• vom 29.10.2018, 10:00 Uhr

Geschichte


Antike

Postmortale Einöde




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Von Christian Pinter

  • Die alten Griechen blickten dem Jenseits mit Grauen entgegen. Auf das Elysion als Insel der Seligen durften schließlich nur Protegés der Götter hoffen.



Bei dieser Darstellung (aus der Stoa des Attalos in Athen) handelt es sich wahrscheinlich um Persephone, die gemeinsam mit Hades über das Reich der Finsternis gebietet.

Bei dieser Darstellung (aus der Stoa des Attalos in Athen) handelt es sich wahrscheinlich um Persephone, die gemeinsam mit Hades über das Reich der Finsternis gebietet.© Pinter Bei dieser Darstellung (aus der Stoa des Attalos in Athen) handelt es sich wahrscheinlich um Persephone, die gemeinsam mit Hades über das Reich der Finsternis gebietet.© Pinter

"Wie das Meer die Flüsse der ganzen Erde, so nimmt jener Ort alle Seelen auf, ist für kein Volk zu klein und fühlt nichts vom Zuwachs der Menge" - so beschreibt Ovid das antike Totenreich. Dieser Ort, von den Griechen Hades genannt, ist ständig in bleichen Winter gehüllt. Freude, Trost oder Abwechslung sucht man hier vergeblich.

Die Schatten der Verstorbenen ziehen "blutlos, ohne Fleisch und Bein" im Hades umher. Die einen bevölkern das Forum, die anderen betreiben ein Handwerk - wie im einstigen Leben. Der schlammige Klagestrom Acheron ist mit der Unterwelt verwoben, ebenso der Fluss Lethe, dessen Wasser alles vergessen macht. Hinzu kommt der uralte Styx. Er haucht Nebelschwaden aus. An seinem Ufer liegt die "stygische Stadt". Dort erheben sich, so Hesiod, die hallenden Häuser der Gottheit Hades.

Information

Christian Pinter, geboren 1959 in Wien, schreibt seit 1991 im "extra" hauptsächlich über Astronomie und Raumfahrt.

Bei der Aufteilung der Welt zwischen den Brüdern Zeus, Poseidon und Hades fiel letzterem das gleichnamige Totenreich zu. Hades ist unerbittlich und hart, urteilt Homer, und den Menschen verhasst. Der Gott besitzt eine Tarnkappe. Sie macht ihn ebenso unsichtbar wie der Tod die Menschen.

Dreifache Nächte

Einst empörte sich die Liebesgöttin Aphrodite, weil ihre Macht nicht bis in die Unterwelt reichte. Daher befahl sie dem Eros (römisch: Amor), seinen schärfsten Pfeil auf den göttlichen Hades zu richten. Ins Herz getroffen, begehrte er die Lilien pflückende Persephone, eine Tochter des Zeus und der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Hades raubte sie. Seither gebietet er gemeinsam mit Persephone über das Reich der Finsternis. Ein Figurenpaar im Salzburger Mirabellgarten erinnert an die einstige Entführung; ebenso der Springbrunnen auf dem Altmarkt der polnischen Stadt Posen.

Der Unterweltgott Hades ist mit dem Plutos (röm.: Pluto) verschmolzen, dem Gott des Reichtums. Das ist kein Widerspruch: Denn die Reichtümer der Erde - die Bodenschätze - lagern ja ausgerechnet in seinem verborgenen Reich. Als man 1930 einen Himmelskörper im kalten, dunklen Außenbezirk des Sonnensystems entdeckte, taufte man ihn Pluto. Der Zwergplanet übertrug seinen Namen auf Walt Disneys animierten Hund Pluto und auf das gefährliche Element Plutonium. Herrschen die Reichen, lebt man in einer Plutokratie.

Am Ausgang des Hades wacht der schreckliche Hund Kerberos. Er bellt vielstimmig, besitzt er doch mindestens drei Köpfe. Kerberos verschlingt jeden, der zu fliehen versucht. Der Held Herakles (röm.: Hercules) zerrt ihn einmal aus der Unterwelt - eine sprichwörtliche "Herkulesarbeit". Die Szene ist im Michaelertrakt an der Nordseite der Wiener Hofburg verewigt. Ein gestrenger Türsteher, Portier oder Wächter wird heute mitunter noch Zerberus genannt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-25 15:52:03
Letzte Änderung am 2018-10-25 16:08:06


20. November 1818
20. November 1818

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