• vom 11.04.2018, 17:14 Uhr

Mensch

Update: 12.04.2018, 14:27 Uhr

Unsterblichkeit

Ewiges Leben bleibt ein Hirngespinst




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Von Eva Stanzl

  • Die Genetik macht enorme Fortschritte, ewige Gesundheit ist eine Illusion, sagt Nobelpreisträger Paul Nurse.

- © Stanislav Jenis

© Stanislav Jenis

Paul Nurse beim Interview.

Paul Nurse beim Interview.© Stanislav Jenis Paul Nurse beim Interview.© Stanislav Jenis

Sir Paul Nurse ist einer der renommiertesten Zellforscher der Welt. Der britische Genetiker und Biochemiker erhielt 2001 den Nobelpreis für die Entdeckung von Schlüsselregulatoren der Zellteilung und -reifung, ohne die kein Leben möglich wäre. Illusionen lässt er nicht aufkommen: Niemand könne ewig leben, betont der Gründungsdirektor des Francis Crick Institute in London. Die "Wiener Zeitung" sprach mit dem 1949 in Norwich geborenen Wissenschafter am Dienstagabend am Rande eines Vortrags in Wien auf Einladung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien.

"Wiener Zeitung": Seit der Entschlüsselung der DNA-Struktur im Jahr 1953 macht die Genetik enorme Fortschritte. Heute wächst Organ-Gewebe im Labor, werden Erbkrankheiten in Embryonen entfernt und investieren Internet-Milliardäre aus Silicon Valley viel Geld in der Hoffnung, dass die Forschung alle Krankheiten heilen wird können. Wie weit sind wir entfernt vom stets gesunden Menschen, der ewig lebt?

Paul Nurse: Die durchschnittliche Lebenserwartung ist im vergangenen Jahrhundert von 50 auf 80 Jahre gestiegen. Das liegt unter anderem daran, dass wir den Körper immer besser verstehen. Die Vorstellungen mancher Mitglieder von Silicon Valley werden sich jedoch nicht bewahrheiten. Wir finden zwar immer mehr darüber heraus, wie wir funktionieren, aber wir haben noch eine ganze Menge zu lernen. Wer enorme Verbesserungen für die menschliche Gesundheit schon in den kommenden Jahren erwartet, versteht nicht, wie kompliziert wir wirklich sind.

Hat der Mensch eine maximale Lebensspanne?

Ich habe den Verdacht, dass dem so ist. Andere Organismen haben jedenfalls ein Maximalalter. Ich rechne nicht damit, dass der Mensch jemals das ewige Leben erreichen wird. Zwar kann ich mir vorstellen, dass der Großteil der Menschen schon innerhalb des nächsten Jahrhunderts 100 Jahre alt werden könnte, aber viel mehr wird es wohl nicht werden.

Woran liegt das?

Die Frage ist, ob sich unsere Zellen bis in alle Ewigkeit korrekt teilen und im Gewebe zusammenarbeiten können. Ich sehe nicht, dass wir jemals den Gesamt-Verschleiß aus 50, 60 oder 70 Lebensjahren zurückdrehen werden können. Die Existenz nützt sich ab und die Konsequenz ist, dass wir nicht ewig leben. Es wäre auch nicht sinnvoll, denn es hätte ernsthafte Konsequenzen, wenn wir die Bevölkerung nicht durch Nachwuchs ersetzen würden. Die Perspektive Tod mag uns zwar nicht glücklich machen, aber er ist vermutlich die beste Lösung für die Menschheit.




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Dokument erstellt am 2018-04-11 17:18:09
Letzte Änderung am 2018-04-12 14:27:17


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