• vom 16.02.2018, 18:00 Uhr

Mensch

Update: 16.02.2018, 21:52 Uhr

Roboter-Forschung

Wenn Roboter Bewusstsein erlangen




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Von Eva Stanzl

  • Der Forscher Hiroshi Ishiguro hat einen Roboter nach seinem Ebenbild gebaut. Er will herausfinden, was Mensch sein heißt.

Ist er es- oder ist es sein Doppelgänger? In beiden Fällen er, der Roboter in Hiroshi Ishiguros Ebenbild blieb im Labor in Japan.

Ist er es- oder ist es sein Doppelgänger? In beiden Fällen er, der Roboter in Hiroshi Ishiguros Ebenbild blieb im Labor in Japan.© S. Jenis Ist er es- oder ist es sein Doppelgänger? In beiden Fällen er, der Roboter in Hiroshi Ishiguros Ebenbild blieb im Labor in Japan.© S. Jenis

Wien. Die wenigsten Professoren halten gerne Jahr für Jahr die gleiche Vorlesung. Zur Lösung baute sich der japanische Robotiker Hiroshi Ishiguro deshalb seinen eigenen Doppelgänger aus Silikon und Elektronik. Geminoid HI hat, genau wie der Direktor des Intelligent Robotics Laboratory der Universität Osaka, einen schmalen Körperbau, markante Augenbrauen und mandelförmige Augen - deren Glanz allerdings etwas statischer ist als jener des Originals aus Fleisch und Blut. Über einen Computer gesteuert, imitiert der Roboter das Mienenspiel seines Schöpfers. Wenn Hiroshi Ishiguro den Kopf neigt, macht er es auch, wenn er spricht, gibt er die Worte wieder. Die "Wiener Zeitung" sprach mit dem Robotiker am Rande der bis Samstag laufenden Fachtagung "Robo Ethics" des Instituts für Philosophie der Universität Wien über die Wechselbeziehung von Mensch und Maschine.

"Wiener Zeitung": Was inspirierte Sie zu der Idee, einen Roboter als Ihr Ebenbild zu bauen?


Hiroshi Ishiguro: Es ging mir nicht darum, meine Erscheinung zu kopieren. Vielmehr hatte ich vorher einen weiblichen Roboter gemacht, der mich in Aussehen und Verhalten überraschte. Ich wollte noch mehr überrascht werden und dachte, wenn ich einen Androiden von mir selbst machen würde, dann wäre das der Fall - er sollte meine Arbeit inspirieren. Zudem fand ich es interessant, meine Präsenz an entfernte Orte zu transferieren, und dass mein Roboter mir gelegentlich eine Vorlesung abnehmen könnte. Es war ein erfolgreiches Forschungsprojekt, wir haben viele Publikationen dazu gemacht.



In einem Vortrag erklärten Sie, Geminoid HI gebe einen guten Spielkameraden für Ihre damals fünfjährige Tochter ab. Hält die Weiterentwicklung des Roboters mit jener Ihrer Tochter mit?

Nein, das ist nicht möglich, die menschliche Entwicklung ist viel schneller. Wir rüsten Geminoid HI aber auch nicht mehr weiter auf, weil wir nicht immer am selben Roboter arbeiten können. Es werden immer neue Resultate erwartet, demzufolge müssen wir immer neue Projekte starten und neues Wissen gewinnen. Zur Zeit erforschen wir, wie wir einen Roboter auf der Basis von Wunsch und Vorsatz programmieren können.

Wie kann sich eine gefühllose Maschine etwas wünschen?

Wunsch und Begehren sind ebenso programmierbar wie der Vorsatz, sich einen Wunsch zu erfüllen. Auch die Gesichtsausdrücke für die damit verbundenen Gefühle können wir programmieren. Damit Roboter gute Beziehungen mit Menschen pflegen können, benötigen sie diese Gesichtsausdrücke, denn ohne sie können Menschen Roboter nicht verstehen. Natürlich lernen wir dabei etwas über den Menschen. Um humanoide Roboter zu bauen und laufend zu verbessern, müssen wir menschliches Verhalten in der Tiefe verstehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-16 16:35:30
Letzte Änderung am 2018-02-16 21:52:25


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