• vom 22.05.2018, 19:30 Uhr

Geschichte

Update: 23.05.2018, 00:45 Uhr

Dreißigjähriger Krieg

Ein Fenster, das Weltgeschichte schrieb




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  • Der Zweite Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 gilt aus Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg, der ganz Europa erfasste.



Kaiserliche gegen böhmische Truppen in der Schlacht am Weißen Berg, der ersten großen militärischen Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg, am 8. November 1620 bei Prag.

Kaiserliche gegen böhmische Truppen in der Schlacht am Weißen Berg, der ersten großen militärischen Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg, am 8. November 1620 bei Prag.© DeAgostini/Getty Images Kaiserliche gegen böhmische Truppen in der Schlacht am Weißen Berg, der ersten großen militärischen Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg, am 8. November 1620 bei Prag.© DeAgostini/Getty Images

Prag. (est/dpa/apa) Man muss den Kopf ziemlich weit nach oben recken, um das berühmteste Fenster Europas zu erspähen. Es ist die Mühe wert, denn die dramatischen Ereignisse auf der Prager Burg schrieben Weltgeschichte.

Vor genau 400 Jahren, am 23. Mai 1618, warfen protestantische Böhmen die katholisch-kaiserlichen Statthalter Jaroslav Borsita von Martinitz und Wilhelm Slavata sowie Kanzleisekretär Philipp Fabricius kurzerhand aus dem Fenster. Erstaunlicherweise überstanden die drei zum Tode Verurteilten den Zweiten Prager Fenstersturz weitgehend unversehrt.

Information

Bücher und Tipps:

Der Dreißigjährige Krieg
C. V. Wedgwood
Nikol, 520 Seiten, 9,99 Euro

Der Dreißigjährige Krieg - Schauplätze, Söldner, Seuchen
Lars Franke
Steffan, 116 Seiten, 12,95 Euro

Der Dreißigjährige Krieg - Zeugnisse von Leben mit Gewalt
Hans Mendick
Wallstein, ab August lieferbar, 29,99 Euro

Der Krieg der Kriege
Johannes Burkhardt
Klett-Kotta, 296 Seiten, 25,00 Euro

Der Dreißigjährige Krieg - Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1848
Herfried Münkler
Rowohlt, 976 Seiten, 39,95 Euro

Der Dreißigjährige Krieg - Eine europäische Tragödie
Peter H. Wilson
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1160 Seiten, 49,95 Euro

Der Dreißigjährige Krieg - Als Deutschland in Flammen stand
Christian Pantle
Propyläen Verlag, 368 Seiten, 18,00 Euro

Ausstellungen: Unter dem Titel "Je weniger Klingen, je größere Herzen - 400 Jahre Dreißigjähriger Krieg" laufen Ausstellungen in Deutschland in Leipzig, Bad Düben, Delitzsch, Eilenburg, Taucha und Torgau. In Wien widmet sich das Naturhistorische Museum von Oktober bis April einer Spurensuche zum Thema "Krieg".

Fernsehen: Unter dem Titel "Die eiserne Zeit - Leben und Lieben im Dreißigjährigen Krieg" planen die Sender Arte und ZDFinfo für Sommer sechs Episoden zum Alltag in den Kriegsjahren.

"Heute würden sie den Sturz 16 Meter in die Tiefe nicht überleben", sagt Petr Kroupa, Leiter Denkmalschutzamts der Prager Burg: "Hier war früher ein steiler Hang, den sie heruntergerutscht sind, wodurch ihr Fall abgebremst wurde." Der Prager Fenstersturz war somit eher ein -rutsch. Unten angekommen, liefen die drei zurück ins Burggelände, um im Haus der Familie Lobkowitz Asyl zu finden. Dem Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken konnte dies aber keinen Einhalt gebieten.

Der Zweite Prager Fenstersturz gilt als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648. Er begann als Aufstand der protestantischen böhmischen Stände gegen die Rekatholisierungsversuche des böhmischen Königs aus dem Haus Habsburg, der zugleich römisch-deutscher Kaiser war. Im Dreißigjährigen Krieg entluden sich der habsburgisch-französische Gegensatz in Europa und derjenige zwischen Kaiser und Katholischer Liga einerseits und Protestantischer Union andererseits. Gemeinsam mit ihren Verbündeten im Heiligen Römischen Reich trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus.

Die jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen und die Seuchen und Hungersnöte, die damit einhergingen, hinterließen eine Spur der Verwüstung, deren Auswirkungen bis in das 18. Jahrhundert hineinreichten und die in ihrem Ausmaß alles Bisherige übertrafen, schreibt der britische Militärhistoriker Peter Wilson in seinem Standardwerk "Der Dreißigjährige Krieg - eine europäische Tragödie".

Spur der Verwüstung

"Das ganze Ding ist sehr, sehr kompliziert", berichtet Wilson: "Es ist ein Krieg über die politische und religiöse Ordnung des Heiligen Römischen Reiches und der Habsburger-Monarchie, der nicht unvermeidbar war, sich entwickelte und andauerte - durch das sukzessive Versagen, wiederholte Krisen einzudämmen." Der Dreißigjährige Krieg wurde auch durch externe Interventionen verlängert, bei denen jede intervenierende Macht ihre eigenen Ziele verfolgte. "Weiters können wir hier Religion und Politik nicht wirklich entflechten, wie wir das heute tun", betont Wilson.




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Dokument erstellt am 2018-05-22 16:40:00
Letzte Änderung am 2018-05-23 00:45:18


10. Dezember 1818
10. Dezember 1818

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