• vom 09.06.2018, 17:00 Uhr

Geschichte


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Scheiberlspiel gegen WM-Stil




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Von Christian Hütterer

  • Zwischen Widerstand und Eingliederung: Österreichs Fußball zwischen 1938 und 1945 - und welche Legenden sich bis heute erhalten haben.



Matthias Sindelar (l.) beim Spiel Ostmark : Deutsches Reich am 3. April 1938 in Wien (Endstand: 2 : 0).

Matthias Sindelar (l.) beim Spiel Ostmark : Deutsches Reich am 3. April 1938 in Wien (Endstand: 2 : 0).© apa/Sepp Graf Matthias Sindelar (l.) beim Spiel Ostmark : Deutsches Reich am 3. April 1938 in Wien (Endstand: 2 : 0).© apa/Sepp Graf

Er war, wie das Magazin "Fußball-Sonntag" schrieb, "der Beste, den Wiens weltberühmter Fußballsport jemals hervorgebracht hat": Matthias Sindelar. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich daher am 23. Jänner 1939 die Nachricht in Wien, dass das Sportidol im Alter von nur 35 Jahren gestorben war. Der beliebteste Fußballspieler seiner Zeit war tot in seiner Wohnung aufgefunden worden.

Um Sindelars Tod ranken sich bis heute Gerüchte, die offizielle Ursache, eine Rauchgasvergiftung, wurde oft bezweifelt. Gerüchte über Mord oder Selbstmord machten bald die Runde, es wurde sogar spekuliert, dass das NS-Regime seine Finger im Spiel gehabt hatte. Nichts davon konnte bewiesen werden, aber an Sindelars Leben und Karriere lassen sich viele Entwicklungen nachvollziehen, die Österreichs Fußball rund um das Jahr 1938 nahm.

Information

Christian Hütterer, geboren 1974, Studium von Politikwissenschaft und Geschichte in Wien und Birmingham, lebt und arbeitet in Brüssel.

Fußball war schon vor dem Ersten Weltkrieg sehr populär geworden, in der Zeit zwischen den Kriegen stieg er zu einem Phänomen der Massen auf. Wien wurde zu einer der Metropolen dieses Sports und entwickelte eine vielfältige Fußballkultur, die sich aus zwei unterschiedlichen Quellen speiste, nämlich aus dem Kaffeehaus und aus der Vorstadt.

Kaffehaus & Vorstadt

Fußball und Kaffeehaus gingen aus verschiedenen Gründen eine Verbindung ein. In den Kaffeehäusern konnte man die Ergebnisse der letzten Spiele ebenso besprechen wie die bevorstehenden Matches. Vereine richteten eigene Klubcafés ein, die als Treffpunkt für Spieler, Funktionäre und Anhänger dienten. Wer bei einem Match nicht ins Stadion konnte, hatte die Möglichkeit, im Klubcafé die Radioübertragung des Spieles zu hören - public listening also anstelle des heute üblichen public viewing. Die enge Verbindung zwischen Fußball und Kaffeehaus fand noch einen weiteren Ausdruck, zahlreiche Spieler investierten nämlich ihre Einkünfte in Kaffeehäuser und wurden selbst zu Cafetiers.

Die Vorstädte waren die zweite Quelle der Wiener Fußballkultur. Die dicht bevölkerten Arbeiterbezirke, vor allem Favoriten und Floridsdorf, bildeten ein großes Reservoir von Nachwuchsspielern. Für viele Buben aus diesen Gegenden war der Fußball eine der wenigen Möglichkeiten, zu einem guten Einkommen zu gelangen und einen sozialen Aufstieg zu schaffen. Auch Matthias Sindelar kann als Beispiel dafür gelten. Geboren wurde er 1903 in einem mährischen Dorf, als er drei Jahre alt war, übersiedelte er mit seinen Eltern nach Wien. Favoriten, wo schon viele Zuwanderer aus Böhmen und Mähren ansässig waren, wurde die neue Heimat der Familie Sindelar.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 13:46:17
Letzte Änderung am 2018-06-08 13:48:16


24. September 1818
24. September 1818

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