• vom 15.08.2018, 22:28 Uhr

Klima


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Höhere Preise für CO2-intensive Produkte




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Von Eva Stanzl

  • Nur radikale wirtschaftlich-politische Maßnahmen können den Klimawandel stoppen, sagt Harvard-Ökonom Gernot Wagner.



Vertrocknete Maisfelder als Zeichen der Erderwärmung: Die Menschheit fürchtet den Klimawandel, verpufft aber ungebremst -Emissionen in die Erdatmosphäre.

Vertrocknete Maisfelder als Zeichen der Erderwärmung: Die Menschheit fürchtet den Klimawandel, verpufft aber ungebremst -Emissionen in die Erdatmosphäre.© apa/dpa Vertrocknete Maisfelder als Zeichen der Erderwärmung: Die Menschheit fürchtet den Klimawandel, verpufft aber ungebremst -Emissionen in die Erdatmosphäre.© apa/dpa

"Was wir heuer als extreme Hitzewelle erlebt haben, wird in zwei bis drei Jahrzehnten einfach ‚Sommer‘ heißen", sagt Gernot Wagner. Der im niederösterreichischen Amstetten geborene Ökonom forscht an der Universität Harvard und ist Autor des Bestsellers "Klimaschock" zu den unberechenbaren Auswirkungen des Klimawandels.

Wagner zählt auf: In den vergangenen 150 Jahren sind die Durchschnittstemperaturen um ein Grad gestiegen. Der Großteil davon geht auf das Konto von Emissionen, die der Mensch verursacht. Wetterextreme brechen in ihrer geballten Unvorhersehbarkeit immer heftiger über die Menschheit herein, sie lassen uns schwitzen oder frieren, reißen Häuser davon, setzen Ortschaften unter Wasser, vernichten Obst-, Gemüse-, Getreide- und Weinernten, führen zu Hungersnöten und zerstören die Infrastruktur, das Zusammenleben und letztlich unser Überleben. Trotzdem pulvern wir ungebremst CO2-Emissionen in die Erdatmosphäre.

"Das perfekte Problem"

Umso paradoxer erscheint dies, da wir den Klimawandel wie der Teufel das Weihwasser fürchten. In einer im britischen "Economist" veröffentlichten Studie wurden im Jahr 2017 Menschen in 38 Ländern zum Thema befragt. Mit 61 Prozent gaben fast zwei Drittel an, nur vor der Terrororganisation "Islamischer Staat" noch mehr Angst zu haben. Dennoch investieren Anleger im Westen weiterhin in fossile Rohstoffe, weil sich die Märkte für erneuerbare Energien erst entwickeln müssen. US-Präsident Donald Trump hat die CO2-intensiven Vereinigten Staaten den Pariser Klimazielen entrissen. Eine Abkehr von fossilen Energiequellen scheint weit entfernt.

"Der Klimawandel ist das perfekte Problem", erklärt Wagner. "Er ist langfristiger, globaler, unsicherer und irreversibler als so ziemlich jedes andere gesellschaftspolitische Problem. Natürlich hat auch der Terrorismus katastrophale Auswirkungen. Aber den Terror zu adressieren, ist vergleichsweise leichter, denn er wirkt kurzfristiger und ist im Wesentlichen ein nordamerikanisch-europäisch-asiatisches Thema." Jeder Terror-Anschlag sei in gewisser Weise begrenzt, die Weltpolitik kenne im Großen und Ganzen die Ursachen, erläutert der Harvard-Ökonom. Die Erderwärmung werde hingegen "in ihrer globalen Dimension so vernichtend sein wie ein Asteroideneinschlag."

Dabei mangelt es nicht an Ideen und auch nicht an Lösungen. Eine beträchtliche Anzahl an US-Staaten zieht ihre Maßnahmen zur Nachhaltigkeit gegen Trumps Linie durch. Nahezu alle Fachbereiche und Wirtschaftszweige streben danach, diesem perfekten komplexen Problem entgegenzuwirken und am Kuchen der CO2-sparsamen Ökonomie teilzuhaben. Stadtplaner denken sich neue Bauweisen aus, um Gebäude für Hitzeperioden fit zu machen, damit Klimaanlagen weniger Schadstoffe in die Luft blasen müssen. Dickeres Mauerwerk, kleinere Fenster, Luftschächte und Fassadenbegrünung sollen die Städte lebenswerter machen, Nullenergie-Häusern sich sogar selbst genug sein. Elektroautos und E-Öffis sollen der wachsenden Mobilität emissionsfrei Rechnung tragen, während Energieversorger daran arbeiten, für all die neuen Vehikel genug sauberen Strom liefern zu können. Was wiederum Batteriehersteller zur Entwicklung neuer Akkus veranlasst.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-15 16:38:36
Letzte Änderung am 2018-08-15 16:53:09


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