• vom 27.11.2018, 18:25 Uhr

Mensch


Genetisch veränderte Babys

Untersuchung zu genmanipulierten Babys




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  • Chinesischer Wissenschafter hatte die erste Geburt genmanipulierter Babys verkündet Peking hat Prüfung angeordnet.

He Jiankui wegen "Menschenversuchen" unter Beschuss. - © reuters

He Jiankui wegen "Menschenversuchen" unter Beschuss. © reuters

Peking. (apa/est) Chinas Regierung will die Arbeit des chinesischen Forschers He Jiankui prüfen, der am Montag die erste Geburt genmanipulierter Babys verkündet hatte. Am Dienstag forderte die Nationale Gesundheitskommission in Peking die Lokalregierung der Provinz Guangdong zu einer "unverzüglichen Untersuchung" auf. Der Fall müsse in Übereinstimmung mit den Gesetzen behandelt werden, die für die Gesundheit der Menschen Verantwortung zu tragen hätten, betonte die Kommission.

Die Zeitung "China Daily" berichtete, der Forscher habe für seine Versuche keine Genehmigung bei den Behörden eingeholt. Zuvor hatte Hes Universität, die Southern University of Science in Shenzhen, mitgeteilt, nichts von den Versuchen gewusst zu haben. Auch von chinesischen Forschern kam massive Kritik: "Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden", heißt es in von 122 Forscher unterzeichneten Schreiben. He hatte am Montag die Geburt der ersten genmanipulierten Zwillinge verkündet. "Zwei wunderschöne kleine chinesische Mädchen namens Lulu und Nana kamen vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby zur Welt", berichtete der Genetiker in einem YouTube-Video. Manipulationen im Embryo-Stadium mit der noch sehr jungen Gen-Schere CRISPR/Cas9 würden die Kinder resistent gegen HIV machen. Eine geprüfte Publikation zu dem Eingriff gibt es aber bisher noch nicht. Medienberichte zufolge führt das chinesische Team jedoch eine in Chinas Register für klinische Studien angemeldete Untersuchung zur "Sicherheit und Wertigkeit des Editierens des CCR5-Gens für eine HIV-Immunität bei menschlichen Embryos" durch. Bei den Probanden handle es sich um Paare mit Kinderwunsch, bei denen der Mann HIV-positiv ist. 20 Paare sind für die Studie vorgesehen.


He Jiankui gibt an, in den Embryonen den Pfad, durch den das HI-Virus die Zellen betritt und infiziert, ausgeschaltet zu haben. Mit CRISPR/Cas 9 habe er ein Gen namens CCR5 lahmgelegt, das für ein Protein codiert, das HIV Zutritt verschafft. Die DNA-Sequenzierung der Mädchen habe gezeigt, dass der Prozess erfolgreich verlaufen und nur das Ziel-Gen verändert worden sei. Wenn die Angaben stimmen, wären die Zwillinge tatsächlich die ersten genmanipulierten Menschen der Welt.

Bisher wurde die Gen-Schere nur zu Forschungszwecken eingesetzt, um krankheitserregende Mutationen aus der Keimbahn zu entfernen. Einige Teams berichteten von Nebenwirkungen. Fyodor Urnov vom Altius Institute for Biomedical Sciences im US-Staat Seattle äußert sich im Fachjournal "Nature" skeptisch. Er wendet die Gen-Schere am CCR5-Gen bei HIV-kranken Erwachsenen an, sieht jedoch "keinen medizinischen Bedarf für Genom-Editierung am Embryo". HIV-Forscherin Paula Cannon von der University of Southern California räumt ein, dass HIV nicht nur über CCR5, sondern auch über ein anderes Protein namens CXCR4 in die Zellen gelangen kann.

Der Wiener Fachhumangenetiker Markus Hengstschläger erklärt: "In somatischen Zellen (im Gewebe, Anm.) ist das Genome-Editing eine Riesenchance. Aber in der Keimbahn wird das aus ethischen Gründen in den meisten Staaten abgelehnt." Und Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, betont: "Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche." Derzeit seien solche Ansätze aufs Schärfste zu kritisieren.




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