• vom 03.09.2018, 09:30 Uhr

Geschichte


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Die vergessene Revolution




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Von Michaela Maier und Wolfgang Maderthaner

  • Die Ereignisse von 1848 waren grundlegend für unsere heutige Gesellschaft - dennoch sind sie aus dem kollektiven Gedächtnis Österreichs nahezu verschwunden.

Eduard Weixlgärtner: Der Kampf mit den Arbeitern im Prater, Lithographie. - © Abb.: VGA/Sammlung Steiner/AKOÖ

Eduard Weixlgärtner: Der Kampf mit den Arbeitern im Prater, Lithographie. © Abb.: VGA/Sammlung Steiner/AKOÖ

Es ist ein anderes Wien, das da im Zuge der Frühindustrialisierung an den Randzonen der Stadt entsteht, eine verborgene Welt der Zuwanderer und der Unterschichten, ein unbestimmtes Terrain voller Unwägbarkeiten, die Welt der "entern Gründ’". Hausierer, Schmierenkomödianten, Dudelsackpfeifer und andere Musikanten, Gaukler, umherziehende Bedienstete, Kellner, Miststierer, Flickschneider und -schuster, Taglöhner, Stickerinnen und nicht zuletzt die berüchtigten "Engelmacherinnen" bestimmen hier das Alltagsbild. Die Armut war unübersehbar: In den Vororten "balgen sich nackte Kinder mit den Hunden um die Knochen", so ein zeitgenössischer Beobachter.

Großteils kommen sie vom Land und sind "fremdbürtig" - entwurzelt und von ihrer Herkunft abgeschnitten, ohne sich vorerst in das ihnen so fremde soziale Gefüge der Stadt einpassen zu können; sie bilden den Kern eines neu entstehenden städtischen Subproletariats.

Für die Behörden stellte diese "Gattung nahrungsloser und größtentheils ungesitteter" Menschen, dieses "müßige und zügellose Gesindel", ein permanentes Potenzial der Gefahr und der Bedrohung dar, das es polizeilich zu überwachen und zu zähmen galt. Ausgestattet mit "ganz eigenen Grundsätzen" und, wie die Polizeihofstelle konstatierte, offenkundig ohne jegliche Anhänglichkeit an das Herrscherhaus, erschien diese "große Masse ganz mittelloser Personen" umso gefährlicher, als sie sich ständig aus der Arbeiterschaft der Manufakturen und frühen Fabriken zu erneuern schien.

Information

Ausstellung
An den original-historischen Schauplätzen im Palais Niederösterreich, dem ehemaligen Landhaus der niederösterreichischen Stände (Herrengasse 13, 1010 Wien), wird ab 4. September bis 31. Oktober die Ausstellung "1848. Die vergessene Revolution" zu sehen sein, die von Michaela Maier und Wolfgang Maderthaner kuratiert wird. Die Eröffnung, unter Mitwirkung von Heinz Fischer und Johanna Mikl-Leitner, findet am 3. September um 18.48 Uhr (sic!) statt.
Infos: http://1848.vga.at

Michaela Maier ist Geschäftsführerin des Vereins für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (VGA) in Wien, und Wolfgang Maderthaner ist Generaldirektor des österreichischen Staatsarchivs.

Literatur:

Wolfgang Häusler (Hg.): Ernst Violand. Die soziale Geschichte der Revolution in Österreich 1848. Wien 1984.

Ernst V. Zenker: Die Wiener Revolution 1848 in ihren socialen Voraussetzungen und Beziehungen. Wien 1897.

Maximilian Bach: Geschichte der Wiener Revolution im Jahre 1848. Wien 1898.


Die so außerordentlich zahlreiche, "in allen Ecken der Vorstädte zerstreute" niedere "Classe" sei, wie die Polizeihofstelle 1803 befindet, nicht nur der größte, sondern auch der "unbändigste" Teil der hiesigen Bevölkerung, ihre aus der Enge des Zusammenlebens resultierende "Sittenlosigkeit" notorisch. Der Polizeiminister Pergen sprach schlicht von einer "wahren Pest für den Staat", infiziert mit jakobinischen Umsturzideen, und die kaiserliche Hofkommission erkannte einen zu allem bereiten Pöbel, der in keinem Fall etwas zu verlieren habe und "die Hände willigst dazu reiche, was ihnen Diebesrotten oder auch fremde und einheimische Aufwiegler immer darbieten".

Diesem Attest folgen in sich widersprüchliche und unlogische, vor allem aber gänzlich ergebnislose wirtschaftspolitische Maßnahmen. Ausgehend von einem allerhöchsten Schreiben vom 22. Februar 1802 wurde wiederholt ein Verbot von neuen Fabriksgründungen für Wien ausgesprochen, gleichfalls ein bis auf vier Meilen im Anschluss an die Linie (den heutigen Gürtel) ausgedehntes Bauverbot; die Neuerrichtung von Industrieunternehmungen sollte nach Tunlichkeit auf das flache Land verlagert werden. Die Verbote und Beschränkungen sind 1809/11 gefallen, ohne jemals auch nur die geringsten dauerhaften Resultate gezeitigt zu haben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-31 14:27:05
Letzte Änderung am 2018-08-31 15:01:25


26. September 1818
26. September 1818

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