• vom 14.03.2018, 17:34 Uhr

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Update: 15.03.2018, 12:29 Uhr

Nachruf auf Stephen Hawking

Ein großer Geist, der durch den Kosmos reiste




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Von Eva Stanzl

  • Der britische Astrophysiker Stephen Hawking, einer der einflussreichsten Wissenschafter der Welt, ist tot.

Stephen Hawking im Jahr 1983 in Cambridge vor seinem Universitätscollege Gonville and Caius, das auch den "Harry Potter"-Filmen als Kulisse diente: Die Außenmauer der altehrwürdigen Institution ist die Rückseite der Hogwarts School für Hexenkunst und Zauberei.

Stephen Hawking im Jahr 1983 in Cambridge vor seinem Universitätscollege Gonville and Caius, das auch den "Harry Potter"-Filmen als Kulisse diente: Die Außenmauer der altehrwürdigen Institution ist die Rückseite der Hogwarts School für Hexenkunst und Zauberei.© Getty Images/David Montgomery Stephen Hawking im Jahr 1983 in Cambridge vor seinem Universitätscollege Gonville and Caius, das auch den "Harry Potter"-Filmen als Kulisse diente: Die Außenmauer der altehrwürdigen Institution ist die Rückseite der Hogwarts School für Hexenkunst und Zauberei.© Getty Images/David Montgomery

Als bei Stephen Hawking 21-jährig eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems festgestellt wurde, dachten seine Ärzte, er würde nicht einmal sein Doktorstudium abschließen können. "Ich fiel beim Eislaufen hin und hatte enorme Schwierigkeiten, wieder aufzustehen. Das deprimierte mich zunächst, denn es wurde schnell schlimmer", erinnerte er sich später. Entgegen allen Erwartungen lebte er weitere 55 Jahre und wurde einer der einflussreichsten Wissenschafter der Welt. Stephen Hawking starb am Morgen des 14. März im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Cambridge, England.

Stephen William Hawking wurde am 8. Jänner 1942 in der Universitätsstadt Oxford als Sohn einer Philosophin und eines Mediziners geboren. Er besuchte die St. Alban’s School nördlich von London. Obwohl er nicht als Musterschüler galt, nannten ihn seine Schulfreunde "Einstein", was ein Interesse für die Wissenschaften in ihm ausgelöst haben mag. Sein Ehrgeiz brachte ihm ein Stipendium an der Universität Oxford ein, wo er das Studium der Physik mit der Top-Note "First-class honours" abschloss. 1962 wechselte er an die Universität Cambridge zu Dennis Sciama, einem Mitbegründer der modernen Kosmologie.


Hawking untersuchte in seiner Dissertation die Eigenschaften von expandierenden Universen. "Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen", sagte der Astrophysiker: "Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert."

Urknall-Beweis und Schwarze Löcher, die verdampfen
1965 lieferte Hawking zusammen mit dem britischen Mathematiker und Philosophen Roger Penrose einen wichtigen Beleg für die Urknalltheorie. Die Idee war damals umstritten, da man annahm, dass in dieser mathematischen "Singularität" die Naturgesetze nicht mehr gelten und eine Art Schöpfungsakt notwendig sei. Hawking beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie sehr wohl einen Anfang des Universums voraussagte - "ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm", schrieb Hawking in seiner 2013 erschienenen Autobiografie "Meine kurze Geschichte". Später zeigte der Physiker, dass der Anfang des Universums gar nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss.

Trotz seiner Krankheit lief das Gehirn des Genies auf Hochtouren. Untrennbar ist sein Name mit der Physik von Schwarzen Löchern verbunden: Hawking zufolge sind die masseverschlingenden Monster im All nämlich keine Endstationen. Zwar saugen sie durch ihre enorme Schwerkraft alles ein, was ihnen zu nahe tritt, sogar das Licht - doch sie verdampfen auch. Hawking konnte in der Theorie zeigen, dass verdampfende Schwarze Löcher Strahlung emittieren. Da dieser Prozess sehr lange dauert, konnte bisher niemand die Hawking-Strahlung nachweisen. Aus diesem Grund bliebt der Nobelpreis dem Genie verwehrt. Die Hawking-Strahlung trägt dazu bei, dass Schwarze Löcher schrumpfen und letztlich verschwinden. Dabei wird laut ihrem Erfinder auch Information aus dem Kosmos gelöscht - was jedoch den Gesetzen der Quanten-Theorie widerspricht. Zeitlebens wollte Hawking die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik vereinen und eine Weltformel finden, die alle Bereiche des Universums, vom Mikro- bis zum Makrokosmos, beschreiben kann.

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Dokument erstellt am 2018-03-14 17:38:46
Letzte Änderung am 2018-03-15 12:29:15


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