabriel unterwegs.© Bildarchiv ÖNB Wien Alfons und Agnes Gabriel unterwegs.© Bildarchiv ÖNB Wien

"Wir sahen wieder viel hinaus in das zernarbte Gesicht der Wüste, in das unbekannte Land vor uns. Durch sie mussten wir einen Weg finden oder bahnen! Ich hielt mir einen Gruß von O. Lenz aus meiner Kindheit vor. "Viam aut inveniam aut faciam", hatte damals der große Forschungsreisende dem begeisterten Gymnasiasten geschrieben." ("Man erfindet den Weg oder macht ihn.") (Zitat aus Alfons Gabriel: Wildes weites Iran, 1940).

Auf Spurensuche
Vor einem Monat, als die Augusthitze wieder sehr intensiv geworden war, suchte ich zwei niederösterreichische Orte auf, einen im tiefen Waldviertel, den anderen in der Nähe von Korneuburg, nördlich der Donau. Ich wollte herausfinden, ob es dort noch Spuren des österreichischen Forscherpaars Alfons und Agnes Gabriel geben würde. Von 1934 bis 1937 hatten die beiden im Waldviertel gelebt, wo Dr. Alfons Gabriel als Landarzt wirkte. Von 1938 bis 1958 lebte das Paar in der Gemeinde Leobendorf, Gabriel arbeitete auch dort als Arzt. Daneben entstanden in diesen Jahren die wissenschaftlichen Bücher Alfons Gabriels (der bis 1974 publizierte), die zum Umfangreichsten und Besten zählen, was von europäischen Forschern über den Iran und den Mittleren Osten im 20. Jahrhundert verfasst wurde.

Das Grab des Ehepaars Gabriel in Leobendorf.

Das Grab des Ehepaars Gabriel in Leobendorf.© Widder Das Grab des Ehepaars Gabriel in Leobendorf.© Widder

In Leobendorf fragte ich einige Bewohner nach dem Namen Gabriel, der dort weiterhin in Erinnerung ist. Man riet mir, den Friedhof aufzusuchen, denn dort wäre das Grab des Paares. In der Nachbarschaft der alten Kirche fand ich das Grab, eine schlichte, klassizistische Gestaltung, auf der die Lebensdaten von Alfons Gabriel (1894-1976) und Agnes Gabriel, geb. Kummer (1888-1978) neben dem Titel "Ehrenbürger von Leobendorf" vermerkt sind.


Während die österreichischen Weltreisenden und Forscher Heinrich Harrer und Herbert Tichy manchen (eher älteren) Lesern noch geläufig sind, ist der Name des Forscherpaars Gabriel seit langer Zeit in Vergessenheit geraten. Dabei wurden Alfons Gabriels wissenschaftliche Aufsätzen über Jahrzehnte gewürdigt und beachtet.

Alfons Gabriel hat zwischen 1929 und 1969 elf Bücher veröffentlicht, davon zwei Titel gemeinsam mit seiner Frau Agnes. Auch wird er als "Bearbeiter" dreier weiterer Titel genannt (1969, 1971, 1974). Einige seiner Bücher, die man als "belletristisch" bezeichnen kann, haben mehrere Auflagen erlebt (ähnlich wie die vormals erfolgreichen Bücher von Harrer und Tichy). Aber der größere Teil seiner Arbeiten widmete sich einer strengeren Wissenschaft.

Die bisher beste neuere Studie über Gabriel, die ich finden konnte, stammt von dem deutschen Religionswissenschaftler Roland Pietsch: "In den Einsamkeiten Irans - Alfons Gabriels Reisen durch persische Wüsten". Der Autor war Professor an der Universität München, aber auch Gastprofessor an der Universität Baqir-al-Olum in der iranischen Stadt Qom. Pietsch erwähnt Alfons Gabriels Werk "Die Erforschung Persiens" (Wien 1952) als eine besondere Leistung, die bis heute nicht übertroffen worden ist.

Im Iran, dessen Erforschung zwischen von 1927 und 1937 das eigentliche Hauptthema für Alfons und Agnes Gabriel war, genießt der Name Gabriel eine höhere Wertschätzung: Im Dezember 2014 sah ich in Teheran bei mehreren Veranstaltungen, die Alfons Gabriel gewidmet waren, insgesamt fünf iranische Buchausgaben (in Farsi), darunter auch die Monografie über "Marco Polo in Persien" (1963).

In iranischen Zeitschriften wurden fast sechzig Aufsätze und Artikel über die iranischen Reisen der Gabriels veröffentlicht. Wüstenforscher, Archäologen und kleinere Reisegruppen, die sich in entlegene Gebiete vorwagen, beziehen sich bis heute auf seine genauen Landkarten und präzisen Schilderungen von klimatischen Verhältnissen in den gewaltigen Wüsten des östlichen Iran, deren extreme Verhältnisse den Aufenthalt nur in wenigen Monaten im Frühling und Herbst ermöglichen. Ein Wanderleben
Alfons Gabriel wurde am 4. Februar 1894 in Beraun / Beroun (Sudetenland, Nordböhmen) geboren. 1903 übersiedelte die Familie nach Wien, Alfons besuchte dort das Gymnasium. 1912 unternahm er eine erste Reise nach Tunesien, zum Schott-el-Djerid, dem Beginn der Sahara. Das geschah ohne Wissen seiner Eltern, da der Siebzehnjährige sich diese Reise nicht verbieten lassen wollte. Die Wüste blieb ein entscheidender Eindruck für sein weiteres Leben.

Nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg erfolgte 1920 der Abschluss seines Medizin-Studiums, dann schloss sich eine zweijährige Ausbildung am Wilhelminenspital in Wien an, wo er seine spätere Frau, Agnes Kummer, kennenlernte.

Von 1922 bis 1925 lebte Gabriel gemeinsam mit seiner Frau als Tropen-Arzt im holländischen Regierungsdienst auf der westindischen Insel Bonaire. Aus seinem Studium der dort lebenden Flamingos wurde später das Buch "Tschogogo. Aus dem Leben der Flamingos". 1926 folgte die erste Reise nach Südostasien: Gabriel arbeitete als Schiffsarzt, begleitete indonesische Mekka-Pilger von "Niederländisch-Indien" aus nach Jeddah, Arabien.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-09-11 15:44:06


19. November 1818
19. November 1818

Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die ISS wird 20 Jahre alt
  2. Republik für ein paar Stunden
  3. Kennedys sorgsam gepflegter Mythos
  4. Die Waffenkammer leert sich
  5. Der Weg zur Epidemie
Meistkommentiert
  1. Update für das Kilogramm
  2. Besser dicker, als Raucher
  3. Herzschwäche ein unterschätztes Leiden
  4. Die Waffenkammer leert sich
  5. Kooperation eine Frage der Stimmigkeit



Werbung