• vom 12.08.2018, 10:00 Uhr

Geschichte


Bildende Kunst

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Von Oliver Bentz

  • Eine Erinnerung an den deutschen Zeichner Emil Stumpp (1886-1941), dem ein Porträt Hitlers die Verfolgung durch die Nationalsozialisten einbrachte.



"Nach dem Leben gezeichnet": Stumpps Porträt von Hitler, das ein Berufsverbot zur Folge hatte.

"Nach dem Leben gezeichnet": Stumpps Porträt von Hitler, das ein Berufsverbot zur Folge hatte. "Nach dem Leben gezeichnet": Stumpps Porträt von Hitler, das ein Berufsverbot zur Folge hatte.

"Er wollte den Geist der Epoche, den Sinn ihrer Anstrengungen aus dem menschlichen Antlitz ergründen. Seine Fähigkeit, das Einmalig-Unverwechselbare im Typus zu erfassen, und die Kunst, das Gesehene in kürzester Frist wiederzugeben, trugen ihm Beachtung und Anerkennung ein."

Mit diesen Worten beschreibt Kurt Schwaen in dem von ihm herausgegebenen Buch "Über meine Köpfe" die Arbeit des Porträtisten und Pressezeichners Emil Stumpp. In der Zeit der Weimarer Republik genoss der Künstler, der unermüdlich auf Reisen war und das Konterfei fast eines jeden, der im gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben in Europa Rang und Namen hatte, in Tausenden von Porträtzeichnungen aufs Papier bannte, großes Ansehen. Durch ein Hitler-Porträt, das den Nationalsozialisten missfiel, zog der Künstler, dessen Köpfe bis 1933 Artikel in den verschiedensten deutschsprachigen Zeitungen illustrierten, den Zorn der Nazis auf sich.

Information

Oliver Bentz, geb. 1969, lebt als Germanist, Ausstellungskurator und Kulturpublizist in Speyer.

Unter dem Titel "Emil Stumpp - Köpfe der Weimarer Republik" kuratiert der Autor dieses Beitrages im Schloss Kleinniedesheim, im Südwesten Deutschlands, eine vom 12. August bis 2. September 2018 laufende Ausstellung, in der Porträtzeichnungen des Künstlers von Repräsentanten aus Politik, Kunst und Gesellschaft aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gezeigt werden.
Emil Stumpps Porträt von Franz Molnar.

Emil Stumpps Porträt von Franz Molnar.© Bentz Emil Stumpps Porträt von Franz Molnar.© Bentz

Am 17. Mai 1886 im badischen Neckarzimmern als Sohn eines Gärtners geboren, erlebte Emil Stumpp ab 1889 seine Kindheit und Jugendzeit in Worms am Rhein. Nach dem Abitur besuchte er 1904 für ein Semester die Karlsruher Kunstgewerbeschule, ehe er nach seinem einjährigen Militärdienst bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges Germanistik, Geschichte und Philosophie an den Universitäten Marburg, Berlin und Uppsala studierte.

Kunst- und Sportlehrer

Den Ersten Weltkrieg, während dem Stumpp wegen seiner offenen Kriegskritik zweimal inhaftiert, jedoch nach mehreren Verwundungen an vorderster Front in den Rang eines Leutnants erhoben wurde, durchlebte er mit dem Skizzenbuch im Tornister. Am Ende des Krieges in Ostpreußen beteiligte er sich am revolutionären Geschehen und wurde im November 1918 vom Arbeiter- und Soldatenrat zum Kommandanten des Königsberger Militärbahnhofs gewählt. Als im März 1919 die regierungstreuen Truppen wieder die Macht übernahmen, setzte man ihn ab und inhaftierte ihn für mehrere Wochen. Wieder in Freiheit, trat er eine Stelle an einem Gymniasium in Königsberg als Lehrer für Kunst und Sport an. Das Zeichnen, besonders von menschlichen Porträts, blieb ihm jedoch immer das Wichtigste.

Obwohl Stumpp seine Frau, die Schwedin Hedwig Glas, die er während des Studiums geheiratet hatte, und die gemeinsamen fünf Kinder versorgen musste, kündigte er 1924 seine sichere Beamtenstelle, weil er fortan als freischaffender Künstler arbeiten wollte. In Berlin richtete er sich ein Atelier ein, um im regen gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt nahe an den Objekten seiner zeichnerischen Begierde und nahe an den potenziellen Auftraggebern - den Verlagen und den großen Tages- und Wochenzeitungen - zu sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-09 15:53:58
Letzte Änderung am 2018-08-09 16:58:21


23. September 1818
23. September 1818

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