• vom 29.08.2018, 18:01 Uhr

Klima

Update: 30.08.2018, 10:24 Uhr

Klimawandel

Hitzesommer durch Klimawandel




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Von Petra Tempfer

  • Das Alpenland Österreich ist besonders stark vom Klimawandel betroffen.

Der Gletscherrückgang ist ein Parameter für den Klimawandel. Im Bild der Brandner Gletscher in Vorarlberg 2003 (l.) und 2015. - © apa/ÖAV/Kaufmann/Gross

Der Gletscherrückgang ist ein Parameter für den Klimawandel. Im Bild der Brandner Gletscher in Vorarlberg 2003 (l.) und 2015. © apa/ÖAV/Kaufmann/Gross

Wien. Temperaturen von 1,9 Grad über dem vieljährigen Mittel und um 22 Prozent weniger Niederschlag: Der heurige Sommer (die Meteorologen betrachten dabei die Monate Juni, Juli, August) war ein Sommer der Rekorde. Laut Florian Pfurtscheller vom privaten Wetterdienst Ubimet wird er voraussichtlich der viertheißeste der 252-jährigen Messgeschichte sein. Bleibt es heute, Donnerstag, und morgen kühler, werde er ganz knapp hinter dem Sommer 2017 zu liegen kommen, der um zwei Grad heißer als das vieljährige Mittel war.

Auffallend sei, dass die Top vier der heißesten Sommer des Landes vom Jahr 2003 (2,9 Grad über dem Mittel) angeführt werden, gefolgt von 2015, 2017 und eben 2018. Auch 1993 und 1994 waren heiß, die elf heißesten Sommer der Messgeschichte wurden aber alle seit dem Jahr 2000 registriert.

Diese Kulmination an Hitzesommern nach der Jahrtausendwende sei dem Klimawandel geschuldet, der damit für alle spürbar werde, sagt Pfurtscheller. Heiße und noch heißere Sommer werden zur Norm werden. Über das gesamte Jahr gerechnet ist es in Österreich schon um fast zwei Grad wärmer als im Jahr 1880, wobei sich der Anstieg in den vergangenen 20 Jahren deutlich beschleunigt hat.

Die höchste Temperatur, die in Österreich je gemessen wurde, hält bei 40,5 Grad Celsius in Neusiedl am See 2013. Heuer war es am 9. August in Haag in Niederösterreich mit 38 Grad am heißesten. Anders als im Vorjahr war es zudem außergewöhnlich trocken. Durch die verregneten Augusttage und den feuchten Juni zeichnet sich allerdings nur ein Platz unter den 20 trockensten Sommern ab. An der Spitze liegt der Sommer 1873 mit 32 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel.

"Wetter und Klima darf man nicht vermischen"

Der Kaltlufteinbruch am Wochenende, der die Schneefallgrenze unter 1000 Meter Seehöhe sinken ließ, sei indes nicht ungewöhnlich, so Pfurtscheller. Es gab zwar erstmals Schnee im August in Bad Gastein, und die Nacht auf Montag war die kälteste Augustnacht seit 1998, daraus könne man aber noch keine Rückschlüsse auf das Klima ziehen.

Wetter und Klima dürfe man generell nicht vermischen, sagt dazu Manfred Dorninger vom Institut für Meteorologie und Geophysik an der Uni Wien. Grundsätzlich vergleiche man immer Perioden von je 30 Jahren, um Klima-Änderungen festzustellen. Einige wenige, extrem heiße Sommer würden dadurch lediglich in die Kategorie Klimafluktuation und nicht Klimawandel fallen. "Dass die letzte Dekade aber nur so gestrotzt hat von überdurchschnittlichen Sommern, ist schon ein Indikator dafür, dass sich der Klimawandel etabliert hat."

An den Gletschern und dem arktischen Polareis sehe man den Klimawandel besonders deutlich. Denn diese haben ein "langes Gedächtnis". "Ist es einmal kurz sehr heiß und dann wieder normal warm, merkt man nichts. Gibt es aber gehäuft warme Sommer, geht das Eis zurück", so Dorninger. Diesen Rückgang, über mehrere Jahre beobachtet, könne man als Parameter heranziehen.

Österreich, zu einem großen Teil von den Alpen geformt, sei dadurch besonders vom Klimawandel betroffen. Denn mit dem Rückgang der Gletscher potenziert sich die Hitzewirkung: Wo vorher noch weißes Eis war, das die Sonnenstrahlen reflektierte, absorbiert diese nun dunkles Geröll. "Das führt zu einer komplett anderen Energiebilanz." In einem noch viel größeren Ausmaß passiere das in der Arktis. Denn auch offenes Wasser, zu dem das Arktis-Eis zerfließt, absorbiere die Strahlen.

"Das Klima hat immer wieder Überraschungen bereit"

Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Treibhausgas CO2, das die Wärmestrahlung aufnimmt, die von der Erdoberfläche und der Atmosphäre abgestrahlt wird. Ozeane absorbieren etwa ein Drittel des CO2, das Menschen durch das Verheizen fossiler Brennstoffe erzeugen. Die Aufnahmefähigkeit der Ozeane ist jedoch begrenzt - und am Limit. Beim Auftauen des Permafrostbodens wird Dorninger zufolge zudem Methan frei: ein sehr starkes Treibhausgas.

Wohin das führen und was das für Österreich bedeuten könnte, will und kann Dorninger nicht vorhersagen. Denn: "Jetzt wird es einmal wärmer - aber das Klima hat auch immer wieder Überraschungen bereit."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-29 17:38:50
Letzte Änderung am 2018-08-30 10:24:38


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