• vom 05.03.2014, 01:01 Uhr

Klima


Klimawandel

Kultur versinkt im Wasser




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  • Meeresspiegelanstieg bedroht zahlreiche Unesco-Welterbestätten
  • Heutzutage wäre eine Heimatsuche für mehr als 600 Millionen Menschen nötig.

Auch die Laguneninsel Burano wird ihre Farbenpracht verlieren.

Auch die Laguneninsel Burano wird ihre Farbenpracht verlieren.© Corbis/Maurizio Rellini Auch die Laguneninsel Burano wird ihre Farbenpracht verlieren.© Corbis/Maurizio Rellini

Innsbruck/Wien. (gral/ag) Nicht nur der Lebensraum von Millionen Menschen ist vom Klimawandel bedroht. Auch vielen Kulturstätten wird das Wasser praktisch bis zum Hals reichen. Einige Orte, wie Venedig, die Osterinseln oder Pompeji werden gar das Schicksal des mythischen Inselreichs Atlantis erleiden und in ferner Zukunft nur noch im Tauchgang besucht werden können.

Zu diesem Schluss kommen Innsbrucker und deutsche Forscher im Fachjournal "Environmental Research Letters". Eine globale Erwärmung um drei Grad würde ihrer Studie zufolge rund ein Fünftel der Unesco-Welterbestätten gefährden. "136 Standorte würden dann auf lange Sicht unter dem Meeresspiegel liegen", erklärt der Klimaforscher Ben Marzeion von der Uni Innsbruck in einer Aussendung des Instituts.


Neues Computermodell
Demnach sind die physikalischen Prozesse, die den weltweiten Anstieg der Weltmeere erzeugen, noch langsam, werden aber sehr lange anhalten, so der Experte. Mittels eines Computermodells haben die Forscher für einen Zeitraum von 2000 Jahren den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg dargestellt. Mit ihrer Arbeit haben Marzeion und sein Kollege Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erstmals den Fokus auf das kulturelle Erbe der Welt gelegt. Bisher standen vor allem die Auswirkungen auf Natur und Mensch im Vordergrund.

Der Meeresanstieg wird regional sehr unterschiedlich hoch sein, erklären die Forscher. Denn, "wenn große Eismassen abschmelzen und das Wasser sich über die Meere verteilt, beeinflusst das auch das Gravitationsfeld der Erde", so Levermann. Gegenüber der vorindustriellen Zeit habe sich die globale Durchschnittstemperatur bereits um 0,8 Grad erwärmt. Bis zum Ende des Jahrhunderts sei bei einem Fortschreiten mit einer Erwärmung um bis zu fünf Grad zu rechnen.

Rund sieben Prozent der heutigen Weltbevölkerung lebt in Regionen, die bei einem globalen Temperaturanstieg um drei Grad ohne Gegenmaßnahmen letztlich unter dem Meeresspiegel liegen werden. Besonders gefährdet sind Inselstaaten im Pazifik und der Karibik, aber auch die Malediven und Seychellen. "Würde dies heute passieren, wären mehr als 600 Millionen Menschen betroffen und müssten sich eine neue Heimat suchen", betont Marzeion.

Laut Studie sind neben Pompeji, Venedig und den Osterinseln unter anderen auch Welterbestätten wie die historischen Zentren von Istanbul, Neapel, Amsterdam und Sankt Petersburg, die Altstädte von Dubrovnik und Korfu, die Freiheitsstatue, das Opernhaus von Sydney und Westminster Abbey in London anzuführen. Einige dieser Orte werden zumindest teilweise unter Wasser liegen. Das kulturelle Gefüge wird damit entscheidend verändert werden. "Wenn wir den Klimawandel nicht begrenzen, werden die Archäologen der Zukunft einen großen Teil unseres Kulturerbes in den Meeren suchen müssen", bringt es Marzeion auf den Punkt.

Pompeji droht Aberkennung
Unterdessen wurde bekannt, dass der weltbekannten Ausgrabungsstätte Pompeji der Verlust ihres Status als Unesco-Welterbe droht, sollte die Regierung in Rom nicht sofort dringlichste Restaurierungsmaßnahmen umsetzen. Nach heftigen Regenfällen waren zuletzt Wände in der Ruinenstadt eingestürzt. Die Restaurierung, für die 105 Millionen Euro an europäischen und italienischen Fördermitteln veranschlagt sind, hatte 2013 begonnen, ist aber deutlich in Verzug geraten. Unverzüglich hat die italienische Regierung am Dienstag beschlossen, sofort zwei Millionen für Notstandsmaßnahmen zur Sanierung locker zu machen.




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Dokument erstellt am 2014-03-04 16:23:04
Letzte Änderung am 2014-03-04 16:56:05


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