• vom 27.12.2006, 16:41 Uhr

Mensch

Update: 27.12.2006, 16:54 Uhr

"WZ"-Interview mit Pflegeombudsmann Werner Vogt: "Brauner müsste entlassen werden"

Ein Unbequemer muss weg: "Natürlich gehe ich im Zorn"




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Von Christian Mayr

  • Per 31. Dezember wird Pflegeombudsmann abgeschafft.
  • Werner Vogt reitet zum Abgang heftige Attacken gegen Stadt.
  • "Sorge, dass so etwas wie Lainz-Skandal wieder passiert."

"Wiener Zeitung":Herr Vogt, Ihre letzten Tage als Pflegeombudsmann sind angebrochen. Werden Sie im Zorn oder im Guten gehen?


Werner Vogt: Natürlich im Zorn. Ich habe nicht vorgehabt, dass man eine Einrichtung, die eine gute Erfindung war und so hilfreich ist, mit Gewalt zerschlägt. Dass man sie ohne die Bevölkerung zu informieren zusperrt, ist eine Frechheit und macht mich zornig. Aber es waren drei wunderbare Jahre für mich.

Sie können eine erfolgreiche Bilanz ziehen?

Ja. Wir konnten von Null auf etwas erfinden und gestalten, ohne dass uns jemand dreingeredet hat. Weisungsfrei und unabhängig zu sein, ist ein großer Schatz. Und noch besser war, dass man die Erfahrungen aus der Arbeit öffentlich darstellen konnte.

Aber die Pflegeombudsstelle wird ja nicht komplett abgeschafft, sondern ab 1. Jänner nur neu strukturiert.

Es ist fadenscheinig, dass die Politik gesagt hat, wir legen diese Stelle mit der Patientenanwaltschaft zusammen. Das schaut in der Praxis so aus, dass eine Sekretärin und eine Sozialarbeiterin zu Patientenanwalt Walter Dohr wechseln. Unsere Einrichtung hier im Geriatriezentrum am Wienerwald wird samt sieben Mitarbeitern geräumt - und das wird auch noch verheimlicht! Die Menschen, denen wir das beibringen, sind von den Socken.

Die neue Anlaufstelle ist nicht adäquat?

Sicher nicht. Die neue Stelle ist die alte Stelle. Denn der Patientenanwalt war immer auch für Fälle in der Altenpflege zuständig.

Und dort hatte die Pflege nicht jene Aufmerksamkeit?

Keinesfalls. Bis zum Jahr 2003, als unsere Stelle nach dem Lainzer Pflegeskandal gegründet wurde, sind pro Jahr 20 bis 30 Beschwerden aus der Pflege beim Patientenanwalt eingelangt. Bei uns hatten wir auf Anhieb 100 Fälle und mehr als 1000 Anrufe. Bis jetzt haben wir in drei Jahren rund 10.000 Informationsgespräche und 2200 Interventionen durchgeführt. Bei uns wussten die Angehörigen, dass da jetzt wer ist, der einem zuhört. Die, die zu uns kamen, wurden ja vorher überall abgeschasselt. Wir sind jedem Fall nachgegangen - und dadurch haben wir etwas verändert.

Wie groß ist Ihre Sorge, dass man um Jahre zurückfällt?

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Dokument erstellt am 2006-12-27 16:41:12
Letzte Änderung am 2006-12-27 16:54:00

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