• vom 04.02.2018, 10:00 Uhr

Geschichte


Kunst

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Von Wolfgang Georg Fischer

  • Der österreichische Maler Gustav Klimt durchlief viele Stilperioden - und fand im Jugendstil zu seiner Glanzform. Zum 100. Todestag am 6. Februar.



Klimts Portrait der Adele Bloch-Bauer ("Goldene Adele"), 1907. (Ausschnitt)

Klimts Portrait der Adele Bloch-Bauer ("Goldene Adele"), 1907. (Ausschnitt)© Wikimedia commons Klimts Portrait der Adele Bloch-Bauer ("Goldene Adele"), 1907. (Ausschnitt)© Wikimedia commons

In das an Jubiläen reiche Jahr 2018 fällt auch der 100. Todestag eines der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils und Wegbereiters der Moderne: Gustav Klimt.

Der heute weltberühmte Maler wurde als zweites von sieben Kindern am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien (heute 14. Bezirk, Linzer Straße 247) in eine Handwerkerfamilie geboren. Sein Vater, Ernst Klimt der Ältere (1834-1892), war von Beruf Goldgraveur und stammte aus Böhmen; die Mutter Anna Rosalia, eine geborene Finster, sollte ihn um 23 Jahre überleben.

Schon im Alter von 14 Jahren wird Gustav Klimt ein Stipendium an die neugegründete Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für angewandte Kunst zuerkannt, wo er sieben Jahre lang die technischen Grundlagen des Kunstmalergewerbes erlernt.

Gustav Klimt, 1912.

Gustav Klimt, 1912.© Ullsteinbild/Imagno/ÖNB Gustav Klimt, 1912.© Ullsteinbild/Imagno/ÖNB

Information

Literatur

Johannes Dobai, Fritz Novotny: Gustav Klimt. Gesamtverzeichnis der Gemälde. Salzburg 1967.

Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 4 Bände. (nur für Fortgeschrittene). Salzburg 1980-1989.

Wolfgang Georg Fischer: Gustav Klimt und Emilie Flöge. Wien 1987.

Paul Asenbaum, Wolfgang Kos, Eva-Maria Grosz: Glanzstücke. Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte. Wien 2008.

Dörthe Bukert: Frauen in Gold. Musen und Modelle. München, Wien 2011.

Klimt. Die Sammlung des Wienmuseums (darunter das Porträt Emilie Flöge). Ausstellungskatalog. Wien 2012.

Tobias Natter (Hg.): Klimt persönlich. Wien 2012. (Mit dem Essay von Wolfgang Fischer: "Liebe Emilie!". Klimt schreibt an Emilie.)

Elisabeth Sandmann: Der gestohlene Klimt. Frankfurt am Main2016.

Margret Greiner: Auf Freiheit zugeschnitten. Emilie Flöge. (Romanbiographie. In diesem Sinn oft freie Deutungen der historisch belegbaren Ereignisse).

Mona Horncastle, Alfred Weidinger: Gustav Klimt. Wien 2018.

Wolfgang Georg Fischer, geboren 1933 in Wien, ist Schriftsteller und Kunstexperte mit dem Spezialgebiet "Die Wiener Klassische Moderne mit Klimt, Kokoschka und Schiele".

Am berühmten Makart-Festzug zu Ehren der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahre 1879 nimmt er gemeinsam mit seinem Bruder Ernst und seinem Maler-Kollegen Franz Matsch teil. Das Trio schließt sich zu einer Ateliergemeinschaft zusammen und bewirbt sich erfolgreich um Aufträge im Rahmen der Ringstraßen-Renaissance in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein schönes Beispiel dafür sind die Fresken im Treppenhaus des Burgtheaters, welche Szenen aus der Weltgeschichte des Theaters zeigen: Themen wie etwa "Thespiskarren" "Theater Shakespeares" oder "Theater in Taormina" und das vom Standpunkt der Klimt-Biographie aussagekräftigste Fresko "Hanswurst auf der Stegreifbühne zu Rothenburg an der Tauber" (alle 1886/88). Als Modelle für die Figuren des Publikums hat Klimt Mitglieder seiner engsten Familie und der befreundeten Familie Flöge genommen.

Muse Emilie Flöge

Klimts Portrait von Emilie Louise Flöge, 1902 (Ausschnitt).

Klimts Portrait von Emilie Louise Flöge, 1902 (Ausschnitt).© Wikimedia commons Klimts Portrait von Emilie Louise Flöge, 1902 (Ausschnitt).© Wikimedia commons

Hier taucht erstmals als Zuschauerin (Halbfigurenbild) die Gestalt der damals erst 16-jährigen Emilie Flöge (1874- 1952) auf, die später, bis zu seinem Tod 1918, Klimts Muse, ständige Begleiterin und wahrscheinliche Geliebte gewesen ist, obwohl Gustav und Emilie nie unter einem Dach gewohnt haben. Gustav hatte sein Atelier in Hietzing und wohnte zeitlebens bei seiner Mutter und den beiden Schwestern. Die Stellung von Emilie als ungekrönte "Künstlerwitwe" hat jedoch niemand in Zweifel gezogen; sie konnte auch über die Hälfte des Erbes verfügen (die andere Hälfte ging an Gustavs Schwestern).

Die Familien Klimt und Flöge waren bereits durch die Heirat von Gustavs Bruder Ernst (1864- 1892) und Emilies Schwester Helene verbunden. Gustav Klimt kannte also die um Jahre jüngere Emilie Flöge schon als Kind. Trotz seiner offenbar immer stärker werdenden Bindung an Emilie, die ihrerseits nicht nur erwidert wurde sondern bis zu ihrem Tod anhielt, bestehen beide Partner zeitlebens auf ihrer - auch beruflichen - Eigenständigkeit: Emilie als Modeschöpferin mit dem Modesalon "Schwestern Flöge", Gustav als stets freier Künstler ohne jedwede Lehrverpflichtung.




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Dokument erstellt am 2018-02-01 16:44:20
Letzte ńnderung am 2018-02-01 17:15:19



21. Februar 1818
21. Februar 1818

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