• vom 28.12.2011, 16:20 Uhr

Mensch


Medizin

Durchsichtiges Rückenmark




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Neue Mikroskopiertechnik könnte die Heilung von Querschnittslähmung ermöglichen
  • Wiener Ultra-Mikroskop durchleuchtet Rückenmark - bessere Diagnose möglich.

Wien.

Durchleuchtet: 3D-Rekonstruktion von Mäuserückenmark.

Durchleuchtet: 3D-Rekonstruktion von Mäuserückenmark. Durchleuchtet: 3D-Rekonstruktion von Mäuserückenmark.

(apa/est) Nervenzellen können sich nach Rückenmarkverletzungen wieder regenerieren. Wie sie das tun, war bisher allerdings schwer zu erforschen. Eine neue Mikroskopiertechnik soll Abhilfe schaffen. Sie macht Rückenmarkgewebe durchsichtig. Damit lassen sich die Reaktionen von Nerven auf Verletzungen und Regenerationsvorgänge besser beobachten, berichten Forscher des Max Planck Instituts für Neurobiologie in Martinsried und der Technischen Universität (TU) Wien in "Nature Medicine".


Wollte man bisher ins Innere des Rückenmarks blicken, musste man Proben in feine Scheiben schneiden und sie nacheinander untersuchen. "Schneidet man Gewebe aber in dünne Scheiben, können Zellen gequetscht oder verschoben werden. Die Scheiben am Computer zu einem dreidimensionalen Bild zusammenzubauen, ist daher oft kaum möglich", erklärt Nina Jährling vom Lehrstuhl für Bioelektronik am Institut für Festkörperelektronik der TU Wien.

Nun sind tiefe Blicke in Struktur des Rückenmarks möglich, feinste Details in der Größenordnung von Tausendstelmillimetern werden sichtbar: An der TU Wien wurde ein Ultra-Mikroskop entwickelt, das das Gewebe durchsichtig werden lässt.

Nervengewebe besteht zu einem Großteil aus Wasser und Proteinstrukturen. Beide lassen Licht durch, die unterschiedliche Lichtstreuung aber behindert die Klarsicht. Ersetzt man das Wasser durch eine Flüssigkeit, die dieselben optischen Eigenschaften hat wie die Proteinstrukturen, können Lichtstrahlen auf geradem Weg durch das Gewebe gelangen, erklärt Hans Ulrich Dodt vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Das Gewebe wird durchsichtig.

Um im durchsichtigen Gewebe feine Strukturen erkennen zu können, werden die Proben mit einem Laserstrahl zum Fluoreszieren angeregt. Schicht für Schicht wird das Gewebe durchleuchtet, das helle Fluoreszieren der Proteinstrukturen wird durch ein Mikroskop abgebildet. Auf dem Computer setzen die Wissenschafter diese Schichtbilder dann zu einem dreidimensionalen Objekt zusammen.

Bei Rückenmarkgewebe von Nagetieren konnten sie nachverfolgen, wie sich nach künstlich gesetzten Rückenmark- und Gehirnstammverletzungen, einzelne Nervenfortsätze (Axone) verhalten. Dabei zeigte sich, dass die Axone durch das verletzte Areal hindurch wuchsen. Auch manche Axone, die man nicht für regenerationsfähig gehalten hatte, wiesen "Reparatur"-Fähigkeiten auf.

"Mit der neuen Technik wird es möglich, Methoden zum Wachstum und zur Regenration verletzter Nervenzellen gezielter einzusetzen und zu verbessern, da man sieht, ob die Therapie greift", sagt Dodt: "Das könnte insbesondere für die Entwicklung neuer Therapien von Querschnittslähmung von Vorteil sein oder sogar deren Heilung ermöglichen."




Schlagwörter

Medizin

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2011-12-28 16:26:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Warum man nicht unendlich weit sieht
  2. Neu entdeckter Pflanzenstoff wirkt lebensverlängernd
  3. Genom des Weißen Hai entschlüsselt
  4. Riesenbiene in Indonesien wiederenteckt
  5. Israel schießt erstmals Sonde zum Mond
Meistkommentiert
  1. Das blutige Desaster vom 12. Februar 1934
  2. Das digitale Kleinkind
  3. Umprogrammierte Zellen mildern Diabetes Typ 1
  4. Frauen in Wissenschaft unterrepräsentiert
  5. Neu entdeckter Pflanzenstoff wirkt lebensverlängernd

Werbung




Werbung