• vom 14.12.2015, 18:00 Uhr

Mensch

Update: 14.12.2015, 18:19 Uhr

Gesundheit

Antidepressiva begünstigen Autismus




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief





Die Erkenntnisse erscheinen in einem noch größeren Licht, wenn man die Prognose der Weltgesundheitsorganisation bedenkt, dass die Zahl der Depressionen allgemein zunehmen wird und schon bis zum Jahr 2020 den zweithäufigsten Grund für Todesfälle darstellen werden.

Als Alternative zur Medikation könnte auch eine Verhaltenstherapie eingesetzt werden, wie eine Metaanalyse der Donau-Universität Krems zeigt. Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie, hat gemeinsam mit US-Kollegen 45 Studien analysiert, die verschiedene Therapieansätze bei schweren Depressionen mit modernen Antidepressiva verglichen haben. Kognitive Verhaltenstherapie und Antidepressiva sind demnach in etwa gleich wirksam, so das Untersuchungsergebnis der Studie, die durch die U.S. Agency for Healthcare Research and Quality veröffentlicht wurde.

Empathie-Defizite ein Irrtum
Neue Erkenntnisse liefern Forscher allerdings auch aus dem Gebiet Autismus. Bisher ist man davon ausgegangen, dass sich Menschen mit einer solchen Erkrankung besonders schwer damit tun, sich in andere Menschen hineinzufühlen - also empathisch zu sein. Reduzierte Empathiefähigkeit war auch lange ein wichtiges Diagnosekriterium.

Diese Sichtweise sollte allerdings überdacht werden, urteilen nun Wiener Forscher. Es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass "der Autist, der bei anderen starke Emotionen wahrnimmt, dadurch schneller überfordert wird", betont der Neurowissenschafter und Psychologe Claus Lamm von der Universität Wien gegenüber der Austria Presse Agentur. Um dem zu entgehen, könnten Betroffene gewissermaßen von vornherein dazu neigen, solche Wahrnehmungen zu blockieren.

Dieser "gut eingebaute Schutzmechanismus" wäre allerdings etwas ganz anderes als eine prinzipielle Unfähigkeit, empathisch zu sein, und eine "gute Nachricht" für Betroffene, so Lamm. Denn in einer Therapie müsse Einfühlungsvermögen nicht neu gelernt, sondern vielmehr der Umgang mit den Emotionen anderer geübt werden, indem gelernt wird, negative Gefühle anderer von jenen, die die eigene Person betreffen, klarer zu trennen.

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-12-14 16:38:05
Letzte Änderung am 2015-12-14 18:19:09


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Was den Mars zusammenhält
  2. Wiege der Menschheit neu datiert
  3. Unbekannte Gletscher heben den Meeresspiegel
  4. Science Fiction im Realitätstest
  5. Kennedys sorgsam gepflegter Mythos
Meistkommentiert
  1. Update für das Kilogramm
  2. Besser dicker, als Raucher
  3. Herzschwäche ein unterschätztes Leiden
  4. Die Waffenkammer leert sich
  5. Kooperation eine Frage der Stimmigkeit

Werbung




Werbung