• vom 25.04.2018, 17:08 Uhr

Klima

Update: 26.04.2018, 09:49 Uhr

Artenschutz

Sind alle Tiere schützenswert?




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Der "Endangered Species Act" von 1973 dient vielen Ländern in Europa als Vorbild. Er sieht vor, dass staatliche Behörden zur Rettung von jeder vom Aussterben bedrohten Art schreiten müssen. Wegen Geld- und Personalknappheit warten jedoch allein in Nordamerika mittlerweile um die 2000 Tiere darauf, beschützt oder besser gesagt von uns in Frieden gelassen zu werden.

Haben alle Recht auf Leben?
Kritiker des US-Gesetzes hinterfragen, ob die Kosten immer den Nutzen rechtfertigen. Ihnen erscheint es wenig sinnvoll, wenn Waldflächen nicht der Landwirtschaft zugeführt werden dürfen, damit ein Vogel, auf dessen Existenz innerhalb von drei Jahren bloß 14 Eier hindeuten, sein Habitat behalten kann. Unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump gewinnen solche Argumente Boden. Sechs Anträge zur Lockerung des "Endangered Species Act" warten derzeit auf Prüfung im Kongress.

Haben alle Tiere das Recht zu leben? Wenn dem nicht so ist, wer soll entscheiden, wer nicht am Leben bleiben soll? Tierschutz steht immer in Verbindung zum Menschen, darin waren sich die Redner bei der ersten Internationalen Tierschutz-Konferenz in Wien am Dienstag einig. "Wir können Leben nicht auseinanderdividieren. Menschliches Leben, Tierleben - das ist alles Leben", sagte der Künstler und Stargast Ai Weiwei vor rund 300 Teilnehmern des vom Tierschutzverein von Vier Pfoten organisierten International Animal Welfare Summit (IAWS).

Manche Wissenschafter sehen es differenzierter. "Naturschutz ist immer ein Abwägen, welcher Aufwand vertretbar ist", erläutert der Biologe Bernhard Splechtna vom Institut für Integrative Naturschutzforschung der Universität für Bodenkultur in Wien: "Aus diesem Grund gibt es EU-weit strenge Artenschutzgesetze."

In Österreich sieht die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie auf der Basis der EU-Vorgaben unterschiedliche Schutz-Bestimmungen für wildlebende heimische Pflanzen und Tiere vor. Auch hier ist die Umsetzung kein Honiglecken. Denn die EU verpflichtet ihre Mitglieder, "Natura 2000"-Schutzgebiete auszuweisen, in denen die Land- und Forstwirtschaft weiterhin möglich ist. Konflikte zwischen Naturschützern und Landwirten sind vorprogrammiert, auch weil die meisten Beteiligten nicht alle Funktionen aller Arten im Ökosystem kennen können.

Intakte Ökosysteme verhindern Überflutungen und Bodenerosion, sorgen für sauberes Trinkwasser, Bestäubung und einen funktionierenden Nahrungskreislauf. Wenn jemand fehlt, ändert sich das. "Damit Ökosysteme all ihre Funktionen erfüllen können, müssen sogar sie artenreicher sein als angenommen", berichtet ein deutsch-österreichisches Team in "Nature Ecology and Evolution": Je mehr Funktionen eine Lebensgemeinschaft zu erfüllen hat, desto mehr Mitglieder müssen ihre Arbeit machen. Bloß einzelne Arten zu schützen, habe somit keinen Sinn: Für einen erfolgreichen Umweltschutz müsse man die Biodiversität erhalten, schreibt Robert Ptacnik vom Wassercluster Lunz.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-25 17:12:26
Letzte Änderung am 2018-04-26 09:49:45


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