• vom 19.08.2018, 12:00 Uhr

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Von Martina Farmbauer

  • Alexander Kellner, Direktor des Museu Nacional do Brasil in Rio de Janeiro, hat österreichische Wurzeln. Das Haus feiert heuer sein 200-jähriges Jubiläum.



Geschichts- & naturbewusst: Alexander Kellner.

Geschichts- & naturbewusst: Alexander Kellner.© Antonio Scorza /AFP Geschichts- & naturbewusst: Alexander Kellner.© Antonio Scorza /AFP

Das Erste, was Alexander Kellner gemacht hat, nachdem "seine" Sambaschule "Imperatriz Leopoldina" beim Carnaval von Rio defilierte und er in diesem Februar seinen Dienst als Direktor des Museu Nacional do Brasil in Rio de Janeiro angetreten hatte, war, den Saal, in dem einst portugiesische und brasilianische Könige und Kaiser wie João VI. und Leopoldinas Ehemann Pedro I. saßen, zu öffnen, auszuräumen und zu dekorieren.

"Welche Wand ist die am schlechtesten erhaltene?", fragt Kellner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" an dem großen Tisch in der Mitte des Raumes, den er zu seinem Büro gemacht hat. Von einer der blau-grau gestrichenen Wände, an der sich Verzierungen emporziehen, blättert der Putz ab. Vor diese Wand also hat Alexander Kellner seinen Schreibtisch gestellt.

An der Episode lässt sich viel ablesen über das Museu Nacional - und viel über seinen Direktor, der österreichischer Staatsbürger ist. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Alexander Kellner im Nationalmuseum in Rio, das heuer seinen 200. Geburtstag feiert. Im Jahr 1818 gegründet, ist das Haus eine der ältesten wissenschaftlichen Einrichtungen Brasiliens und das älteste naturkundliche Museum Lateinamerikas. Und seine Geschichte ist eng mit Österreich verbunden: In den Räumen (als Palast der königlichen portugiesischen und kaiserlichen brasilianischen Familie) lebte - und starb - einst die Habsburgerin Leopoldina.

"Problematischer Glanz"

Aber es hat auch Erneuerungsarbeiten nötig und braucht finanzielle Unterstützung. Der "problematische Glanz" des Nationalmuseums, ja der Stadt Rio de Janeiros zeigt sich für Alexander Kellner an diesem Saal. In einem ist Rio in gewisser Weise Wien ähnlich: dass es Hauptstadt eines Imperiums war und heute Kulturmetropole eines Kontinents ist. Und so wie Österreich heute zu klein für Wien zu sein scheint, so begann der Niedergang Rio de Janeiros, als die Hauptstadt, die es seit 1763 - und mithin auch bei der Ankunft Leopoldinas 1817 - gewesen war, 1960 nach Brasília verlegt wurde.

Information

Martina Farmbauer lebt als Journalistin in Rio de Janeiro.

Geblieben ist der Glanz vergangener Tage, dem man etwa begegnet, wenn man in ein Ministerium geht oder ein Museum besucht. Dass Alexander Kellner den Saal der Könige und Kaiser im Museu Nacional, der 15 Jahre lang geschlossen war, wieder geöffnet hat, zeigt die zupackende Art und das historische Bewusstsein des Direktors.

Es hat mit seiner deutsch-österreichischen Erziehung und dem germanischen "Bildungskoffer" zu tun. Brasilien, so heißt es, sei ein Land ohne Gedächtnis. Kellners Mutter war Österreicherin, sein Vater Deutscher, und er wurde 1961 in Vaduz/Liechtenstein geboren. Bereits als kleines Kind ist er mit seinen Eltern nach Brasilien gekommen. Es war jene Zeit, in der die neue Hauptstadt Brasília im Landesinneren entstand. Sein Vater verdiente sein Geld mit dem Kauf und Verkauf von Land. Heute ist Alexander Kellner auch naturalisierter Brasilianer. "Meine Heimat, mein Land ist Brasilien", sagt er. Seine Frau ist Brasilianerin, seine Kinder sind Brasilianer. "Ich schulde Brasilien sogar etwas", sagt Kellner. "Es ist ein Gefühl, das schwer zu erklären ist. Aber ich wäre nicht das, was ich bin, hätte nicht diese Karriere, die ich habe."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-16 16:18:05
Letzte Änderung am 2018-08-16 17:13:22


26. September 1818
26. September 1818

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