• vom 12.02.2018, 21:00 Uhr

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Update: 13.02.2018, 05:48 Uhr

Klimaerwärmung

Meeresspiegel steigt rasant an




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  • Im Jahr 2100 könnte der Anstieg gar zehn Millimeter pro Jahr betragen.



Tampa/Boulder/Wien. (gral) Der als Folge des Klimawandels fortlaufende Anstieg des Meeresspiegels gefährdet Flussdeltas genauso wie Sandküsten, küstennahe Feuchtgebiete, Korallenriffe und damit letztendlich auch Küstenstädte. Und die Bedrohung scheint schneller voranzuschreiten als bisher gedacht, denn der Zuwachs könnte mehr als das Doppelte bisheriger Prognosen ausmachen, berichten Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Seit dem Jahr 1993 stieg der Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt jährlich um ungefähr drei Millimeter. Dabei werde es allerdings nicht bleiben, betonen die Wissenschafter um Steve Nerem von der University of Colorado in Boulder. Für ihre Berechnungen nahmen sie Satellitendaten der vergangenen 25 Jahre als Grundlage. Setzt sich die darin beobachtete Veränderungsrate in Zukunft fort, so steige der Meeresspiegel in Zukunft um zusätzliche 0,08 Millimeter jährlich. Im Jahr 2100 könnte der Anstieg dann gar einen Wert von zehn Millimeter oder sogar noch mehr betragen, heißt es in der Publikation. Demzufolge könnte laut den Forschern bis zum Ende dieses Jahrhunderts der Durchschnittspegel an den Küsten um 65 Zentimeter höher liegen als im Jahr 2005 - bisher waren häufig rund 30 Zentimeter angenommen worden. Auf die Küstenstädte würden durch das Mehr an Wasser erhebliche Probleme zukommen, warnen die Forscher.


Große Sorge gilt dem Eis
Hauptverursacher sind die durch den Menschen verursachten und in die Atmosphäre aufsteigenden Treibhausgase, die mit der Erwärmung von Luft und Wasser auf zwei unterschiedlichen Wegen den Meeresspiegel heben. Ungefähr ein Drittel des gegenwärtigen Anstiegs ist darauf zurückzuführen, dass warmes Wasser ein größeres Volumen hat. Hinzu kommt das Abschmelzen des Inlandeises an den Polen. Bisher betraf dies vor allem Gebirgsgletscher, aber die besonders große Sorge gilt den Eisschilden in Grönland und der Antarktis, in denen das meiste Eis lagert.

Für ihre Messungen nahmen die Forscher Daten des Erdbeobachtungssatelliten "Topex/Poseidon", der im August 1992 gestartet war, als Grundlage sowie jene der drei "Jason"-Missionen zur Meeresbeobachtung.

Auch Vulkanausbrüche beeinflussen die Entwicklungen, wie die Forscher feststellten. So zeigten sich zu Beginn der Satellitenmessreihe noch die Auswirkungen des Ausbruchs des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahr 1991, beschreiben die Wissenschafter. Ebenso glichen sie Messungen, die sich auf das offene Meer beziehen, mit Gezeitenpegelständen an den Küsten ab.

Zu den zehn am meisten gefährdeten Gebieten zählt etwa die Tampa Bay Area in Florida, berichtet Gary Mitchum vom University of South Florida College of Marine Science. Die Städte an den Küsten der Erde sind dabei gleich auf doppelte Weise bedroht. Einerseits überschwemmen ansteigende Meere nach und nach die tief gelegenen Gebiete, andererseits verstärkt der höhere Wasserpegel die zerstörerische Wirkung von Sturmfluten.

Vorhersagen für Regionen
"Die Studie zeigt die wichtige Rolle von Satellitendaten für Klimamodelle auf", betont der Klimaforscher John Fasullo von National Center for Atmospheric Research. Doch die aktuellen Auswertungen seien nur der erste Schritt. Weitere Daten des Jason-3-Satelliten könnten die Modelle untermauern. Zudem könnten sie dazu beitragen, Vorhersagen auch für einzelne Regionen zu treffen.

Schon lange Zeit warnen Experten vor den Folgen der Erderwärmung. "Setzt sie sich fort, werden die nächsten Generationen vor einer völlig veränderten Landschaft stehen", schlussfolgern die Experten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-12 16:20:22
Letzte ńnderung am 2018-02-13 05:48:58



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