• vom 29.06.2018, 09:00 Uhr

Geschichte

Update: 29.06.2018, 09:47 Uhr

Orient

Der österreichische Lawrence




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Von Christian Hütterer

  • Theologe, Abenteurer, Diplomat: Zum 150. Geburtstag von Alois Musil, der als Nahost-Reisender viel zum Verständnis der arabischen Welt beitrug.



Orient-Experte Alois Musil (1868-1944), 1901.

Orient-Experte Alois Musil (1868-1944), 1901.© public domain Orient-Experte Alois Musil (1868-1944), 1901.© public domain

1962 räumte der Film "Lawrence von Arabien" bei der Vergabe der Oscars ab, er konnte gleich sieben der begehrten Trophäen gewinnen. Peter O’Toole verkörperte darin den britischen Soldaten Thomas Edward Lawrence, der im Ersten Weltkrieg die Stämme Arabiens zum Aufstand gegen die osmanische Herrschaft aufgestachelt hatte, und machte ihn damit einem breiten Publikum bekannt.

Nur wenige wissen aber, dass Lawrence einen österreichischen Widersacher hatte: Alois Musil. Der gebürtige Mährer war eine facettenreiche Persönlichkeit, sprach verschiedene arabische
Dialekte, lebte lange Zeit mit Beduinen und fühlte sich in der Wüste zu Hause. Er war aber nicht nur ein verwegener Abenteurer, sondern auch einer der führenden Orientalisten seiner Zeit.

Diese Karriere war Musil aber nicht in die Wiege gelegt worden. Er wurde am 30. Juni 1868 in der kleinen Ortschaft Richtersdorf, dem heutigen Rychtářov, als ältester Sohn einer Bauernfamilie geboren. Musil sollte nicht der einzige Prominente in der Familie bleiben, sein zwölf Jahre später geborener Großcousin Robert wurde als Schriftsteller berühmt.

Dank der Unterstützung des Erzbischofes von Olmütz konnte Alois Matura machen und Theologie studieren. Während des Stu-diums entdeckte er seine Leidenschaft für die Kulturen und Sprachen des Orients, lernte Hebräisch, Arabisch und Türkisch. Bis zur ersehnten Reise nach Palästina musste Musil aber noch viel Geduld aufbringen, denn nach seiner Weihe zum Priester wurde er vier Jahre lang als Religionslehrer nach Mährisch-Ostrau geschickt.

Erste Orient-Reise

Dann war es endlich soweit: Mit 27 Jahren konnte Musil nach Jerusalem reisen. Dort platzte allerdings sein Traum vom exotischen Leben im Orient: Die Souvenirverkäufer in Jerusalem fand er abstoßend und die französischen Dominikaner, bei denen er studieren wollte, beeindruckten ihn nicht durch ihr Wissen, sondern nur durch ihre Arroganz. Und doch entdeckte er während seines Aufenthaltes in Palästina etwas, das ihn beeindruckte: die Wüste. In Jerusalem hörte Musil zum ersten Mal Legenden von Wüstenschlössern, die vor langer Zeit von Kalifen gebaut worden waren, dann aber aufgegeben wurden. Der junge Forscher fing Feuer, er wollte der Erste sein, der diese Paläste wiederentdeckt.

Information

Christian Hütterer, geboren 1974, Studium von Politikwissenschaft und Geschichte in Wien und Birmingham, lebt und arbeitet in Brüssel.


Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien kehrte Musil in den Orient zurück, schloss sich dort einem Beduinenstamm an und gelangte auf einem Umweg zu seinem Ziel. Er verarztete Beduinen, die auf einem Raubzug verletzt worden waren, und als Belohnung führte man ihn zu den Ruinen des Schlosses Kasr Amra. Musil sah dort beeindruckende Wandmalereien und filigrane Steinmetzarbeiten, berichtete er aufgeregt nach Wien.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-22 14:55:37
Letzte Änderung am 2018-06-29 09:47:20


14. November 1818
14. November 1818

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