• vom 26.11.2018, 17:01 Uhr

Mensch

Update: 26.11.2018, 17:20 Uhr

Medizin

Erste genetisch veränderte Babys




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  • Ein chinesischer Wissenschafter hat nach eigenen Angaben erstmals mittels Genschere in die Keimbahn eingegriffen.

Chinesische Forscher haben das Erbgut noch in den befruchteten Eizellen genetisch verändert. - © Mark Schiefelbein, AP, picturedesk.com

Chinesische Forscher haben das Erbgut noch in den befruchteten Eizellen genetisch verändert. © Mark Schiefelbein, AP, picturedesk.com



Peking/Wien. (gral) In die Keimbahn des Menschen einzugreifen, ist seit der Erfindung der Genschere CRISPR/Cas9 ein Leichtes. Dennoch ist es tabu. Darauf hatten sich die Wissenschafter weltweit schon lange verständigt. Chinesische Forscher haben nun allerdings gegen dieses auf ethischen Prinzipien beruhende ungeschriebene Gesetz verstoßen. Das Ergebnis sind Lulu und Nana - zwei Zwillingsmädchen, deren Erbgut noch in den befruchteten Eizellen genetisch verändert wurde, wie der federführende Wissenschafter He Jiankui von der Universität Shenzhen in einer YouTube-Stellungnahme bekanntgab. Unmittelbar nach Bekanntwerden setzte international heftige Kritik ein.

"Ich fühle eine starke Verantwortung. Es ging nicht darum, der Erste zu sein. Es ging darum, ein Beispiel zu setzen (...) Wenn ich es nicht bin, hätte es jemand anderer getan (...) Der Eingriff gelang so sicher wie geplant", äußerte sich Jiankui zu seinem nach eigenen Angaben geglückten Versuch. Er habe im Erbgut der beiden vor einigen Wochen geborenen Mädchen "die molekulare Eintrittspforte entfernt", durch die Aids-Viren in Zellen gelangen können. Dabei habe er den sogenannten Rezeptor CCR5 anvisiert. Wird das Gen für diesen Signalgeber auf der Zelle entfernt, ist sie HIV-resistent.


Immunität gegenüber HIV
Die Babys sind das Ergebnis einer Studie mit mehreren Teilnehmern. Dabei handelt es sich um insgesamt 20 Paare mit Kinderwunsch, bei denen der Mann HIV-positiv ist. Die Studie wird "zur Sicherheit und Wertigkeit des Editierens des CCR5-Gens für eine HIV-Immunität bei menschlichen Embryos" durchgeführt, lautet der Eintrag im chinesischen Register für klinische Studien. Bislang gibt es keine wissenschaftliche Veröffentlichung zum Gelingen des Experiments, lediglich einen Eintrag in besagtem Register.

Mit der Genschere lässt sich das Erbgut sehr zielgerichtet verändern. Es können Gene verändert, an- oder ausgeschaltet und durch fremde Bestandteile ergänzt oder ersetzt werden. Seit dem Jahr 2013 weiß man, dass diese Technik auch beim Menschen funktioniert. Allerdings gibt es noch ungelöste Probleme - etwa bei der zuverlässigen Reparatur der zerschnittenen Gensequenzen.

International werden Versuche dieser Art strikt abgelehnt. Denn erfolgt eine genetische Veränderung in der Keimbahn des Menschen, geben die Betroffenen diese veränderten - also modifizierten oder korrigierten - Erbanlagen an ihre Kinder weiter, bringt Markus Hengstschläger, Leiter des Instituts für Medizinische Genetik der Medizin-Uni Wien, die Folgewirkung auf den Punkt. Das sei ethisch äußerst bedenklich, ist der allgemeine Tenor.

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Dokument erstellt am 2018-11-26 17:13:30
Letzte Änderung am 2018-11-26 17:20:00


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